Eine lustige Anekdote

Es ist schon 25 Jahre her, ich hatte das fast vergessen, habe aber nach so langer Zeit wieder herrlichst über diese Anekdote Schmunzeln dürfen. Ich bin derzeit mal wieder dabei, viele alte Sachen zu digitalisieren – dabei ist das wieder aufgetaucht.

Ich, damals Zivilidienstleistender und stets bemüht, all meine Tätigkeiten auch journalistisch zu dokumentieren, habe damals einen Beitrag für das Monatsmagazin „Zivildienst“ geschrieben. Dieses Magazin bekamen damals alle Zivis kostenlos zugeschickt. Um diese Anekdote verstehen zu können, muss man also zunächst meinen Artikel von damals lesen:

Zivildienst 04/1995
Zivildienst 04/1995

Ich habe zu diesem Artikel einen dreiseitigen Kommentar bzw. Leserbrief erhalten. Und der ist auch nach 20 Jahren sehr unterhaltsam:

Muskelaufbau

Die schlimmen Zeiten sind ja vorbei. Aber es ist längst nicht alles so, wie es vorher war. Offiziell bin ich jetzt nicht mehr krankgeschrieben, ich kann wieder mit dem Fahrrad fahren (sehr viel früher als gedacht) und es ist nach wie vor jeden Tag ein Fortschritt zu spüren.

Aber ich kann nicht bedenkenlos einfach loslaufen. Es ist immer noch so, dass ich in verschiedenen Situationen, etwa bei Fussgängerampeln, Panik bekomme und mich echt zusammenreissen muss. Es gibt keinen vernünftigen Grund für diese Panik – nur das Vertrauen in das Gleichgewichtsgefühl ist noch nicht wieder da. In einer Studie, publiziert im Internet, habe ich gelesen, wie schnell Menschen Muskelmasse verlieren, wenn der Muskel stillgelegt wurde. Wendet man das auf meine Situation an und schaue ich morgens auf meine Oberschenkel, dann habe ich vielleicht 40% der Muskelmasse, die ich vor dem Unfall hatte. Kein Wunder also, dass ich nach wie vor unsicher bin.

Es geht also jetzt und in den nächsten Wochen vornehmlich um Muskelaufbau. Dazu mache ich weiterhin meine Übungen, habe noch bis kurz vor den Feiertagen einige Physiotermine und muss dann weiterhin geduldig sein. Auch wenn mich diese Übungen langsam ankotzen. Immer zur vollen Stunde schnappe ich ein Flexband und mache mit jedem Bein 50-60 mal Streckübungen. In nahezu voller Beugung des Knies und unter Schmerzen. Dabei ärgert mich immer, dass nach diesen Übungen die Knie butterweich sind und kurze Zeit später sind sie wieder sehr viel unbeweglicher. Man wünscht sich einfach, dass diese Situation nach den Übungen erhalten bleibt. Aber ich muss weiter fleissig trainieren.

Wenn ich die Muskeln im Oberschenkel anspanne, dann sehe ich deutlich, wie sich Kniescheibe nach oben zieht. Dort wo das Narbengewebe ist, ist nach wie vor eine kleine Lücke. Hier bildet sich der Muskel wahrscheinlich ganz zuletzt wieder neu. Es ist immer noch so, als seien über die Knie Drähte gespannt, die für ein Fremdkörpergefühl sorgen. Sich also den Heilungsprozess so vorzustellen, dass innerhalb weniger Tage alle Einschränkungen nicht mehr spürbar sind, war grundlegend falsch. Ich werde die Auswirkungen noch lange spüren, auch wenn sie mich immer weniger behindern.

QuadrizepsKnie
Es fehlt noch die Kraft in den Oberschenkeln. Man sieht deutlich, dass die Muskel das Knie noch nicht erreicht haben.

Endlich wieder mit dem Fahrrad fahren zu können ist natürlich ein wichtiger Schritt. Es ersetzt eine der Trainingseinheiten auf dem Hometrainer und gibt Mobilität zurück. Statt durch die Stadt zu torkeln, kann ich jetzt wieder zur Physio oder zum Einkauf fahren. Es trainiert außerdem die Beugung für einen Winkel im Knie weit über 90°. Ich spüre also die Spannung in den Gelenken sehr stark, aber es stellt kein Risiko dar. Laut der Orthopädin ist alles im grünen Bereich.

In knapp 2 1/2 Wochen geht es wieder auf die Insel. Und diesmal hoffentlich ohne so ein übles Ereignis und ohne Zwischenfälle.

