Quadrizepssehnenruptur

Viele Menschen kommen auf meine Seite, weil Sie nach dem Keyword „Quadrizepssehnenruptur“ gesucht haben. Tja, was soll ich sagen – Sie sind bei dem Fachmann für dieses Thema gelandet! 🙂

Im August 2019 habe ich mir bei einem äußerst dämlichen Treppensturz in beiden Beinen die Quadrizepssehne gerissen. Bereits am folgenden Tag wurden in einer mehrstündigen OP die Sehnen wieder vernäht und es begann ein langwieriger Heilungsprozess.

Ich arbeite derzeit an einem kleinen eBook als Ratgeber für diese Lebenssituation. Bis dieses erscheint können Sie die nachfolgenden, chronologisch aufgelisteten Blog-Einträge lesen und dort ihre Eindrücke mit meinen vergleichen.

Oder Sie schauen zunächst meine Antworten zu den wichtigsten Fragen an, natürlich basierend auf meinen persönlichen Erfahrungen.

 

Quadrizeps FAQ

Unter "Quadrizeps" versteht man die vier Muskeln auf der Oberseite der Oberschenkels. Sie münden alle gemeinsam in die "Quadrizepssehne", die wiederum mit der Kniescheibe verbunden ist. Ein Riss der Sehne zeigt sich durch eine lose, im Bein baumelnde Kniescheibe und die Unfähigkeit, ein gebeugtes Knie wieder strecken zu können.

Man liest übrigens öfter in einigen Foren von Menschen, die sich über diese Langwierigkeit lustig machen und die davon berichten, dass sie nach zwei oder drei Wochen wieder fit gewesen seien. Nun, diese Menschen verwechseln den Riss der Quadrizepssehne mit dem Riss eines Quadrizepsmuskels. Letzteres ist eine vergleichsweise harmlose Verletzung.
Rein physikalisch ist das eigentlich kaum möglich. Man hat mal untersucht, welche Belastungen diese Sehnen aushalten, indem man an die Sehnen von Verstorbenen Gewichte gehängt hat. Diese Sehnen halten normalerweise mehrere Tonnen Belastung aus.

Ursache kann daher nur eine extreme Krafteinwirkung und Überdehnung der Quadrizepssehne sein. In meinem Fall war es in völlig irrer Treppensturz - es gibt aber auch Berichte, dass bei Sportarten wie Snowboarding oder beim Jet-Ski solche Verletzungen häufiger auftreten können. Ursache kann aber auch eine degenerative Vorerkrankung wie Diabetes sein. Das sollten sie ggf. abklären lassen.
Bis sie im Alltag nicht mehr daran denken, dass Sie diese Verletzung hatten, vergehen bis zu 2 Jahre. Ein halbwegs normaler Alltag ist nach 3-4 Monaten nach der Verletzung möglich. Mit "normaler Alltag" ist ein stabiles, sicheres Bewegen ohne Krücken und Orthesen gemeint.
Zunächst ist eine sehr zeitnahe Operation wichtig, bei der die Sehne vernäht wird. Dabei werden Bohrkanäle in der Kniescheibe angelegt und die Nähte werden dort fixiert. Sie haben dann über der Kniescheibe eine dekorative 20-30cm lange Narbe. Nach der OP darf das betroffene Bein sechs Wochen lang nicht unter Belastung geknickt werden. Das wird durch das Tragen einer Orthese (bei Tag und Nacht) bewirkt. Nach den sechs Wochen beginnt eine Physiotherapie. Zunächst wird das versteifte Kniegelenk wieder bewegt und mobilisiert. Dann muss mit dem Muskelaufbau begonnen werden.
Das hängt von Ihrer Tätigkeit ab. Für Bürojobs kann eine Wiedereingliederung stufenweise erfolgen. Bei mir waren es nach sechs Wochen zwei Stunden täglich, dann nach 10 Wochen vier Stunden und ab der 14. Woche wieder Vollzeit - alles im HomeOffice. Für Menschen, die körperlich arbeiten ist diese Verletzung sehr kritisch.
Das ist vielleicht das einzig Positive an dieser Verletzung: Sehnen sind nicht sehr stark durchblutet - ein Sehnenriss verursacht nicht annähernd solche Schmerzen wie ein Knochenbruch oder ein Bänderriss. Der Nachteil daran ist, die Langwierigkeit der Verletzung. Denn nicht nur das Verheilen der Sehnen braucht Zeit. Auch die Neubildung von Muskel und Muskelstrukturen nach der ersten Heilungsphase.

Schmerzen hatte ich nur direkt nach der OP in den ersten 2-3 Tagen - danach ist alles einfach nur anstrengend, aber es besteht keine Notwendigkeit, regelmässig Schmerzmittel zu nehmen. Schmerzen ergeben sich dann später bei der Re-Aktivierung des Knies nach der sechswöchigen Ruhephase. Dadurch, dass das Knie völlig versteift war, sind die ersten echten Physio-Übungen durchaus schmerzhaft.
Eines der großen Handicaps nach so einer Verletzung ist der fehlende Abbau von Lymphflüssigkeit. Lymphflüssigkeit wird normalerweise über Muskelkontraktionen bewegt. Die fehlen aber komplett für mehrere Wochen was bedeutet, dass die Beine anschwellen und sie diese sehr oft richtig "hochlegen" müssen. Sie müssen außerdem regelmäßig selbst Spritzen setzen (in den Bauch) um Embolien vorzubeugen.

Außerdem wird es eine enorme Herausforderung sein, sich wieder sicher bewegen zu können. In den Sehnen und Muskeln befinden sich Gleichgewichtssensoren, die dem Hirn mitteilen, ob sie gerade gehen oder ob sie sich auf unsicherem Untergrund befinden. Diese Sensoren sind erstmal weg und müssen vom Gehirn neu "programmiert" werden - wenn sie dann nach mehreren Wochen komplett ohne Hilfsmittel laufen, ist es ein echtes Abenteuer, über eine Straße zu gehen.
Solange Sie noch relativ jung und mobil sind, ganz klares NEIN. Es ist wirklich eine langwierige Verletzung, die Ihren Alltag vollständig umkrempelt. Ich war wochenlang auf einen Toilettenstuhl angewiesen und Ausflüge nach draußen waren geprägt von Langsamkeit und Erfahrungen, die ein gesunder Menschen nicht macht. Welche Ampel hat die längere Grünphase? Sind alle Bushaltestellen wirklich barrierefrei? Wie zum Teufel soll ich mir Socken anziehen? Oder Treppensteigen? - Nun, es geht. Es geht alles.

Für ältere Menschen ist diese Verletzung mehr als eine Herausforderung. Ich bin Mitte Vierzig und hatte schon richtig zu kämpfen - je älter sie sind, desto schwieriger wird die Rückkehr in einen Alltag.

Ungleich größer dürfte auch die Herausforderung für Menschen sein, die auf gesunde Beine wegen körperlicher Arbeit angewiesen sind. Ich bin ein Büromensch und stelle mir die Rückkehr für solche Menschen sehr schwer vor.
... dass es zwei Prominente Opfer gibt, die ebenfalls diese Verletzung überstehen mussten?

Thomas Gottschalk hat mal nach dieser Verletzung sogar eine Sendung im Rollstuhl moderiert.

Und Bill Clinton war mal während seiner Amtszeit ebenfalls durch eine Quadrizepssehnenruptur außer Gefecht gesetzt. Bei YouTube existieren Videos, wie er von mindesten fünf Leuten gestützt wird und sehr leidend aussieht. Das Weichei 🙂

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