ON Tour mit TORI AMOS – Die Konzerte in Frankfurt und in Brüssel

Mit dem neuen Studioalbum „Unrepentant Geraldines“ im Gepäck und treuen Fans, die sie seit mehr als zwanzig Jahren verehren und begleiten, ist die Ausnahmekünstlerin Tori Amos derzeit auf Tournee in Deutschland und in Europa. Kultur-Magazin Redakteur Marek Kubiniok – selbst ein großer Tori Amos Fan – hat zwei Konzerte der Sängerin besucht. Seine Begeisterung nach den Konzerten ist ansteckend – aber lesen Sie selbst …

Von Marek Kubiniok.

Marek Kubiniok – On Tour mit Tori Amos.

„Unrepentant Geraldines“

Tori Amos, eine der versiertesten und angesehensten Musikerin sowie Songwriterin der letzten 20 Jahre, ist dieses Jahr wieder auf Tour und hat dabei ihr brandneues Album „Unrepentant Geraldines“ präsentiert. Es ist mittlerweile das 14. Studio Album von Tori Amos und für einige Musikkenner „die Rückkehr zu Songs von ursprünglicher Schönheit“. Nach einer Reihe von klassisch inspirierten Musikprojekten in den letzten Jahren und ihrem ebenfalls sehr erfolgreichen Musical-Projekt „The Light Princess“ – das mit zahlreichen Awards ausgezeichnet wurde – hat Tori nun wieder ein Album herausgebracht, das an ihre Anfangszeiten anknüpft. Tori selber sagt zu ihrem neuen Album: »Ich habe diese Abzweigungen gebraucht, um wieder zu mir selbst zu finden« 

Die erste Singleauskopplung aus dem Album ist der Song „Trouble’s Lament“ und erhielt in der Musikszene nur positive Kritiken. „Unrepentant Geraldines“ wurde von der WiMP – Musikredaktion zum Album des Monat Mai gewählt und auch im Rest des World Wide Web liest man fast immer das gleiche über das aktuelle Album von Tori Amos „Tori Amos veröffentlicht mit »Unrepentant Geraldines ein nicht mehr erwartetes Meisterwerk – Die Luft der Lebensmitte“ heißt es bei den Kollegen von Stimme.de. „Großes Klang-Kino trotz kleinster Mittel“ sagt die Redaktion von Laut.de zu dem neuesten Werk von Tori Amos.
Für mich ist „Unrepentant Geraldines“ nicht nur das Album des Monats, sondern das Album des Jahres, denn Songs wie z. B. Wedding Day, Weather Man, 16 Shades of Blue  und vor vollem der Song „Promise, den Tori mit ihrer Tochter „Tash“ (Natashya Lórien Hawley) zusammen singt, machen dieses Album zu einem wahren Ohrenschmaus.

