Archiv der Kategorie: Visuelles

Erich Heeder – Collagen zwischen Alltag und Zeitgeist

Über den Hamburger Künstler Erich Heeder

Mit dem Start des Kultur-Magazins habe ich auch von Anfang an eine Rubrik eingeplant, die ich schlicht „Menschen“ nenne und denen Menschen ein Porträt bekommen. Weil Sie Künstler sind, Autorinnen und Autoren, Kulturmenschen als wahrhaftige Influencer.

Erich HeederJetzt ist das erste Porträt fertig. Und es gehört dem Hamburger Stadtteilkünstler Erich Heeder. Warum? Nun, er war der erste Künstler, der mich seit dem Start des Kultur-Magazins über Facebook kontaktiert hat. Er hat gleich mit seinen ersten Sätzen an mich eine wichtige Frage aufgeworfen – Wann ist ein Künstler ein Künstler? Gibt es das Vorurteil, das ein Künstler im Auge des Betrachters nur dann ein Künstler ist, wenn er Kunst studiert hat? Oder ist Kreativität nicht generell etwas, dass jedem Menschen eigen ist. Ich vermute, dass Erich Heeder mit dieser Frage als Autodidakt und als Stadtteilkünstler immer wieder konfrontiert ist. Obwohl die Antwort eindeutig ist. Erich Heeder ist ein Künstler – er malt, er schreibt, er macht Skulpturen und er engagiert sich. Er ist unter anderem der Initiator des Hamburger Obdachlosenmagazins „Hinz&Kunzt“.

Auf der Facebook Seite des Kultur-Magazins gibt es als Titelbild immer wieder Fotos mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten. Aktuell findet sich dort das Zitat: „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten. (Karl Kraus)“ – Erich Heeder macht darauf aufmerksam, dass die Schatten aber nicht kürzer werden sollten. Künstler werfen also Schatten und setzen gleichzeitig ihr Weltbild ins Licht. Erich Heeder zeigt das seit vielen Jahren in vielen Facetten, von denen einige exemplarisch besonders auffallen.

Er dokumentiert unter anderem eine Kunstform, die sich „De-Collage“ nennt. Dafür braucht man ein gewisses Gespür, das Kunstvolle im Alltag zu erkennen. Grundlage hierfür ist die Arbeit von Mimmo Rotella – er hat in den 50er Jahren in abgerissenen Plakaten eine Ästhetik entdeckt und diese als De-Collage zur Kunstform erhoben. Erich Heeder, der Rotella persönlich getroffen hat, erkennt diese Ästhetik ebenfalls und macht sie für uns sichtbar. Gehen wir im Alltag an solchen Perspektiven, ohne sie zur Kenntnis zu nehmen, vorbei, dann braucht es Künstler wie Heeder, die genau diesen Blick haben und die De-Collage einfangen.

 

Erich Heeder

Erich Heeder

 

Erich Heeder nutzt diesen Blick für das Wesentliche aber auch für den genau umgekehrten Weg. Er erschafft eigene Collagen, nicht selten mit einem durchaus zeitkritischen Kontext. Wie es sich gehört für einen Menschen, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Bekannte Musikcover werden in einem Werk namens „Music is Open“ collagiert oder die exorbitanten Kosten der Elbphilharmonie auf der Überholspur illustriert – selbst Trump taugt bei Heeder wenigstens als Teil eines Kunstwerkes. Mit viel Raum für die eigene Fantasie und für die Interpretation eines Betrachters. Kunst ist universell, sagt Erich Heeder.

 

Erich Heeder Erich Heeder

 

Es gibt noch viel mehr zu sehen. Ein Blick lohnt sich, Erich Heeder im Internet zu besuchen. Er hat eine eigene Homepage, mit vielen weiteren Informationen und auf seiner Facebook-Seite ist er stets präsent. Dort vereint er Kunst und Engagement.

Homepage von Erich Heeder

FacebookSeite von Erich Heeder

Alle hier verwendeten Fotos (c) Erich Heeder.

