Im Einklang mit dem Gottesteilchen

Animiert u.a. durch diese beiden Artikel:

http://www.zeit.de/wissen/2014-02/stephen-hawking-theorie-schwarze-loecher

http://www.zeit.de/2014/01/wissenschaft-forschung-rettung

habe ich eine Ergänzung anzubringen, die ich für nicht unerheblich halte. Ich glaube, dass das sogenannte „Gottesteilchen“ logisch betrachtet identisch mit dem ist, was Leibniz vor 400 Jahren als „Monade“ bezeichnet hat.

Wer Naturwissenschaftler kennt, die sich für Philosophie interessieren (bei mir sind die Schwerpunkte genau entgegengesetzt), bitte auf meinen Artikel aufmerksam machen. Mich würde sehr interessieren, wie abwegig meine Idee ist … 😉

http://kultur-magazin-de.blogspot.de/2014/02/das-groe-ganze-im-einklang-mit-dem.html

Über das Gutmenschentum

Mein Vokabular. Ich bin dabei, es zu reflektieren. Dies ist ein weiterer Versuch.

Es ist so ein Begriff, den man sehr genau analysieren muss, damit verstanden werden kann, warum er so negativ behaftet ist. Ein guter Mensch gehört zum „Gutmenschentum“ – aber die Konnotation des Begriffes ist negativ.

„Gutmensch“ ist wie „menscheln“, wie oberflächliches Paradieren einer Belanglosigkeit, gepaart mit einem universalen Attribut. Ein ironisches Separieren einer Menschengruppe, der man voller Ironie nachsagt, einer anderen etwas voraus zu haben – das „Gute“ an sich taugt nicht für Ironie. Was soll das in Ironie verkehrte Gute auch sein?

Als es zum Beispiel vor einigen Monaten um die ethische Bewertung des damals noch amtierenden Bundespräsidenten Wulff ging, da sagte ein bekannter Fernsehmoderator in einer Talkshow: „Wir wollen doch keine Mutter Theresa als Staatsoberhaupt.“ – Mutter Theresa, ein Mensch, den man wahrlich als „gut“ bezeichnen kann, weil er sein Leben für das Allgemeinwohl eingesetzt hat. Dieser Mensch muss herhalten für … ja für was eigentlich? Für die Rechtfertigung, dass uns allen mal ein Fauxpas unterlaufen kann und das Herausholen von idealistischen Maßstäben als „Gutmenschentum“ zurückgespielt wird? Vor allem als Vorab-Reaktion, auch dann, wenn das „Gutmenschentum“ gar nicht übermäßig betont wurde?

Noch viel schlimmer ist die Interpretation des „Gutmenschentums“ im Zusammenhang mit Menschen, die sich an uns orientieren und denen man den Strohhalm reichen möchte. Die Rumänen zum Beispiel – alles „Armutseinwanderer“. Die Flüchtlinge auf Lampedusa, die ihr Leben riskieren, nur weil sie mal bei ALDI einkaufen wollen? Das „Deutsche Gutmenschentum“ gepeinigt von der ewigen Schuld der Nazizeit, will da natürlich die Welt verändern, die Welt verbessern. Und es sind nur die Deutschen. Der Deutsche an sich muss zahlen. Warum nicht die andern? Der Deutsche an sich zahlt für die Krise in Europa … Das sind die dämlichen Argumente, die vorgebracht werden. Was für ein Unsinn.

Menschen, die so denken, sind Blender. Menschen, die andere als „Gutmenschen“ abwertend bezeichnen sind die, die mit der passenden Kleidung, dem passenden Auto, der passenden Rücksichtslosigkeit, die allzu gerne mit Durchsetzungskraft oder gar „Lebenserfahrung“ verwechselt wird, durch das Leben gehen und eigentlich nichts können. Sie erkennen nur, dass andere um sie herum – und mit denen bilden sie Seilschaften des gegenseitig betreuten Egoismus – genauso sind. Und der Unterschied zwischen Menschen, die andere despektierlich als „Gutmensch“ aburteilen und einer Mutter Theresa ist eigentlich nicht „das Gute“. Es ist die Tatsache, dass Mutter Theresa wusste, wofür sie lebt. Es ist ein gewisser Neid von Menschen, die vielleicht ihr Leben lang die Selbstreflexion nicht erlernen werden.