Die Setlist des Konzerts in Brüssel (c) Instagram
On Tour with Tori Amos

In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung antwortet Tori Amos auf die Frage mit wem oder welcher musikalischen Begleitung Sie dieses Jahr auf Tour unterwegs sein werde. „Nur ich komme. Und mein Klavier“ – diese Aussage hat die Vorfreude auf die bevorstehenden Konzerte natürlich noch mehr wachsen lassen.
Mein erstes Tori Amos Konzert auf der „Unrepentant Geraldines Tour 2014“ war in Frankfurt in der Jahrhunderthalle. Die Jahrhunderthalle war restlos ausverkauft und man hat schon im Foyer gespürt, das Zuschauer doch sehr gespannt auf diese Tour waren. 
Bei einem Kaffee an einem Stehtisch kam ich mit einem älteren Mann ins Gespräch und er verriet mir, dass er hier mit seiner Enkelin ist und beide schon seit Wochen diesem Konzert entgegen fiebern. Die Enkelin sagte dann ganz stolz, als sie ihrem „Opa“ in den Arm nahm: „Ich habe mal eine CD von Tori bei meinem Opa im Regal gefunden und seit je her kaufe ich mir jedes Album von ihr und heute gehen wir beide zum ersten Mal gemeinsam auf ein Konzert“.  
Allein mit ihrem Klavier – Tori Amos auf der Bühne
Punkt 20 Uhr ging das Licht aus im großen Konzertsaal und das Duett „Trevor Moss & Hannah-Lou“ stimmten die 2500 Zuschauer auf Tori ein. Passend zur diesjährigen Tour von Tori spielten beide nur auf klassischen Konzertgitarren sieben typisch englische Folk-Songs.
Dann war es so weit. Um 21 Uhr kam Tori auf die Bühne und begann ihren Song „Parasol“, während die Zuschauer noch lautstark applaudierten. Doch dies ändert sich abrupt nach den ersten gespielten Noten und die Zuschauer erstarrten förmlich und waren komplett auf Tori und ihrer Musik fixiert.
Diese Einfachheit – Tori allein mit ihrem Klavier auf der Bühne war und auch die Schlichtheit der Bühnenbeleuchtung (ein paar Spotlights und indirekte Beleuchtung) – gab dem Konzert einen ganz privaten Charme. Man hat das Gefühl gehabt, dass Tori in diesem Moment nur für jeden einzelnen singt und es hätte auch gut und gerne bei jedem einzelnen zu Hause im Wohnzimmer sein können. Tori hat es wirklich geschafft, das Publikum mitzunehmen, auf ihre ganz persönliche Reise.
Es war schlichtweg atemberaubend, wie Tori ihre Songs auf diese Art und Weise peformed hat. Dabei war es wirklich egal, ob es eine von ihren zahlreichen ruhigeren Balladen, oder ein „rockigeres“ Stück war, das Publikum war fest in ihrem Bann.
Das neue Album „Unrepentend Geraldines“ 
Als jedoch die ersten Klänge ihres Hits „Cornflake Girl“ aus ihrem Klavier ertönten, gab es kein Halten mehr und die Fans stürmten nach vorne an die Bühne. Ab da an wurde aus diesem sehr ruhigen Konzert eine wahre Tori Amos Party und Tori hat es förmlich genossen. Zum guten Schluss gab es noch ihre Songs „Precious Things“, „Hey Jupiter“ und „Personal Jesus“ (im Original von Depeche Mode).
Gespannt bin ich dann knapp zwei Wochen später nach Brüssel gefahren, um mir ein weiteres Konzert von TA anzuschauen. Wie auch schon in Frankfurt hat Tori mit ihrem Song „Parasol“ das Konzert begonnen und die Atmosphäre war identisch. Im „Cirque Royal“ hat Tori jedoch dann eine komplett andere Setliste präsentiert, als in Frankfurt. In Brüssel hat sich Tori den ruhigeren Stücken gewidmet, oder Songs so abgewandelt, dass sie zu ruhigen Stücken wurden. Es war erneut beeindruckend, wie Sie mich und die anderen Zuschauer mit dieser „Einfachheit“ ihrer Performance bildlich gefesselt hat.
Wie auch schon in Frankfurt stürmten die Fans wieder nach vorne an die Bühne, als die ersten Töne von „Conrflake Girl“ zu hören waren. Auch hier wurde dann die Tori Amos Party gefeiert. Tori spielte dieses Mal jedoch zum Schluss „Wedding Day“, „Take me with you“ und „Tear in your hand“.
Tori Amos hat wieder mal gezeigt und bewiesen, dass Sie zurecht zu den besten Live – Künstlern und Songwritern dieser Zeit gehört und das Sie jedes Mal aufs Neue ihre Fans verzaubern und begeistern kann. Die „Urepentant Geraldines Tour 2014“ hat mich vor allem so sehr beeindruckt, weil Tori Amos bei jedem Konzert eine komplett andere Setliste präsentiert und jedes Konzert somit zu einem einmaligen Erlebnis gemacht hat. 

Die Nymphe in der Nische

Eine kühle, blonde, nordische Schönheit. Weltgewandt und in sich ruhend. Das Piano erzählt Geschichten. Agnes Obel wird als Popsängerin charakterisiert – aber es gibt wohl kaum eine Künstlerin, die die Grenzen zwischen Pop und Klassik so zerfliessen lässt. Derzeit ist sie auf Welttournee. Ihr neues Album AVENTINE ist mehr als nur ein Achtungserfolg.

Von Peter Killert

Chopin und Debussy – das müssen ihre Vorbilder sein. Das Zarte, Zerbrechliche, mit dem Agnes Obel kokettieren muss, ist vielleicht ein wenig an Katie Melua angelehnt. Aber die Dänin, geboren 1980, ist sehr viel ernsthafter, sehr viel atmosphärischer als all die anderen Künstlerinnen, mit denen man sie vergleichen könnte. Alles ist sehr reduziert, sehr konzentriert. Am ehesten vielleicht wie Enya, wenn sie ganz ruhige Klänge in den Vordergrund bringt.

