Dance Like Nobody Is Watching

Wenn ich erzähle, dass ich Bücher in Eigenregie veröffentliche, dann kommt meist als erste Frage nicht, was ich schreibe und worüber ich schreibe. Die meisten Menschen fragen zu allererst, ob ich davon lebe und wieviel ich damit verdiene.
Dazu muss ich einfach mal ganz grundlegend sagen, dass ich
  1. … niemals ein Buch schreibe, um es zu verkaufen. Wer es nicht glaubt, dem kann ich nur die zahlreichen Geschichten hier in hunderten Blogeinträgen nahelegen – für diese Form der Kreativität werde ich niemals Geld bekommen und das ist völlig OK so.
  2. … noch nie, egal von welchem Autor, ein gutes Buch mit dem Vorsatz, damit Geld zu verdienen, geschrieben wurde. Die meisten guten Bücher haben Jahre vor ihrem Erfolg existiert und für einen Autor wäre es einfach nur naiv, mit dem Vorsatz, materiellen Erfolg haben zu wollen, ein Buch zu schreiben.
  3. … ich auch dann Bücher schreiben würde, wenn kein einziger Mensch außer mir sie lesen würde. Kreativität als Ausdruck von Sublimation ist wie ein Grundbedürfnis. Man würde ja auch nicht aufhören zu essen, nur weil einem niemand dabei zusieht. Es gilt also der Vorsatz: „Dance like nobody is watching“.
  4.  ... über ein dickes Fell verfüge, besonders dann, wenn Menschen meine Texte überfliegen, am besten so nebenbei während anderer wichtiger Tätigkeiten und sich dennoch eine Meinung anmaßen. Ich habe mir schon die absurdesten Dinge über mich und mein Schreiben anhören müssen. Mich wundert dann immer nur, dass sogar Menschen, die garantiert noch nie in ihrem Leben ein Buch gelesen haben, eine Meinung glauben haben zu müssen. Leider ist das nicht nur so, wenn es um die Text eines Dorfpoeten geht. Wir leben generell in Zeiten, in denen es heißt: Bild Dir Deine Meinung, aber lass Dich nicht von Fakten verwirren.
Als weiteres Argument – aber eher nebensächlich – gilt natürlich die Tatsache, dass ich einen Brotberuf habe. Der Kreative ist also ganz gut im Spannungsverhältnis zwischen Beruf und Berufung aufgehoben, auch wenn die zeitliche Gewichtung eine andere sein könnte. Aber das geht glaube ich jedem Menschen so. Selten fallen Beruf und Berufung in einer Tätigkeit zusammen.
Es hat aber einen Grund, warum ich diese Argumente hier anbringe. Es gibt neben diesen Vorsätzen natürlich auch eine reale Komponente. Einmal im Monat frage ich auf Amazon meine Verkaufszahlen ab und halte sie in einer kleinen Tabelle fest. Und da gibt es seit einigen Wochen eine überraschende Tendenz. Normalerweise verkaufe ich von meiner „Justitia“-Krimiserie pro Monat 3-12 Exemplare. Es gab auch schon mal Monate, da habe ich gar nichts verkauft. Jetzt sieht es so aus, dass ich mit mehr als 20 Exemplaren pro Monat da drüber liege. Alles völlig ohne Werbung. Was mich aber noch mehr überrascht – und da passt dann die materielle Komponente zu meinen Vorsätzen: es ist deutlich zu sehen, dass nach einem Verkauf des ersten Teils für 0,99 EUR die anderen Teile „nachgekauft“ werden. Ich kann leider nicht erkennen, ob es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt. Diese Schlussfolgerung liegt aber nahe. Warum sollte sich jemand Teil 2-5 kaufen ohne den ersten Teil zu kennen? Daraus wiederum lässt sich folgern, dass „Justitia“ als Serie angenommen wird, sobald der erste Teil gelesen wurde. Es kommt also so gut wie gar nicht vor, dass jemand nur den ersten Teil liest und es dann aufgibt. Natürlich gibt es noch einen Unterschied zwischen „gekauft“ und „gelesen“ – das ist mir klar.
Aber weg von meinen Büchern, hin zu „code-is-poetry“. Hier entwickeln sich auch so langsam die Bemühungen, das bisher einzige angebotene Produkt bei Google weiter vorne zu platzieren. Mit den wichtigsten Suchbegriffen „excel umrechnungskurse addin ezb“ wird meine Seite als 15. Ergebnis, also bereits auf der zweiten Seite der Suchergebnisse, gelistet. Das Problem ist nach wie vor, dass ich keine Möglichkeit sehe, die besondere Eigenart dieses Tools darzustellen. Es gibt zahlreiche Tools, um in Excel die Kurse für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Kombination abzurufen. XcelPack1 ist aber sowohl in den Kombinationen und den Zeiträumen in allen Varianten flexibel. Dieses Tool ist also nur für Excel-Akrobaten interessant, die genau diese Flexibilität benötigen und ständig aktuell sein müssen.