Old School Revival

Ich habe ein altes Hobby wiederentdeckt. Dieses alte Hobby verbinde ich mit einiger Recherche und siehe da: Neue Welten tun sich auf und ich verstehe gar nicht, wie mir das entgehen konnte.

Die Rede ist von „Pen & Paper Fantasy-Rollenspielen“, die mich wie viele meiner Generation eindrücklich geprägt haben. Von ca. 1985 bis 1991 war dies meine Lieblingsfreizeitbeschäftigung. Da diese Spiele derzeit ein faszinierendes Revival erleben – das liegt an Serien wie „Big Bang Theory“ und „Stranger Things“, vielleicht auch an dem Wunsch nach mehr spielerischem, sozialen Miteinander – habe ich mich mal schlau gemacht: Eie ist eigentlich der aktuelle Stand bei diesen Spielen? Werden Sie überhaupt noch gespielt? Gibt es etwas grundlegend Neues? – Und ich habe mich für ein Spiel entschieden, dass ich demnächst sicher auch mal meinem Freundeskreis präsentieren werde …

Die polyedrischen Würfel für das klassische Pen&Paper Rollenspiel

Zunächst: Was ist überhaupt ein „Pen & Paper“ Rollenspiel?
Bei einem „Pen & Paper“ Rollenspiel gibt es einen Spielleiter, der sich sehr viel Arbeit machen muss und sich die Regeln des gewählten Spieles aneignen muss. Er ist Spielleiter, letzte Instanz, aber vor allem ist er Regisseur und Erzähler. Die anderen sind die Spieler, die „Helden“ oder einfach die Charaktere. Jeder Spieler schlüpft in einen Charakter in dieser Fantasiewelt und steuert ihn- Entscheidungen werden von exotischen Würfeln oder vom Spielleiter geführt. Durch Kommunikation und verbale Interaktion meistern alle Spieler gemeinsam ein Abenteuer.

In Deutschland unangefochten: Das Schwarze Auge
Während in den USA und den meisten anderen Ländern nach wie vor der Klassiker „Dungeons & Dragons“ dominiert, ist in Deutschland „Das Schwarze Auge“, derzeit in der 5. Edition erhältlich, nach wie vor der Platzhirsch. Das Grundregelwerk gibt es als Taschenbuch, wie auch die ergänzenden Regelbücher. Verglichen mit der ersten Edition, die ich in der 80er Jahren gespielt habe, ist das Regelwerk deutlich komplexer. Die Welt des schwarzen Auges nennt sich „Aventurien“ und bedient sich Elementen aus der Welt von Tolkien ist aber ein Sammelsurium verschiedener weiterer Mythologien. So gibt es dort Götter, die an die römische Mythologie erinnern oder Wesen wie „Zyklopen“ aus der Griechischen Sagenwelt.
Erfinder des „Schwarzen Auges“ war der Autor Ulrich Kiesow. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden die anderen Kontinente auf der Welt „Dere“ entdeckt. Neben „Aventurien“ hat sich insbesondere „Myranor“ als geistiges Zentrum etabliert.

Das Schwarz Auge - Aktuelles Grundregelwerk
Das Schwarz Auge – Aktuelles Grundregelwerk & Bestiarium

Der Klassiker „Dungeons & Dragons“
„Dungeons & Dragons“ ist eines der ersten Rollenspiel gewesen. In meinem Geburtsjahr, 1974 das erste Mal erschienen, hält es sich bis heute als Referenzwerk für das Fantasy Rollenspiel. Die beiden erwähnten Serien haben auch genau dieses Rollenspiel als eines ihrer Leitmotive. Ab der Version 3.x des Spiels wurden die Regeln zum Teil in einer offenen Lizenz freigegeben. Das stark verbreitete „Pathfinder“ ist im Grunde ein Ableger von „Dungeons & Dragons“. Die derzeit erhältliche fünfte Edition ist extrem erfolgreich. Größtes Manko: Um das Spiel wirklich im vollen Umfang spielen zu können, sind mindestens drei Bücher als Regelwerke notwendig. Jedes davon kostet 50,- EUR und ist in der deutschen Übersetzung damit um einiges teurer, als das Original. Reizvoll ist jedoch das weitverbreitete Regelwerk, das man einerseits sehr „würfellastig“ spielen kann, dem Spielleiter andererseits auch einige Freiräume lässt. Das auf Tolkiens mystische Welt angelegte Rollenspiel „Der Eine Ring“ wurde mittlerweile als „Abenteuer in Mittelerde“ für D&D adaptiert – wer pure Tolkien-Fantasy möchte, die zwischen „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ angelegt ist, der wird nur hier fündig.