50 Jahre Mondlandung – Eine umfassende Linksammlung

Es ist jetzt 50 Jahre her, dass Menschen zum ersten Mal den Mond betreten haben. Ich war damals, im Juli 1969, noch nicht auf der Welt und ich vermute, viele Leserinnen und Leser des Kultur-Magazins ebenfalls noch nicht. Oder wir waren zu jung für eine bewusste Wahrnehmung des Ereignisses. Umso interessanter ist das Nachempfinden dieser menschlichen und technischen Leistung hinter Apollo 11. Diese Leistung ist wohl auch weitestgehend unstrittig, da man heute hochauflösende Fotos der Landestellen hat.

Passend zu diesem 50. Jahrestages dieses Ereignisses, finden sich im Internet zahlreiche Artikel, die dieses Jubiläum feiern. So auch das Kultur-Magazin. Sie finden hier in diesem Artikel viele Links zu interessanten Seiten. Einige Links werden gesondert vorgestellt.

Alles begann mit einem Aufruf des Präsidenten Kennedy, der Anfang der 60er Jahre vorgab, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu schicken und ihn wieder zur Erde zurückzubringen. Hintergrund dieser Vorgabe war nicht der wissenschaftliche Tatendrang, sondern ein technisch-militärischer Wettlauf im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion, die mit dem ersten Satelliten Sputnik und Juri Gagarin als erstem Menschen im Weltall einen gehörigen technischen Vorsprung hatten.

Die ersten Apollo-Missionen waren nur erste Gehversuche und der erste Einsatz von Menschen, bei einem Test in „Apollo 1“ endete dramatisch. Aufgrund eines technischen Fehlers verbrennen drei Astronauten qualvoll in der ersten Apollo Kapsel. Auch die Geschichte um Apollo 13 ist legendär und wurde mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt. Eine Explosion im Servicemodul zwingt die NASA und die Astronauten zur Improvisation. Statt auf dem Mond zu landen, benutzen sie die Mondfähre als Rettungsboot und kommen wohlbehalten zurück.

Anscheinend doch kein Fake. Wir waren auf dem Mond. Credit: NASA

Unbestrittener Höhepunkt ist jedoch die Apollo 11 Mission, die zum ersten Mal eine Mondlandung vorsieht. Da wir uns jetzt dem Höhepunkt dieses Jubiläums nähern – Neil Armstrong betrat am 21. Juli 1969 den Mond – wird auch die mediale Aufmerksamkeit größer. Neben dem bereits bekannten Kinofilm „Aufbruch zum Mond“ mit Ryan Gosling, gibt es jetzt mit „Apollo 11“ einen weiteren Film, der allerdings ein Dokumentarfilm ist. Glaubt man den bisherigen Kritiken, muss dieser Film in seiner Machart und Aufbereitung bahnbrechend sein:

https://www.youtube.com/watch?v=3Co8Z8BQgWc 

70mm Film, teilweise bisher unveröffentlichte Szenen, in höchster Auflösung neu abgetastet und an die heutige Technik angepasst, wurden hier zu einem Gesamtkunstwerk zusammenmontiert. Man vergisst hier, dass die Film- und Fototechnik damals noch nicht so weit war, wie heute, denn das Ereignis wird hier in die Technik von heute geholt.



Grundlage für diesen Film waren unter anderem die Materialien, die sich sich auch in der Rohfassung unter diesen beiden Links anschauen können: www.firstmenonthemoon.com und apolloinrealtime.org – beide Seiten extrem sehenswert. Der erste Link ist die Kurzfassung wohingegen die RealTime Variante die gesamte Apollo 11 Mission in Echtzeit dokumentiert. Es ist die Kommunikation zwischen der Landekapsel und Basis auf der Erde – dazu passend der Timeline zugeordnet die Bilder und/oder Videos. Als wäre man live dabei. Grandios, wie man den technischen Stand Ende der 60er Jahre in das Internet transportiert und daraus ein zeitloses Erlebnis gemacht hat.  Beide Dokumentationen existieren schon länger, wurden aber für den 50. Jahrestag aktualisiert und mit vielen Medien ergänzt. Unbedingt anschauen!

Buzz ALdrin auf dem Mond

Credit: NASA

Wer einen Bildband mit Bildern vom Mond oder der Apollo-Missionen sucht, wird immer wieder auf den Namen Piers Bizony stoßen. Er zeichnet für zwei besondere Bildbände verantwortlich. Zum einen „Moonshots“, ein Fotoband der hauptsächlich Bilder zeigt, die mit einer „Hasselblad“ Kamera im Großformat gemacht wurden. Das war damals High-End Technik. Die Fotos sind entsprechend hochwertig. Zu diesem Buch gibt es auch einen gleichnamigen Dokumentarfilm mit Detailinformationen zu allen Apollo Missionen.

