Die schlimmste Zeit meines Lebens – Letzter Teil

Vorbei, die schlimmen Zeiten

So, dies ist mein letzter Eintrag mit der Überschrift „Die schlimmste Zeit meines Lebens“. Denn diese Zeit erkläre ich für beendet. Das hat etwas mit den Entwicklungen in dieser Woche zu tun, die eindeutig darauf hindeuten, dass sich meine Leidenszeit dem Ende nähert. Auch wenn es nicht danach aussieht, dass alles so sein wird, wie vorher.

Treppesteigen? Herausforderung? Lächerlich …

Das war gestern am frühen Nachmittag wirklich das größte Highlight der letzten Wochen. Und es fing richtig lustig an. Wenn ich meine Physiopraxis besuche, dann bin ich immer ein paar Minuten früher da. Ich muss mich umziehen, die Orthesen ablegen und mich mental vorbereiten 🙂 Da ich seit zwei Wochen direkt in den Geräteraum gehe, habe ich nicht mitbekommen, dass am Empfang Schichtwechsel war. Da ich einen Termin außer der Reihe hatte, war nicht meine gewohnte Physiotherapeutin da, sondern eine andere. Und die Dame kannte mich noch nicht – sie wusste also nicht, dass der Typ, der schon mal angefangen hat, sich in der „Beinpresse“ abzurackern, ihr aktueller Patient ist. Und während ich da ein paar hundert Kilo nach vorne drückte, vibrierte meine Fitnessuhr (ja ich habe eine Fitnessuhr!), die mit dem Smartphone gekoppelt ist – ein Anruf der Physiopraxis, die sich nach meinem Verbleib erkundigte. Das hat für einiges Gelächter gesorgt, als ich dann telefonierend zum Empfang ging 🙂
Nach so viel Lachen ging es dann wieder an die schwierige Übung der letzten Tage. Auf eine Stufe steigen, Knie beugen, Gewicht verlagern und runtergehen. Diese Übung funktionierte so gut, dass wir jetzt den entscheidenden Schritt gewagt haben: eine richtige Treppe und zwar die, die beim Therapeuten in das Untergeschoss führt. Und das war ein echtes Highlight. Treppauf und Treppab hat beides sehr gut funktioniert. Beim letzten Versuch sogar ohne Festhalten und ohne auf die Stufen zu schauen. Wie eben ein normaler Mensch eine Treppe nutzt. Das Ganze natürlich komplett ohne Orthesen.
Das ist ein echter Meilenstein, aber es hört sich einfacher an, als es ist. Mir lief der Schweiß in Strömen, es ist immer noch viel Pudding in den Beinen, aber es ist natürlich ein Durchbruch.

Termin für die öffentliche Orthesenverbrennung 🙂

Heute dann mein vermutlich vorletzter Termin bei der Orthopädin. Sie hat mir das gesagt, was ich schon vermutet hatte. Ab sofort keine Orthesen und keine Gehhilfen mehr! Natürlich steht es mir frei, weiterhin Krücken mitzunehmen oder mir irgendeinen Orthesenersatz um die Knie zu wickeln – grundsätzlich aber gilt, dass ich möglichst alles so normal wie möglich machen soll. Das bedeutet, dass ich morgen das erste Mal das Haus wie ein normaler Mensch verlassen werde.
Das wird nicht ganz einfach werden, da diese Metallgerippe um die Beine bisher einen großen Teil der Stabilität ausmachen. Andererseits laufe ich seit Wochen zu Hause und während der Physiotherapie ohne Orthesen herum. Es gibt außerdem keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt für diese Maßnahme. Es ist jetzt wichtig, dass die bisher von der Orthese stabilisierten Bereiche im Alltag wieder gestärkt werden. Ich sehe diesen Schritt also nicht als potenzielle Gefahr, sondern als Befreiung und als Grundlage für den im letzten Eintrag beschriebenen „großen Sprung“.