Das Vorbild für den Kult: Shadowrun
Das dritte große Rollenspiel hat einen Kultstatus. Nicht ohne Grund. „Shadowrun“ spielt in einer düsteren Zukunft, in einer dunklen von Großstädten dominierten Welt. Die Spieler sind „Shadowrunner“ und ihre Abenteuer sind das Erledigen von Aufträgen von Großkonzernen. Dabei leben sie in einer auf dem Neuromancer-Mythos basierenden Fantasiewelt – der Schöpfer dieses Hintergrunds ist der Autor William Gibson.
Kultstatus genießt dieses Spiel, da es auf zwei Ebenen spielt – der realen Welt und einer visuellen Welt, in die die Charaktere fliehen können. Diese Ebene trägt den Namen „Matrix“ – wir können also sicher sein, dass die Wachowski Brothers Sisters leidenschaftliche Shadowrunspieler sind oder zumindest waren.

Platz für Nischenprodukte
Speziell in Deutschland gibt es immer mal wieder kleinere Projekte bei Verlagen, die eine eigene Welt mitbringen. „Aborea“ zum Beispiel hat eine eigene Geschichte einer fiktiven Welt, mit einem wunderschön ausgearbeiteten Atlas – eine schier unerschöpfliche Quelle für Spielleiter. Eine andere Alternative nennt sich „Splittermond“ – hier gibt der zersplitterte Mond, der um den Planeten der Fantasiewelt kreist den Charakteren besondere Kräfte.

Ganz neu entdeckt: Cthulhu
Ich aber habe für mich jetzt „Cthulhu“ – dieses Spiel hat ein ganz anderes Setting. Es ist die eingangs erwähnte „Neue Welt“, die ich jetzt entdeckt habe, es transportiert den „Cthulhu-Mythos“, der zum größten Teil auf den Geschichten des Autor HP Lovecraft basiert, in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Spieler werden zu „Investigatoren“ und müssen während der Geschichte damit rechnen, ihre geistige Gesundheit einzubüßen – also der Charakter, den sie spielen. Ich bin echt erschlagen von den abgefahrenen Illustrationen in den vielen Begleitbüchern. Man könnte fast meinen, dieser Mythos sei für einige Menschen so real und dass sie sich so sehr mit diesen Regeln und Illustrationen identifizieren, dass das Hobby zum Lebensinhalt wird. Aber mehr dazu in einem in Kürze verfügbaren Artikel im Kultur-Magazin.

Cthulhu - Grundregelwerk
Cthulhu – Grundregelwerk

Die schlimmste Zeit meines Lebens – Letzter Teil

Vorbei, die schlimmen Zeiten

So, dies ist mein letzter Eintrag mit der Überschrift „Die schlimmste Zeit meines Lebens“. Denn diese Zeit erkläre ich für beendet. Das hat etwas mit den Entwicklungen in dieser Woche zu tun, die eindeutig darauf hindeuten, dass sich meine Leidenszeit dem Ende nähert. Auch wenn es nicht danach aussieht, dass alles so sein wird, wie vorher.

Treppesteigen? Herausforderung? Lächerlich …

Das war gestern am frühen Nachmittag wirklich das größte Highlight der letzten Wochen. Und es fing richtig lustig an. Wenn ich meine Physiopraxis besuche, dann bin ich immer ein paar Minuten früher da. Ich muss mich umziehen, die Orthesen ablegen und mich mental vorbereiten 🙂 Da ich seit zwei Wochen direkt in den Geräteraum gehe, habe ich nicht mitbekommen, dass am Empfang Schichtwechsel war. Da ich einen Termin außer der Reihe hatte, war nicht meine gewohnte Physiotherapeutin da, sondern eine andere. Und die Dame kannte mich noch nicht – sie wusste also nicht, dass der Typ, der schon mal angefangen hat, sich in der „Beinpresse“ abzurackern, ihr aktueller Patient ist. Und während ich da ein paar hundert Kilo nach vorne drückte, vibrierte meine Fitnessuhr (ja ich habe eine Fitnessuhr!), die mit dem Smartphone gekoppelt ist – ein Anruf der Physiopraxis, die sich nach meinem Verbleib erkundigte. Das hat für einiges Gelächter gesorgt, als ich dann telefonierend zum Empfang ging 🙂
Nach so viel Lachen ging es dann wieder an die schwierige Übung der letzten Tage. Auf eine Stufe steigen, Knie beugen, Gewicht verlagern und runtergehen. Diese Übung funktionierte so gut, dass wir jetzt den entscheidenden Schritt gewagt haben: eine richtige Treppe und zwar die, die beim Therapeuten in das Untergeschoss führt. Und das war ein echtes Highlight. Treppauf und Treppab hat beides sehr gut funktioniert. Beim letzten Versuch sogar ohne Festhalten und ohne auf die Stufen zu schauen. Wie eben ein normaler Mensch eine Treppe nutzt. Das Ganze natürlich komplett ohne Orthesen.
Das ist ein echter Meilenstein, aber es hört sich einfacher an, als es ist. Mir lief der Schweiß in Strömen, es ist immer noch viel Pudding in den Beinen, aber es ist natürlich ein Durchbruch.