Ein weitere Dokumentation findet sich im „Nasa-Archiv„, ein riesiger Bildband der wirklich alles umfasst, was sehenswert ist – das Buch mag qualitativ sehr hochwertig sein. Aber das schlägt sich auch im Preis nieder.

Ebenfalls ein wichtiges Zeitdokument ist dieses Interview mit Neil Armstrong, der bis zu seinem Tod 2012 sehr zurückgezogen gelebt und selten Interviews gegeben hat. Dieses Interview stammt aus dem Jahr 2011 und fast viele der Ereignisse rund um Apollo 11 aus der Sicht des ersten Menschen auf dem Mond zusammen:

https://www.youtube.com/watch?v=KJzOIh2eHqQ

 

Weitere Links zur Mondlandung

Sie kennen noch weitere Links oder Medien, die sich mit dem Thema beschäftigen? Schreiben Sie Ihre Empfehlung bitte in die Kommentare zu diesem Artikel.

 

Anmerkung: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links bei denen das Kultur-Magazin eine kleine Provision erhält.

 

„Bosch“ – Von den Bestsellern zur Serie mit Kultstatus

Es war eine der ersten Exklusiv Serien bei Amazon Prime vor einigen Jahren. Und sie war von Anfang an erfolgreich. Selbst nach fünf Staffeln ist kein Qualitätsverlust zu erkennen. Was macht den Mythos „Harry Bosch“ aus? Warum ist diese Serie besser als so viele andere?

Also bisher kenne ich niemanden, der diese Serie nicht gut findet. Die vielen, sehr positiven Kritiken überall  zeugen von einer breiten Zustimmung. Mehr noch als über den Start einer neuen Staffel freue ich mich davon zu hören, dass die nächste Staffel von Amazon schon bestellt wurde. Nächstes Jahr, so zur Osterzeit, ist dann wieder „Bosch“-Zeit.

Michael Connelly

Credit: Mark DeLong Photography

Was ist das Besondere an dieser Serie? Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Der wichtigste Faktor ist ganz sicher der Autor. Michael Connelly ist vermutlich der beste Krimi-Autor der Welt. Wenn ich es richtig gezählt habe, dann wird in Kürze der 19te Bosch Roman veröffentlicht. Und jeder war ein Bestseller. Connelly ist in die Serie stetig involviert und achtet darauf, dass sich alles so entwickelt, wie es zu seinen Büchern passt. Als Executive Producer hat er sicher einiges mitzureden. Der rote Faden geht nicht verloren.

Angefangen hat alles im Jahr 1992, als mit „Schwarzes Echo“ der erste Bosch-Roman erschienen ist. Das Buch erhält den renommierten „Edgar Allan Poe Award“ – nur die erste Auszeichnung von vielen, die dann folgten. Der Hauptcharakter, Detective Harry Bosch, ist ein geradliniger Cop im Morddezernat von L.A., Hollywood Division, Vietnam-Veteran und vielleicht ein wenig traumatisiert und etwas verschlossen – damals waren die Smartphones noch nicht erfunden und Computer waren große Ungetüme mit Buchstaben in Bernsteinfarben. Macht nichts – ein guter Krimi ist zeitlos.

Connelly hat in einem Interview erzählt, dass es bereits in den 90er Jahren Versuche gab, den Stoff zu verfilmen. Aber alle Ansätze haben ihm nicht gepasst. Allein der Charakter „Bosch“ konnte nicht in ein paar Dutzend Seiten eines Manuskriptes gepresst werden. Fast zwei Jahrzehnte später – in der Zwischenzeit gab es wohl auch den ein oder anderen Rechtsstreit bezüglich der Rechte zur Verfilmung – war dann der Plan zu der heute so erfolgreichen Serie geboren.