Mein Klo – Der einzige Ort, an dem ab sofort die Krücken noch eine Bedeutung haben 🙂

Alltag

HomeOffice ist jetzt auf vier Stunden pro Tag ausgedehnt, so dass ich jetzt auch mal ein paar umfangreichere Sachen angehen kann, die bisher nur flickwerkartig von mir bearbeitet werden konnten. Ich möchte auch möglichst bald wieder Fahrrad fahren, was aber im Moment daran scheitert, dass ich einen Zugang zu unserer Tiefgarage benötige, die mit unserem Keller verbunden ist. Bisher habe ich mein Fahrrad eine Seitentreppe an der Tiefgarage herunter getragen – das werde ich aber nicht machen (können). Ich habe daher unsere Hausverwaltung angeschrieben und um einen der Sender gebeten, den normalerweise nur die Stellplatzbesitzer haben. Damit kann ich dann die Garage von außen öffnen, was ohne Sender nicht möglich ist. Sobald das geregelt ist, werde ich auch mal die ersten Runden auf dem Fahrrad drehen.

Bend The Knee

Das Einzige, was mit Sorgen bereitet, ist die nach wie vor sehr schwache Beugung der Kniegelenke. Sie ist kaum größer als 90°, d.h. ich kann von tieferen Sitzpositionen nicht ohne Hilfsmittel (Armlehne oder Krücke) aufstehen. Auch aus höheren Sitzpositionen ist das Aufstehen immer noch sehr schmerzhaft. Natürlich ist der Heilungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen, aber theoretisch müsste ich schon weiter sein. Momentan spricht einiges dafür, dass die Beugung nicht im vollen Umfang zurückkommt. Es ist undenkbar, tief in die Hocke zu gehen oder sich hinzuknien. Und vielleicht wird das tatsächlich nie wieder möglich sein. Bei den vielen Übungen müsste die Beugung stärker ausgeprägt sein und man kann schon Zweifel haben, ob die restliche Kraft, die jetzt noch hinzukommt, so viel Unterschied ausmachen wird. Daher konzentriere ich mich derzeit auf die Übungen, die die Beugung zurückbringen und hoffe doch sehr, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten.
Es steht jedenfalls fest, dass ich Ende Dezember zum Jahreswechsel nach Amrum fahre. Bis dahin werde ich so fit sein, dass das möglich sein wird.

Dies war der letzte Eintrag unter dem Titel „Schlimmste Zeit meines Lebens“. Diese Zeit ist vorbei. Ab sofort wird meine Verletzung nur noch ein Thema unter vielen sein – sie bestimmt ab sofort nicht mehr jeden einzelnen Schritt. Ich werde sicher noch weiter über die Entwicklung berichten, aber ab sofort in einem anderen Licht. Das Licht am Ende des Tunnels blendet mich jetzt schon, so daß ich sage: „Tunnel? Welcher Tunnel?“ 🙂

Die schlimmste Zeit meines Lebens – Teil 10

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Nach allem, was ich über meine Verletzung erfahren habe, ist die aktuelle Phase die schwerste – die Fortschritte fühlen sich minimal an, obwohl sich im Alltag vieles geändert hat. Die wenigen Grad der Beugung, die ich brauche, um meine Toilette wieder normal nutzen zu können, kann ich mit den Krücken überbrücken. D.h. ich lasse mich nicht auf die Keramik fallen, sondern beuge die Knie so weit ich kann, rutsche mit den Beinen nach vorne und stütze mich gleichzeitig auf eine Krücke, deren Länge ich entsprechend verkürzt habe. Nächste Woche lasse ich den Toilettenstuhl vom Sanitätshaus abholen.

Auch das Einstiegen in die Badewanne geht wieder. Meine Badewanne ist ja auch gleichzeitig meine Dusche. Man muss dabei natürlich besonders aufpassen, nicht auszurutschen, aber es geht wieder. Und ich kann eine Treppe ganz normal aufwärts gehen. Abwärts jedoch geht es nur mit dem Nachziehen des hinteren Beines zum Standbein – ich gehe Stufe für Stufe mit zwei Beinen hinunter. Aber eigentlich ist jetzt fast alles wieder normal, nur verlangsamt und sehr anstrengend.

Den Ausfallschritt üben – die Belastung der Kniegelenke muss trainiert werden … .

Reine Kopfsache

Im Geräteraum der Physiopraxis üben wir jetzt verstärkt die Koordination von Bewegungen. Dazu wird eine einfache Stufe aufgestellt. Auf die Stufe hinaufzugehen ist kein Problem. Aber ohne Hilfsmittel hinunterzugehen, wobei die Therapeutin vehement darauf besteht, dass ich die Kniegelenke dazu beuge und nicht die Streckung der Beine nutze – das ist richtig schwer. Die Gewichtsverlagerung fühlt sich im Knie zentnerschwer an und die Balance zu halten, ist fast unmöglich. Aber ich muss das immer wieder üben. In Zeitlupe. Keine schnelle Bewegung, um von der Stufe herunterzukommen, sondern langsam und bewusst koordiniert.