Ich gewisser Weise bin ich noch ganz am Anfang. Kleine Schritte. Zwischen „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ und „Dance Like Nobody Is Watching“ besteht also ein direkter Zusammenhang … .

Tiefenschärfe

Recherchen, wie ich sie vor einigen Wochen ja abgeschlossen hatte, sind für den Plot der Handlung eines Buches unerlässlich. Das war bei AMOR SIMPLEX so, aber auch bei vielen kürzeren Geschichten wie etwa ZEITLOSER ENGEL zu der ich nahezu alles gelesen hatte, was ich über Sophie Scholl in Erfahrung bringen konnte. Dder DAS GANZE HERZ in dem es um die Liebesbeziehung zwischen dem Schriftsteller Erich Maria Remarque und Marlene Dietrich ging (und über viel mehr darüber hinaus).

Die Recherchen zu meinem nächsten Buch hatte ich ja hier in aller Ausführlichkeit dargelegt. Nachdem ich mich in den letzten Wochen etwas mehr meinen code-is-poetry Projekten gewidmet habe, habe ich jetzt angefangen, die ersten längeren Passagen zu schreiben. Ich habe bewusst eine Phase eingelegt, in der ich die Eindrücke habe sacken lassen. Die großen Zusammenhänge, die hängen geblieben sind, sind sowieso wichtig. Aber spannend dürfte sein, welche Kleinigkeiten der Recherchen jetzt ihren Weg in diese Geschichte finden werden. 
Dorfpoet at work.
Allein um alle Fakten und Zusammenhänge auszukleiden und in Prosa zu setzen, werden diese Passagen ziemlich umfangreich sein. Das Format werden einzelne Kapitel sein, die den Leser zu ständigen Zeitsprüngen mitnimmt. Was zunächst schwierig erscheinen mag wird aber ganz schnell zu einem roten Faden werden. Das Problem ist ein ganz anderes.
Ich muss den Leser einerseits abholen, d.h. ich kann nicht voraussetzen, dass jeder Leser weiß, was mit dem Datum 2. Juni in der Deutschen Geschichte verbunden wird. Andererseits darf der Text nicht schulmeisterlich rüberkommen, sondern die Fakten müssen in die Biographie der einzigen Person, die ich erfunden habe, hineingelegt werden. Das wiederum führt zu einer Ausuferung der Thematik an sich. Denn so vielfältig die Fakten der Nachkriegszeit sind, so vielfältig und dramatisch muss dann ja auch diese Biographie sein. Die Handlung muss daher extrem dicht sein. Es passiert sehr viel in den ersten Kapiteln, es ist alles wichtig, was passiert und neben der Schwierigkeit, diese Dichte während des Schreibens durchzuhalten ist die Bewahrung des Überblicks für mich selbst. 
Die ersten beiden Novemberwochen stehen ganz im Zeichen dieses Textes. Und auch wenn ich jetzt loslege, wird es noch sehr lange dauern, bis etwas Fertiges dabei herauskommt. In diesem Jahr wird das definitiv nichts mehr. Dieses Jahr wird es nur noch die längst überfällige eBook Ausgabe von AMOR SIMPLEX geben.