Aber die zwei Jahrzehnte mussten natürlich jetzt plausibel transformiert werden. Der erste Roman spielt 1992 – die Serie startet in den 2010er Jahren. Aber wenn der Autor, der seine Charaktere natürlich kennt, wie kein anderer involviert ist, wird aus dieser Transformation ein Kunstgriff. Bosch wird in der Serie zum Irak und Afghanistan Veteran und von der resoluten FBI Agentin Eleonor Wish, die er in „Schwarzes Echo“ erst kennen und lieben lernt, ist er in der Serie bereits geschieden. Auch die Tochter Maddie, die im Laufe der Serie immer wichtiger wird, ist schon da. Aber das Haus in den Hollywood-Hills, der Jazz und der kühle, manchmal aber auch sehr sanfte Charakter, ist in Buch und Serie identisch. Damit der Touch der frühen 90er erhalten bleibt, ist die Figur „Bosch“ ein wenig technophob. Das Klapphandy ist das höchste der Gefühle, das Skypen bekommt er von der Tochter gezeigt und Musik gibt es nur über alte Schallplatten. Nostalgie, die von der Stetigkeit der Serie getragen wird.

Connelly hat die Kontrolle über seine Charaktere in der Serie, ist aber – so macht es den Eindruck in den vielen Interviews und Statements – kein Diktator, sondern lässt dem Team alle Freiräume. Die Arbeit ist ein perfekt abgestimmtes Teamwork. Hauptverantwortlich für das Drehbuch ist nicht Connelly, sondern Eric Overmyer, ein preisgekrönter Drehbuchautor, der auch schon bei der sehr komplexen und erfolgreichen Serie „The Wire“ federführend war.

Aus dem Instagram Account von Michael Connelly

Aus dem Instagram-Account von Michael Connelly – die Planungen für Staffel 6 beginnen.

Die ausgearbeiteten, so stark manifestieren Charaktere, werden von genialen Schauspielerinnen verkörpert. Allen voran natürlich Titus Welliver als Harry Bosch – das ist die Rolle seines Lebens, keine Frage. Das hat er immer wieder bestätigt. Harry Bosch sei der interessanste Charakter, den er spielen könnte. Ein Glücksfall für ihn, aber eben auch für Michael Connelly, der den bestmöglichen Schauspieler für diese Rolle gewinnen konnte. „Wenn man 25 Jahre seines Lebens in der Welt des Harry Bosch verbringt und diesen Charakter gebildet hat, dann ist das ein Glücksfall“, sagt Connelly sinngemäß immer wieder in diversen Interviews. Welliver wird „Bosch“ spielen, solange es ihm ermöglicht wird.



Michael Connelly hat übrigens eine sehr interessante Homepage. Man kann dort quasi in Echtzeit die Entstehung einer neuen Staffel verfolgen, dem „Murderpodcast“ des Autors folgen und erhält Einblicke in die Gedankenwelt des Autor. Sein Blog und sein Instagram-Account sind die Quelle für neues Material für die vielen Fans in der ganzen Welt. Seinem Podcast zu zuhören oder auch seine Bücher im Original zu lesen – beides ist übrigens sehr gut geeignet, um die englische Sprache besser zu lernen. Connelly spricht, wie er schreibt. Sehr klar, sehr strukturiert und sehr unterhaltsam.

Derzeit wird die sechste Staffel geplant und im Laufe des Jahres verfilmt. April / Mai 2020 ist dann wieder Bosch-Time. Bosch hat ja jetzt einen Hund. Wir wollen doch sehen, wie er mit dem Vierbeiner „Coltrane“, benannt nach seinem Lieblingsmusiker, klarkommt. Wir wollen noch mehr Jazz, noch mehr Ausblicke auf das Tal zu Füßen der Hollywood-Hills, bei Nacht in dem die Stadt der Engel liegt.

Michael Connelly und Titus Welliver kündigen Season 6 an:

Stellvertretend für die Serie hier der Trailer zu Staffel 4:

 

Hier einige Links:

Homepage Michael Connelly

Instagram Accounts Michael Connelly / Titus Welliver

 

 

 

Als aus „The Good Wife“ „The Good Fight“ wurde

The Good FightWeiberserie. Sowas wie „Sex & The City“. Habe ich gedacht. Aber das war falsch. Von „The Good Wife“ habe ich tatsächlich alle Folgen gesehen. Die Serie war ein Parforceritt durch klug konstruierte juristische Fragestellungen, immer an den Zeitgeist angelehnt. Ja wirklich – und sie lebt von tollen Charakteren und großartigen Schauspielern.