Auch wenn diese Übung viel Kraft erfordert – das Problem ist nicht die Kraft, sondern etwas Unbewusstes im Kopf. Wochenlang war absolut jede Bewegung darauf ausgerichtet, die Beugebewegung im Knie zu vermeiden. Jetzt muss ich so oft das Knie beugen, wie möglich und nur aufpassen, dass ich den Grad der möglichen Belastung nicht überschreite. Ich soll also meinen seit Wochen instabilen Kniegelenken vertrauen und die selbst auferlegte Konditionierung von eigentlich unbewusst ablaufenden Prozessen wieder umkehren – das ist nicht einfach.

Ganz fies wird es dann auch dem Wackelbrett. Das ist eine Vorrichtung, bei der der Untergrund in Bewegung gerät. Dazu werfe ich einen Ball in die Luft, fange ihn auf und während ich das mache, tritt die Therapeutin gegen das Wackelbrett und ich muss das Gleichgewicht koordinieren und das Fangen des Balls. Das sieht ganz lustig aus und hilft tatsächlich, den Gleichgewichtssinn zurückzubekommen.

Die Tage der Orthesen sind gezählt

Anfang kommender Woche bin ich wieder bei der Orthopädin. Ich bin sicher, dass der nächste Schritt die komplette Entfernung der Orthesen ist. Seit drei Wochen trage ich die Orthesen eh nur noch außerhalb der Wohnung – jetzt wird es langsam Zeit, diese komplett loszuwerden. Damit muss ich zwangsläufig auch in der freien Wildbahn meinen Kniegelenken wieder vertrauen. Ich denke, dass ich aber für die ersten Gehversuche die Krücken noch weiter im Anschlag mitführe. So ganz ohne Hilfsmittel ist doch ein echtes Wagnis. Aber auch das ist vermutlich eine reine Kopfsache. In den letzten zwei Wochen wären alle meine Ausflüge nach draußen problemlos ohne Krücken und Orthesen möglich gewesen. Es ist drei Wochen her, als ich beim Aussteigen aus dem Bus eine Situation erlebt habe, in der das Standbein instabil wurde und ich ohne Hilfsmittel auf der Nase gelandet wäre. Nun, mal abwarten, wozu mir die Ärztin rät.

Verhärtungen der Gelenke weiterhin ein Problem

Es ist nach wie vor so, dass kurz nach dem Aufstehen morgens meine Kniegelenke verhärten. Direkt über der Kniescheibe bildet sich ein harter Knubbel, der mit jeder Beugung eine Art Fremdkörpergefühl auslöst. Man kann diese Verhärtungen mit unangenehmer, fester Narbenmassage wegbekommen. Auch die täglich notwendigen Streckübungen sind dann eine echte Wohltat. Aber immer wieder kommt diese Verhärtung zurück. Ich würde sagen, dass sie genau an den Stellen auftritt, an denen sich noch nicht wieder ausreichend Muskeln gebildet haben.

Wenn ich vor dem Spiegel des Geräteraumes der Physiopraxis die Ausfallschritte und die Belastung der Kniegelenke übe, dann sieht es so aus, als würden die Oberschenkelmuskeln eine wabbelige Puddingmasse direkt über dem Knie nach oben ziehen. Da, wo eigentlich Muskeln sein sollten, ist eine wabbelige Masse im Bein, die sich über diese Verhärtungen zieht.

Es ist aber schon so, dass jeden Tag kleine Verbesserungen zu bemerken sind. Mit leicht geknickten Beinen auf dem Sofa und nach den Übungen, fühlt sich alles sehr weich an – fast kommt man in die Versuchung, ganz normal in die Hocke gehen zu wollen. Und diese Phasen scheinen auch länger anzudauern. Andererseits macht sich eine echte Müdigkeit in den Beinen breit, wenn ich bei der Physiotherapie war und dann den Weg nach Hause gegangen bin – das wären für gesunde Menschen keine erwähnenswerten Anstrengungen – für mich ist das Tagespensum dann aber bereits gegen Mittag erreicht.