Mit diesen Menschen sollten die „Gutmenschen“ Mitleid haben.
Was ist eigentlich das Gegenteil von „Gutmensch“? Warum haben die „Gutmenschen“ keinen passenden Begriff für sie parat? Ganz einfach – Weil sie sich nicht damit beschäftigen. „Gutmenschen“ sind selbstreflektiert und nutzen ihre Zeit sinnvoll. Dieses innere Selbstreflexion entfernt sie auch von der Welt. Dass gute Menschen manchmal weltfremd wirken ist tatsächlich gar nicht so abwegig.

Die Tatsache, dass ich so einen Blog-Eintrag schreibe, zeigt ja eigentlich, dass ich gar kein Gutmensch bin. Denn ich beschäftige mich ja mit diesem Schubladentum. Ich wurde auch noch nie als „Gutmensch“ bezeichnet. Ich beschäftige mich dennoch mit der Unterscheidung von Menschen. Aber das liegt ja auch daran, dass ich mich als Künstler bezeichnen würde. Künstler reflektieren eben nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt. Da kann man noch so gut als Mensch sein – die Welt und manche ihrer Eigenheiten sorgen für ein Remis im Geiste.

Jedenfalls sei eines mal ganz klar gesagt: Ein guter Mensch zu sein, tut nicht weh – es setzt nur Selbstreflexion voraus. Und Menschen, die andere Menschen als „Gutmenschen“ abstempeln sind dazu nicht in der Lage. Drum merket Euch: Die eigene Nase ist immer näher, als die des Anderen.

Wesentlichkeiten

Mein Vokabular. Ich bin dabei, es zu reflektieren. Dies ist der nächste Versuch.

Ich muss einem Rechtschreibprogramm immer dieses Wort beibringen. Wesentlichkeiten. Es ist rot unterstrichen, egal in welchem Schreibprogramm. Es existiert nicht. Das Wort „Wesentlichkeit“ ist zwar im Duden, aber irgendwie scheint alles immer wieder auf das Adjektiv „wesentlich“ zurückzufallen.

Die Wesentlichkeit ist ein Makro. Sie umfasst eine ganze Reihe von Eigenschaften. Jede dieser Eigenschaft selbst birgt in sich die Charakteristik des Wesens der Person oder Institution, die mit der Wesentlichkeit beschrieben werden soll. Und gleichzeitig ist jede konträre Eigenschaft die Umkehrung der Wesentlichkeit – also unwesentlich oder ihre Negation.

Nehmen wir als Beispiel Tebartz van Elst. Der ist Bischof von Limburg und war vor einigen  Wochen in den Schlagzeilen, u.a. weil er jedes Maß beim Neubau seines Bischofssitz verloren hatte.
Zum Wesen eines Bischofs gehört das Vorleben christlicher Tugenden. Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Disziplin … . All diese Tugenden ergeben zusammen die Wesentlichkeit. Die Wesentlichkeit ist also eine Mischung aus „Wesen“ und „Sichtbarkeit“ – wobei „sichtbar“ nicht unbedingt physisch „sichtbar“ ist, sondern auch eine Sichtbarkeit als Ergebnis eines Handelns meint.
Mindestens die Tugend der Bescheidenheit fällt in diesem Fall komplett aus. Die Wesentlichkeit eines Bischofs ist nicht die Wesentlichkeit eines Tebartz van Elst.

Warum also ist so ein wichtiges Wort nicht viel stärker im alltäglichen Gebrauch verankert? Nun, zumindest in meinen Texten hat es diese Verankerung.

Vermutlich hängt es damit zusammen, dass unter der Gruppierung von Eigenschaften und dem Rückschluss auf das Wesen eines Menschen, jeder etwas anderes versteht. Das Wesentliche ist losgelöst von einem Individuum. Die Wesentlichkeit ist die Charakterisierung eines Individuums in einem speziellen Kontext. Sie hängt nicht von diesem Individuum ab, sondern von der Perspektive desjenigen, der die Charakterisierung vornimmt. Wesentlichkeit ist also so etwas wie die Abstraktion des Individuellen – das birgt Gefahren.

Die Definition von Wesentlichkeiten funktioniert wirklich nur, wenn über den Kontext ein Konsens herrscht. Das geschieht immer und ausnahmslos über Fakten. Die Maßlosigkeit eines Tebartz van Elst ist Fakt. Dieser Fakt offenbart das Wesen dieses Menschen. Die Definition der Wesentlichkeit ist somit unstrittig.

So ist der Gebrauch von „Wesentlichkeit“ mit großer Vorsicht zu geniessen. Denn was sagt uns, dass die Fakten des Kontext korrekt sind? In einer Zeit, in der Virtualität und Realität ineinander verschmelzen, sind Fakten besonders kritisch zu hinterfragen. Denn es wäre heute theoretisch denkbar, dass es den Syrischen Bürgerkrieg gar nicht gibt. Sämtliche Nachrichtenbeiträge sind vielleicht an einem Computer erzeugt worden. Das ist jetzt selbstverständlich keine Behauptung von mir – ich sage lediglich, dass dies technisch möglich ist.