Bilderberg – Ein schmaler Grad

Mehrere Wochen lang habe ich hier von meinen Recherchen zu meinem nächsten Buch berichtet. “Die Macht hinter der Macht” (Arbeitstitel) bezieht sich auf Tatsachen, die nach dem sie ans Tageslicht kamen bis heute wie unglaubliche Verschwörungstheorien anmuten. Aber es sind Tatsachen. Die Vertuschungen des Verfassungsschutzes bei RAF-Anschlägen, den NSU Morden und die Etablierung von den Vernetzungen der “Big Data” im Hintergrund des alles bestimmenden Thema “Flüchtlinge”.

Was mir aufgefallen ist – und ich habe das bei vielen der besprochenen Medien auch so klargestellt – ist der schmale Grad zwischen diesen Tatsachen und den vielen Interpretationsmöglichkeiten. Die Wahrheit ist ein schmaler Grad zwischen unzähligen Verschwörungstheorien. Aber eine dieser Theorien ist wahr. Eine dieser Theorien wähle ich auch für meine Geschichte. Es soll die sein, die am plausibelsten ist. Und eine Theorie ist meine Geschichte nur aus einem einzigen Grund: der Protagonist hat nie existiert. Alle anderen Menschen sind historische Figuren, alle beschriebenen Ereignisse haben tatsächlich stattgefunden. Mein Protagonist ist bei vielen dieser Ereignissen dabei. Er ist einer der Strippenzieher der Macht.

Sehr passend fand ich dann den heutigen Bericht auf tagesschau.de. Dort wird, zum ersten Mal überhaupt, so weit mir bekannt, von der “Bilderberg-Konferenz” erzählt. Ich vermeide bewusst den Begriff “berichtet”, denn es gibt von dort nichts zu berichten. Die Strippenzieher dieser Welt, aus allen Bereichen der Gesellschaft, treffen sich dort zu unverbindlichen trilateralen Gesprächen. Seit 1954 findet diese Konferenz statt – diesmal in Dresden. Bezahlt wird das Ganze von diversen Stiftungen – der Steuerzahler zahlt nichts. Das gibt dem Ganzen einen gewissen privaten Rahmen. Selbstverständlich sind die Teilnehmer aber nicht als Privatleute da, sondern in ihren jeweiligen Funktionen dort anwesend. Die “Bilderberg-Konferenzen” sind ein El-Dorado für Verschwörungstheoretiker.

Noch fantastischer wie jede Verschwörungstheorie ist jedoch die Annahme, dass diese Konferenz überbewertet sein könnte. Natürlich gibt es dort kein Treffen einer geheimen Weltregierung. Natürlich wird dort nicht das nächste 9/11 geplant. Aber es gibt sicher Gespräche und Vorgaben für mittelfristige Handlungen, die viel weitreichender sind, als es der normale Bürger mitbekommt. Als Beispiel möchte ein epochales Ereignis nennen, das vermutlich auf so einer Konferenz in seinen Auswirkungen abgesprochen wurde und jeden Einzelnen betrifft : die Aufhebung des Glass-Steagall Acts 1999 durch Bill Clinton und ähnliche Maßnahmen in Europa in etwa zu derselben Zeit. Das wichtigste Ereignis der letzten Jahrzehnte mit Nachwirkungen auch noch für kommende Generationen.

Eine Verschwörungstheorie muss also nichts theatralisch-apokalyptisches an sich haben. Es ist der Verlauf von Interessen und ihr Ausverkauf an diejenigen, die diese Interessen umsetzen können.

Mein Protagonist jedenfalls wird sich selbst des Ausmaßes seiner Möglichkeiten bewusst, als er auf einer Bilderberg-Konferenz die Vernetzung findet, die es braucht, um Interessen so durchzusetzen, dass sie als Interessen gar nicht mehr erkennbar sind. Sie erscheinen uns dann als das Unabwendbare, als die Reflexion dessen, was die menschliche Natur ausmacht und was ein einzelner Mensch nicht ändern kann. Was für ein Unsinn.