Termin für die öffentliche Orthesenverbrennung 🙂

Heute dann mein vermutlich vorletzter Termin bei der Orthopädin. Sie hat mir das gesagt, was ich schon vermutet hatte. Ab sofort keine Orthesen und keine Gehhilfen mehr! Natürlich steht es mir frei, weiterhin Krücken mitzunehmen oder mir irgendeinen Orthesenersatz um die Knie zu wickeln – grundsätzlich aber gilt, dass ich möglichst alles so normal wie möglich machen soll. Das bedeutet, dass ich morgen das erste Mal das Haus wie ein normaler Mensch verlassen werde.
Das wird nicht ganz einfach werden, da diese Metallgerippe um die Beine bisher einen großen Teil der Stabilität ausmachen. Andererseits laufe ich seit Wochen zu Hause und während der Physiotherapie ohne Orthesen herum. Es gibt außerdem keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt für diese Maßnahme. Es ist jetzt wichtig, dass die bisher von der Orthese stabilisierten Bereiche im Alltag wieder gestärkt werden. Ich sehe diesen Schritt also nicht als potenzielle Gefahr, sondern als Befreiung und als Grundlage für den im letzten Eintrag beschriebenen „großen Sprung“.

Mein Klo – Der einzige Ort, an dem ab sofort die Krücken noch eine Bedeutung haben 🙂

Alltag

HomeOffice ist jetzt auf vier Stunden pro Tag ausgedehnt, so dass ich jetzt auch mal ein paar umfangreichere Sachen angehen kann, die bisher nur flickwerkartig von mir bearbeitet werden konnten. Ich möchte auch möglichst bald wieder Fahrrad fahren, was aber im Moment daran scheitert, dass ich einen Zugang zu unserer Tiefgarage benötige, die mit unserem Keller verbunden ist. Bisher habe ich mein Fahrrad eine Seitentreppe an der Tiefgarage herunter getragen – das werde ich aber nicht machen (können). Ich habe daher unsere Hausverwaltung angeschrieben und um einen der Sender gebeten, den normalerweise nur die Stellplatzbesitzer haben. Damit kann ich dann die Garage von außen öffnen, was ohne Sender nicht möglich ist. Sobald das geregelt ist, werde ich auch mal die ersten Runden auf dem Fahrrad drehen.

Bend The Knee

Das Einzige, was mit Sorgen bereitet, ist die nach wie vor sehr schwache Beugung der Kniegelenke. Sie ist kaum größer als 90°, d.h. ich kann von tieferen Sitzpositionen nicht ohne Hilfsmittel (Armlehne oder Krücke) aufstehen. Auch aus höheren Sitzpositionen ist das Aufstehen immer noch sehr schmerzhaft. Natürlich ist der Heilungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen, aber theoretisch müsste ich schon weiter sein. Momentan spricht einiges dafür, dass die Beugung nicht im vollen Umfang zurückkommt. Es ist undenkbar, tief in die Hocke zu gehen oder sich hinzuknien. Und vielleicht wird das tatsächlich nie wieder möglich sein. Bei den vielen Übungen müsste die Beugung stärker ausgeprägt sein und man kann schon Zweifel haben, ob die restliche Kraft, die jetzt noch hinzukommt, so viel Unterschied ausmachen wird. Daher konzentriere ich mich derzeit auf die Übungen, die die Beugung zurückbringen und hoffe doch sehr, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten.
Es steht jedenfalls fest, dass ich Ende Dezember zum Jahreswechsel nach Amrum fahre. Bis dahin werde ich so fit sein, dass das möglich sein wird.

Dies war der letzte Eintrag unter dem Titel „Schlimmste Zeit meines Lebens“. Diese Zeit ist vorbei. Ab sofort wird meine Verletzung nur noch ein Thema unter vielen sein – sie bestimmt ab sofort nicht mehr jeden einzelnen Schritt. Ich werde sicher noch weiter über die Entwicklung berichten, aber ab sofort in einem anderen Licht. Das Licht am Ende des Tunnels blendet mich jetzt schon, so daß ich sage: „Tunnel? Welcher Tunnel?“ 🙂