Allen voran Michael J. Fox dessen Parkinson-Erkrankung einfach als Erkrankung der Figur, die er verkörpert, mit eingebaut wurde. Dabei spielt er einen genialen Anwalt, der seinen Kontrahenten immer einen Schritt voraus ist. Wann immer Michael J. Fox seine Gastauftritte „The Good Wife“ hatte – es war immer ein Highlight.

Die Rahmenhandlung dieser Serie ist jedoch die Entwicklung von Alicia Florrick (gespielt von Julianna Margulies), die plötzlich, als die Karriere ihres untreuen und korrupten Ehemanns im Knast ein vorläufiges Ende findet, in ihren Beruf als Anwältin zurück muss, um zwei Teenager zu ernähren.

Nur mit Vitamin B kommt sie als Aushilfs-Anwältin in einer namhaften Kanzlei unter. Jetzt muss sie in einer brutalen Welt ihre Frau stehen. Sie macht das ganz gut und mit der Zeit verändert sich ihr Charakter. Nach sieben Staffeln war Schluss. Ihre Geschichte war auserzählt, aber da blieben einige tolle Charaktere der Serie zurück. Deren Geschichte war noch nicht einmal ansatzweise erzählz. Von einigen dieser Charaktere erzählt die Spin-Off Serie „The Good Fight“, die derzeit, Stand Juni 2019, in der dritten Staffel läuft.

Geniale Charaktere, noch genialere Sidekicks

Hauptcharakter hier ist unter anderem die Anwältin Diane Lockhart, eine Gefährtin von Florrick aus der ursprünglichen Serie. Gespielt wird sie von Christine Baranski, einem größeren Publikum als Mutter von Leonard Hofstetter aus „The Big Bang Theory“ bekannt. Sie ist Anteilseignerin einer hauptsächlich von farbigen Anwälten geführten Kanzlei in Chicago. Die Serie beginnt mit dem „Inauguration Day“ – das Unglaubliche ist geschehen. Donald Trump ist Präsident. Man kann ahnen, wie auch hier der Zeitgeist zum Leitmotiv wird.

Auch in „The Good Fight“ gibt es wieder einen genialen Sidekick. Es ist der völlig durchgeknallte Anwalt Roland Blum (Michael Sheen) der genau diesen Zeitgeist personifiziert. Nicht die Wahrheit, nicht Fakten führen zur Gerechtigkeit – lediglich deren Inszenierung. Jura und Postfaktisches gehen hier zusammen – und es scheint das Normalste der Welt zu sein. Die Grenzen verschwimmen. Um Trump loszuwerden und eine Wiederwahl zu verhindern, spielen auch seine Gegner das Spiel mit und sind moralisch nicht viel besser.

Diversität als Quelle von Konflikten

Anwälte mit weißer Hautfarbe werden in einer afroamerikanischen Kanzlei benachteiligt, verdienen aber mehr, weil die Direktive der Kanzlei die Diversität vorschreibt und so die Kanzlei vorzeigbar machen soll. Wäre da nicht auch noch das Damoklesschwert des Kanzleigründers, eine Aushängeschild der Farbigen im Kampf um Gleichheit – nach seinem Tod stellt sich heraus, dass er mindestens ein Dutzend Frau missbraucht hat. Die Konflikte sind vorprogrammiert und vielschichtig angeordnet.

Die Message der Serie? Eigentlich sehr einfach. Als bei Trumps unsäglicher Äußerung über Frauen ein Mikrofon die entscheidenden Sätze aufzeichnete, war der Aufschrei groß. Was aber mögen ein Bill Clinton oder ein JFK zu ihren Gespielinnen gesagt haben? Denken wir das weiter, dann bekommen wir eine Antwort auf die Frage, warum so viele Menschen Trump wählen – sie glauben einfach nicht, dass Moral an eine Weltanschauung gekoppelt ist. Moralisches Handeln oder das Streben nach Idealen ist jedoch wichtig in der Gesellschaft. Wie also verhalten sich Individuen in einer globalisierten Welt, in der Moral individuell, ihre Bedeutung aber in einen globalen Zusammenhang gebracht wird? Sie enttäuschen sich, sie nutzen sich gegenseitig aus, sie lügen, sie bauen die Fakten in eine Wahrheit ein, die in ihre eigene Moralvorstellung passt.

“The Good Fight” ist ein Spiegel des Zeitgeistes. Mehr davon. Wir brauchen noch viel mehr davon.

https://www.cbs.com/shows/the-good-fight/