Der große Sprung

Ich hoffe, dass bald der Zeitpunkt kommt, an dem das Gefühl der Entspannung in den Gelenken die Oberhand gewinnt. Es klingt paradox, aber es ist so, dass wenn ich nach meinen Übungen – Ausfallschritte, Dehnübungen, Hometrainer – die Beine gegen das Flexband durchdrücke, dort ein Schmerz und eine Entspannung zu derselben Zeit entsteht. Die Kniegelenke sind irgendwie dankbar für genau diese anstrengende Bewegung. Ich glaube, dass der Schmerz nur noch durch die Verhärtung entsteht. Ein großer Sprung nach vorne wäre es daher, die Verhärtung endlich loszuwerden. Und ich glaube, dass dieser Zeitpunkt in den kommenden Wochen da ist.

Die schlimmste Zeit meines Lebens – Teil 9

Minimale Fortschritte und ein Ratgeber in der Pipeline

Der Weg ist noch lang. Das merke ich jeden Tag, nach dem Aufstehen. Die Beine sind weich wie Pudding, die Kniegelenke fühlen sich normal an – bin ich dann aber ein paar Schritte gegangen, dann scheinen sich die Gelenke wieder mit Zement zu füllen und sie sind fest und unflexibel. Nach ein paar Streckübungen und einer ersten einfachen Tour auf dem Hometrainer, gibt sich das etwas, aber die Fortschritte sind letztendlich kaum zu bemerken. Diese ständig wiederkehrende Versteifung der Gelenke ist besonders lästig und wird mich noch eine ganze Weile begleiten. Es ist wie ein ständiges Fremdkörpergefühl um die Narben herum. Festes Massieren des Narbengewebes hilft ganz gut, aber ich habe den Eindruck, dass meine Beine nicht begreifen wollen, dass sie dort kein weiteres Narbengewebe ablagern sollen.

Roboter auf dem Weg zum ALDI

Habe ich an einem Tag in der Woche keinen Termin in der Physioproaxis, dann gehe ich einmal pro Tag raus und gehe Einkaufen. Entweder zum lokalen Discounter oder einmal durch die Fußgängerzone. Dabei trage ich nach wie vor die Orthesen unter der Hose und habe auch immer noch die Krücken dabei. Es passiert immer noch – zwar selten, aber doch regelmäßig – dass die Kniegelenke „durchsacken“ und dieser Verlust an Balance aufgefangen werden muss. Ich versuche bei meinen Ausflügen bewusst „rund“ zu laufen, so als wären die Beine in Ordnung und ich versuche, möglichst viel Kraft in die Waden zu legen – die Krücken dienen nicht mehr länger zur Kompensation von fehlender Kraft in den Beinen, sondern nur noch dem Beibehalt der Balance. Die meiste Zeit trage ich die Krücken in den Händen, stets bereit sie auf den Boden zu setzen, als wäre ich ein Revolverheld mit zwei automatischen Pumpguns im ständigen Anschlag. Dürfte ziemlich bescheuert aussehen und viele, die mich sehen, fragen sich vermutlich, warum der Typ die Krücken überhaupt noch dabei hat. Es ist nur noch für den Fall der Fälle – „Fall“ ist hier wörtlich zu nehmen.
Heute war meine Tour so unproblematisch, dass ich ohne Orthesen und ohne Krücken problemlos den Weg zum Discounter hätte meistern können. Auch wenn ich mich trotzdem bei vielen Schritten noch unsicher gefühlt habe. Es ist so, dass immer mehr Bewegungen wieder unbewusst erfolgen. 99% aller Bewegungen macht der Mensch unbewusst – die große tägliche Belastung für den Kopf und das allgemeine Befinden, auf jeden einzelnen Schritt, jede noch so kleine Unebenheit achten zu müssen, wird im gleichen Maße weniger, wie die Kraft wieder zunimmt. Aber das Maß ist sehr klein.
Für das Post-Orthetische Zeitalter habe ich mir übrigens ein Hilfsmittel zugelegt. Das hat mehr einen psychologischen Effekt, als einen wirklich substanziellen Effekt beim Fallen. Zwei Knieschoner, wie sie im Volleyball oder Handball verwendet werden, werde ich nach Absprache an meinem nächsten Orthopädietermin bis auf Weiteres tragen. Aber erst, wenn die komplette Sicherheit beim Laufen ohne Orthesen außerhalb meiner vier Wände gegeben ist.