Man sollte Wolfgang Schäuble und Frau v.d. Leyen einfach mal fragen, warum so ein großes Geheimnis um das Geheimnis dieser Konferenzen gemacht wird. Beide nehmen dieses Jahr teil. Sie werden keine Antwort bekommen. Von keinem der Teilnehmer. Und wer macht sich schon die Mühe und liest zahllose Wikileaks Dokumente? – Nur ein Dorfpoet aus Troisdorf. Mit anschließender literarischer Verwurstung.

Auf meiner Insel 52 / Die Dutschke-Tagebücher

Dutschke

Ich lese derzeit die Tagebücher von Rudi Dutschke. Kein Scherz. Das hat etwas mit der Recherche zu meinem nächsten Buch zu tun. Die Lektüre ist zum Teil etwas mühselig, weil sie zu 90% aus kurzen Notizen, mal mehr mal weniger durchdachten sehr linken Argumentationen besteht.

Aber ab Mitte 1968 ändert sich der Grundton der Einträge. Dutschke hat das schwere Attentat überlebt, an dessen Spätfolgen er an Heiligabend 1979 stirbt. Er beschreibt, wie er versucht, die Anfälle in den Griff zu bekommen und wie er sich seinen Verstand zurück erkämpft. Das macht er sehr sachlich.

Ich bin aufgrund meiner Recherche an ganz bestimmten Tagen und deren Folgen für die Studentenbewegung und die Nachkriegsgeschichte interessiert. Dabei entdecke ich viele Gedanken zu dieser Zeit, die in Dokumentationen nur sehr selten ausgebreitet werden. Zum Beispiel war mir nicht bekannt, dass der SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) in West-Berlin mit der SED paktieren wollte. Die SED war in West-Berlin eine offiziell zugelassene Partei. Das ist ein interessanter Gedanke, denn mir war nicht klar, dass die Köpfe der Studentenbewegung einen offiziellen Draht zu SED hatten und damit vielleicht auch Objekt von Beobachtungen durch die Stasi waren. Diese Bemühungen der Intensivierung der Kontaktaufnahme lässt von Jahr zu Jahr nach – je mehr sich die Linken in Deutschland radikalisiert haben, desto spärlicher wurden die Verbindungen. Aber sie haben ganz offziell bestanden.

Ein weiterer Eindruck meiner Lektüre bisher: immer wenn ich alte Interviews mit Dutschke im Fernsehen gesehen habe, dann habe ich mir gedacht, der Typ war ein Möchtegern-Intellektueller, ein kleiner Spinner, ein Revoluzzer. Das kombiniert mit Langhans, Baader oder Meinhof ergab das Bild einer Marionette ohne Fäden, ein kleiner Politclown, der irgendwie in seine Rolle hineingeschlüpft ist. Dieser Eindruck ist komplett widerlegt. Die Dinge, die ich als Nachgeborener verstehen kann, die Gedanken, die Dutschke beschäftigt haben und die er darlegt, gründet er auf wirklich herausragenden Zitaten und liefert immer eine sehr logische, geistreiche Argumentation.  Immer wieder fordert er seine Mitstreiter auf, nicht bloß mit „Schlamm-Dialektik“ für „Aktionen“ zu sorgen. Die richtige Anwendung der Dialektik zur Auflösung von Widersprüchen steht in seinen Gedanken im Vordergrund. Er war also kein labernder Agitator – hinter seiner Person, seinem Geist, steckt weit mehr als das, was oberflächliche Dokumentation darstellen können.

Aber – so viel darf ich verraten – ich schreibe kein Buch über Dutschke, wohl aber über seine Zeit. Und da gibt es vieles, dass ich mir erst aneignen muss. Schließlich bin ich nur ein interessierter Nachgeborener. Mehr zu meinen Recherchen in den kommenden Wochen.

Hier ein Interview mit Dutschke und dem herausragenden Günter Gaus – sachlich, vielsagend, zeitlos.