„Die Wesentlichkeit“ funktioniert nur rekursiv. Ich kann sie als Wort nur gebrauchen, wenn ich mir der Fakten, also der Realität sicher sein kann. Wesentlichkeit ist keine Annahme. Sie ist eine Tatsache. Sie hat somit das Merkmal, welches auch der Realität anhaftet. Auch diese kann nur rekursiv definiert werden, in dem man sie von der Virtualität abgrenzt. Bevor es die Virtualität gab, war diese Abgrenzung gar nicht notwendig, so wenig wie die Abgrenzung und „Wesen“ und „Wesentlichkeit“. Was also ist die Wesentlichkeit unserer Welt? Die Realität.

Was nun abschliessend im Raum steht ist die berechtigte Frage nach dem Sinn dieser ganzen Überlegung. Stellen wir nur einfach mal die abschliessende Aussage „Die Wesentlichkeit unserer Welt ist Realität.“ in den Raum, dann ist das für sich genommen, eine fast so banale Aussage wie „Ich denke, also bin ich.“ So wirkt es zumindest. Aber alle Menschen, die den Kontext zu Descartes „Ich denke, also bin ich.“ kennen, würden diesen Satz, der die Individualisierung in unserer Gesellschaft erst ermöglicht hat, sicher nicht als banal bezeichnen. So wie das Denken das Sein bestimmt, so bestimmt heute das Erkennen von Realität die Welt. Das Wissen um die Substanz dieser Aussage reicht aber nicht – diese Aussage muss mit Leben gefüllt werden.

Dafür hat der liebe Gott den Dorfpoeten erfunden.- Wenn sie also in meinen Texten das Wort „Wesentlichkeiten“ lesen oder hören – jetzt wissen Sie Bescheid 😉

Warum es die Welt nicht gibt – Teil 3: Populistische Philosophie


Erster Teil der Rezension / Zweiter Teil der Rezension

„Dadurch, dass so viele Frauen zu den Lesungen von Richard David Precht gehen, 
ist die Philosophie kastriert worden, weil alle Frauen, die ich kenne, 
wissen gar nicht, wie er heißt.“

– Harald Schmidt

Von Peter Killert.

Markus Gabriel - Warum es die Welt nicht gibtSo, jetzt mal weg von diesem Buch. Es soll ja nur Anlass für einen wichtigeren Zusammenhang sein. Viele Argumente habe ich bereits angesprochen – jetzt bringe ich es präzise auf den Punkt. Die Welt gibt es nicht, weil die Philosophie in ihr nicht die Bedeutung hat, die sie haben muss. Ich interpretiere also jetzt den Titel des Buches mal auf eine gewisse moralische Art und Weise – wohlwissend, dass Gabriel den Titel erkenntnistheoretisch meint. Aber, so groß muss der Unterschied gar nicht sein. Ich bringe das reicht einfach in Einklang zueinander.

Ich hatte es im ersten Teil meiner Rezension bereits angedeutet – es ist auffällig, wie viele Menschen wieder nach Gedanken streben, die alles in einen großen Zusammenhang setzen wollen. Die starke Individualisierung, ausgehend von Sigmund Freud und die ihren Höhepunkt im französischen Existentialismus fand, ebbt allmählich ab. Wir sehen, wohin eine zu starke Ich-Bezogenheit führt. Das zügellose Streben nach dem größtmöglichen Profit muss Verlierer hervorbringen. Nein – wir sind bereits einen Schritt weiter. Es gibt diese Verlierer schon, es hat sie schon immer gegeben. Aber die globale Betrachtung zeigt allen ihre Existenz. Sie schreit jeden halbwegs denkenden Menschen förmlich an, einen Zustand ändern wollen zu müssen. Nur – wie soll das gehen?