Statt Orthesen – solche Knieschoner tragen auch diverse Sportler

Schweres Gerät

In der Physiopraxis sind wir jetzt von der Einzelbehandlung auf einer Liege in den Geräteraum gewechselt. Dort ist eine schwere Maschine, in die ich mich reinsetze, um dann einen zuvor eingestellten Widerstand mit den gebeugten Beinen nach vorne zu stemmen. Das ist ein gezielte Quadrizepsübung. Zur Eingewöhnung hat meine Physiotherapeutin das Gerät sehr moderat eingestellt – es ging zunächst nicht so sehr um schwere Übungen sondern darum, die Wirkungsweise zu verstehen. Man muss sich bei jedem Durchgang Zeit lassen – die Dehnung und die Kraft wird erst im Weg zurück wirklich ausgelöst und das muss man „geniessen“ bzw. richtig bei sich in den Beinen bemerken.
Eine zweite Übung ist ungemein hilfreich – meine Therapeutin hat einen kleinen Parkour aus „Wabbelkissen“ ausgelegt. Wenn man diese betritt, verliert jemand mit meinen Wabbelbeinen leicht die Balance. Ein Stellen auf die Zehenspitzen bei gleichzeitigem leichten Einknicken des Standbeines (was schon ein gehöriger Kraftakt ist) und einen Stock, den man waagerecht hält, helfen beim erneuten Lernen der Balance. Es ist wahrlich keine Floskel – ich muss das Laufen neu lernen.
Meine Physiopraxis bietet außerdem eine „TherapiePlus“ – das ist ein Training 1x pro Woche für 2 Stunden in einer kleinen Gruppe. Da mache ich in jedem Fall mit, wenn ab ca. Mitte November meine individuelle Therapie zu einem Ende kommt.

Bald bei Amazon erhältlich

Nach Ende meiner Leidensphase auf Amazon erhältlich

Es gibt im Internet nur wenige Informationsquellen zu meiner Verletzung. Sie ist halt sehr selten und noch seltener bei Menschen, die noch relativ jung sind und keine Vorerkrankungen haben (Diabetes, Rheuma). Der einzige mir bekannte Erfahrungbericht in Buchform existiert auf englisch bei Amazon und wurde von meinem „Leidensgenossen“ Steven Gartner verfasst. Der arme Kerl hat diese Verletzung zweimal erleiden müssen – einmal auf einem Jet-Ski im Wasser, dann einige Jahre später beim Skifahren. Es gibt darüber hinaus noch einige Blogs, auch in englischer Sprache und viele Fachberichte von Medizinern. Selten sind diese Berichte auf deutsch. Als Dorfpoet sehe ich hier eine Marktlücke und habe – parallel zu diesen Blogeinträgen – meine Erfahrungen aufgeschrieben. Das ist natürlich keine medizinisches oder orthopädisches Fachbuch, aber es kann Hilfestellungen geben. Ich hätte mir jedenfalls bei meinem Krankenhausaufenthalt so eine Lektüre gewünscht – einfach nur zu wissen, wie es überhaupt weitergeht und was auf mich als Betroffenen zukommt.
Natürlich ist das Buch noch nicht fertig, denn meine Leidenszeit ist ja noch noch nicht vorbei. Ich habe mir vorgenommen das Buch zu derselben Zeit bei Amazon als eBook erscheinen zu lassen, wenn ich mit meinem richtigen Fahrrad mehr als eine Stunde am Stück in freier Wildbahn gefahren bin und wenn ich meine Tour zum Ort des Geschehens, die Treppe im Hauptgebäude der Universität in Bonn, gemacht habe. Das dürfte im Dezember/Januar der Fall sein – so zumindest mein Zeitplan, den ich jeden morgen meinen Kniegelenken einflüstere 🙂

Die schlimmste Zeit meines Lebens – Teil 8

Heiße Phase

Orthesenabgewöhnung

Heute ist der erste Tag, an dem ich mich in meiner Wohnung komplett ohne Orthesen bewege. Das erste Tag nach über neun Wochen, an dem ich mal keine Einschränkungen um die Beine gewickelt sehe – eine echte Wohltat. Ich hatte die Maßnahme mit der Orthopädin vor einer Woche abgesprochen. Nach einer Woche mit 90° soll jetzt langsam die Abgewöhnung dieser Orthesen beginnen. Und, damit automatisch verbunden, passive Beugungen, die über die 90° hinausgehen und an die ich mich langsam gewöhnen muss.
Es fühlt sich nach wie vor so an, als sei über die Knie eine Art Draht gespannt, der mich daran hindert, die Beine komplett zu beugen. Besonders im linken Knie stellt sich immer noch ein stetiges „Fremdkörpergefühl“ ein – immer noch spannt das Narbengewebe und verursacht leichtes Ziehen beim Gehen. Das rechte Bein hingegen ist immer noch dicker. Das ist mein Standbein und braucht für alles etwas länger. Ich würde sagen, dass ich rechts eine Woche weiter zurück bin, verglichen mit dem linken Bein.
Im Alltag bedeutet dies zunächst keine weitere Verbesserung. Nach draußen gehe ich nach wie vor mit Orthesen und habe auch immer noch zur Sicherheit die Krücken dabei. Und auch das Aufstehen aus tieferen Sitzgelegenheiten oder der Toilette ist noch nicht greifbar.

Die elenden, verschissenen, völlig verhassten Orthesen – müssen jetzt häufiger ohne meine Beine auskommen

Der schwierigste Teil

Das war aber auch abzusehen – alle vernünftigen Erfahrungsberichte zu diesem Thema sagen, dass die Steigerung von 90° auf mehr als 110° Belastung der schwierigste Teil ist. Es ist der Teil, der den rechten Winkel ausdehnt und der dann beim Aufstehen oder Treppesteigen die Belastung komplett in das Knie verlegt. Das Problem sind dabei nicht die Sehnen, sondern die fehlenden Muskeln und die Trägheit der nahezu versteinerten Kniegelenke.
Ich muss also Geduld haben und weiterhin mein Training verfolgen. Einen Schwerpunkt soll ich dabei laut Physio auf die Streckung der Beine legen. Das ist die Gegenbewegung zur Beugung und für eine Stabilität genauso wichtig. Wenn ich das konsequent anwende und mit einem Bein und aller Kraft die Kniekehle nach unten drücke, dann fängt der obere Quadrizepsmuskel richtig zu zittern an. Er wird also langsam wieder reaktiviert und kann dann in der Beugebewegung für die notwendige Stabilität sorgen. Diese Streckbewegungen mache ich im Liegen und im Sitzen. Dafür war es immer notwendig, die Orthese abzunehmen – da ich jetzt generell ohne Orthesen herumlaufe, kann ich diese Übungen relativ häufig machen.
Die schmerzhafteste Übung besteht darin, ohne sich abzustoßen aus einer Sitzposition aufzustehen. Da dies nur aus einer erhöhten Position überhaupt möglich ist, mache ich dies, in dem ich mich auf den Rand eines Sofas setze. Das ist in dem Moment des Aufstehens immer etwas schmerzhaft und man spürt die nach wie vor die viel zu harten Kniegelenke. Aber auch das wird immer besser. Auf der Liege der Physiopraxis klappt dies besser, da man diese perfekt einstellen kann. Der Rand des Sofas lässt eine richtige Position der Füße nicht zu, was die Übungen zu Hause zusätzlich erschwert.

Hometrainer

Meine Schwester hat mir leihweise ihren Hometrainer vermacht und das ist natürlich ein wunderbares Gerät, um Muskeln und Kraft in die Beugung zu bekommen. Das Gerät hat etliche Funktionen, die mich aber alle gar nicht interessieren. Ich muss nur sehen können, wie weit ich fahre und wie ich eine Steigung einstellen kann, so dass ich die Kraft richtig dosieren kann. Bei meinen zwei täglichen Trainingseinheiten habe ich mich im Moment dafür entschieden, 1x 3 km mit richtig heftiger Steigung zu fahren und 1x 5km mit normalem Widerstand. Eine Übung morgens, eine abends.
Die Distanzen sind natürlich für einen gesunden Menschen lächerlich – für mich ist das sehr schweißtreibend, anstrengend, aber eine Wohltat für die Gelenke. Ich kann sagen, dass der Grundsatz, man müsse sich bewegen sobald Schmerzen auftauchen völlig richtig ist. Keine Schmerztablette, keine Ruhephase schafft das, was 15 Minuten Hometrainer können. Der Stoffwechsel in den Gelenken wird angestoßen und setzt damit die weitere Heilung in Gang.

Sehr hilfreiches Gerät – es geht in die heiße Phase