Alles, was sich an normativen Ansprüchen orientiert, wird in seiner Substanz dem Egoismus entgegen stehen. Normative Ansprüche sind Abstraktionen. Die Philosophie ist die Wissenschaft der Abstraktionen. So abstrakt, dass sie für viele nicht verständlich ist. Dabei meine ich jetzt gar nicht mal „Metaphysik“, sondern es reichen Begriffe wie „Freiheit“, „Bildung“, „Sicherheit“ oder „Gesundheit“. Wann immer man marktwirtschaftliche, egoistische Prinzipien auf diese Begriffe anwendet – die abstrakte Hülle dieser normativen Ansprüche wird in solchen Prinzipien zerfallen. „Freiheit“ und „Sicherheit“ konkurrieren derzeit bei der Ausrichtung eines Blickwinkels auf die Zukunft. Die Gesundheit zeigt sich im Gesundheitssystem, in dem der Profit und nicht der Mensch zählt. Computertomographien bringen mehr Geld als die Pflege von viel zu schlecht bezahlten Pflegekräften. „Bildung“ wird in überfüllten Universitäten zur Farce, zumal wenn angehende Absolventen von Praktikum zu Praktikum hetzen, jung aber erfahren, belastbar und mobil. Pech, wer dann noch Frau ist und Kinder möchte.

(Es ist übrigens ein Zufall, dass ich dies schreibe, kurz nach dem die FDP aus dem Bundestag geflogen ist.)

Was hat das mit dem Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ zu tun? Bei einer erkenntnistheoretischen Betrachtung des Titels nichts. Nur, wenn wir den Titel moralisch verstehen. Das war nicht die Intention des Autors, steht aber versteckt hinter der Tatsache, dass dieser Titel auf der Bestsellerliste steht. Das nenne ich „populistisch“ – aber im besten Sinne.

Das Buch eignet sich – bei aller geäußerter Kritik – hervorragend als Grundlage für den Einstieg in die Philosophie. Alle wichtigen Grundfragen werden unterhaltsam gestellt und plausibel abgearbeitet. Es ist also geeignet für jene Menschen, die nach bereits erwähnter Ganzheitlichkeit streben und dafür nach gedanklichem Inventar suchen. Sie suchen nach der Fähigkeit, Vernunft anwenden zu können. Das passt sogar zu dem Erkenntnistheoretiker  Gabriel. Vernunft ist das Einordnen, Abstecken, ja das Sich-Bewegen in einem Sinnfeld. Man könnte es auch den eigenen Horizont nennen, der in auch noch so erfolgreichem Egoismus zur puren Engstirnigkeit verkommen muss. Und was geht der Fähigkeit des vernünftigen Handelns voraus? Die Fähigkeit der korrekten Abstraktion. Also die Fähigkeit zu Philosophieren. Philosophie ist Logik. Mit der Fähigkeit zu Philosophieren meine ich nicht das esoterische Gelaber über den Sinn des Lebens.

Gabriel und Precht sind die Vertreter dieser „Populistischen Philosophie“. Dieser Begriff wurde natürlich verächtlich von ihren Gegner gewählt. Ich lasse diesen Begriff mal so stehen und halte es für wichtig, keinen anderen Begriff zu finden, sondern den Begriff „populistisch“ von seinem negativen Beigeschmack zu befreien. Das funktioniert dann, wenn die Sprache, mit der über philosophische Themen diskutiert wird und der Kontext von praxisorientierter Vernunft zusammenfinden.

Es gibt dafür ein gutes Beispiel das zeigt, wie die nicht gelungen ist. Und eben deswegen eignet sich dieses Beispiel für meine These: Die Tatsache allein, dass es solche Gespräche überhaupt gibt – zwischen einem Philosophen und einem Menschen, der die Theorie praktisch umsetzen können möchte – diese Tatsache ist Zeitgeist pur. In mir als Intellektuellem löst dies Optimismus aus.

Folgendes Gespräch zwischen Richard David Precht und Marina Weisband (sie hat ein präzises Gespür für die Notwendigkeit dieser praxisorientierten Vernunft) geht leider oft ins Leere. Weil der Populist im negativen Sinne bei Precht zu stark im Vordergrund steht. Dieses Gespräch schreit an einigen Stellen nach einem Diskurs und flacht immer wieder ab, weil Precht zu starr seine Themen durchzieht.

Wie wird es sein, wenn mehr Menschen sich mit dem philosophischen Inventar beschäftigen? Der Kommunikationswissenschaftler nennt so etwas eine „Shared Vision“. Was ist die Folge einer „Shared Vision“? – Der Realität wird die Komplexität genommen und vernünftiges, einsichtiges Handeln wird möglich.
Und zum Schluss: Was hat Gabriel mit Precht zu tun? Sie sind beide gemeinsam auf der Bestseller-Liste und sind populistisch. Diesmal meine ich populistisch wieder im besten Sinne. Ich würde die These vertreten, dass ein Interview zwischen Weisband und Gabriel ähnlich abgelaufen wäre … . Man kann an dem kommunikativen Teil sicher noch arbeiten.