(c) wikipedia

Neben seichter Orchesterbegleitung ist das Piano das entscheidende Instrument. Es steht gleichberechtigt neben ihrer Stimme. So kann Obel manchmal die Melodie dominieren lassen und sich komplett zurücknehmen.

Davon lebt ihre Musik. Keine martialischen Sprünge, sondern dieses Wechselspiel zwischen sanftem Zurücknehmen und einem Aufbäumen ihrer Stimme. Weder ihre Stimme noch ihr Piano sind einzigartig. In Kombination jedoch stellt sie sich in die Nische – Agnes Obel mit ernsthafter Pop-Musik. Ernsthaft – ich möchte den Liebhaber klassischer Musik erleben, der dieser Künstlerin nichts abgewinnen kann. Sie war vermutlich schon als Kind das große Talent, dass sich schon damals geweigert hat, ein unendliches Repertoire an Klassik anzulernen – eigene Wege sind wichtiger. Sind immer wichtiger. Das ist gut so.

Die Schattenseite des Einzigartigen ist jedoch, dass sie in dieser Nische bleiben wird oder sich völlig grundlegend neu erfinden muss. Denn Agnes Obel wird man nur in ganz bestimmten Gemütslagen anhören. So wie Enya, so wie Katie Melua. Sehr schön. Wirklich sehr schön. Aber nicht immer zu gebrauchen. Eben doch keine Pop-Musik. Das muss ich mal bei wikipedia als Korrektur anregen. Wer hat das als Pop-Musik definiert?

Agnes Obel definiert Melancholie ganz neu. Ihre Musik ist ein wenig düster, träumerisch. Sie ist im besten Sinne einfach und gehaltvoll. Jeder Song ist eine neue Idee von Melancholie und schönste Untermalung zur Besinnlichkeit bei Kerzenlicht und Rotwein.

Das neue Album Aventine

Agnes Obel bei myspace

Offizielle Seite

DEPECHE MODE – DELTA MACHINE, Rezension.

Zum ersten Mal hatte ich Probleme mit meinem Nachbarn unter mir. Nein, der Herr ist nicht besonders empfindlich, sicher nicht. Es ist mein doch sehr basslastiger iPod Ghetto-Blaster, der die Wände wackeln lässt. Und es ist die basslastige DELTA MACHINE, das neue, 13. Studioalbum von Depeche Mode. Vollbepackt kam ich von meinem Urlaub wieder, an einem Samstagabend, ging mit Sack und Pack in den CD Laden kurz vor Ladenschluss und als ich zu Hause war, habe ich die Machine angeschmissen. Sonntagabend hatte mein Nachbar dann genug. Ich hatte Mitleid mit ihm. Aber – für DELTA MACHINE sollte man gute Kopfhörer haben.

Nach nun mehrmaligem Durchhören, auch als durchaus kritischer Fan (bei den beiden Vorgängeralben gab es schon einige Tracks, die man immer wieder „geskipped“ hat) kann ich sagen: Was für ein grandioses Meisterwerk!

Mit „Heaven“, der ersten Single, haben Depeche Mode ihrer Kritiker auf´s Glatteis geführt. Eine ganz ruhige Ballade, die einige sich erst „schönhören“ mussten, habe die „Richtung vorgegeben“. So Dave Gahan, der Sänger, in einem Interview. Und damit haben viele den Blues überinterpretiert. DELTA MACHINE soll elektronischer Blues sein. Da es bisher keine Band gibt, die so etwas definiert hat, konnte man erwarten, dass sich Depeche Mode etwas Besonderes haben einfallen lassen.

Haben sie – düster, sehr basslastig, es wummert und dröhnt überall. Im Gegensatz zu den letzten beiden Alben, ist hier die Dichte an potentiellen Depeche Mode Klassikern sehr hoch. Der Opener „Welcome To My World“ beginnt da, wo „Sounds Of The Universe“ aufgehört hat. Die Samples in diesem Song erinnern an den Song „Ghost“, der als Bonustrack vom letzten Album der eigentliche Favorit vieler Fans war. Dann die schon bekannten Tracks „Angel“ und „Heaven“. Aggressiver, rotziger Song mit ungewöhnlichem Tempowechsel trifft auch Melancholie pur. Und danach wird es spannend. Danach kommen die ganz neuen Songs, von denen erst eine Woche vor dem Release bei David Letterman einige gespielt wurden. Es beginnt mit „Secret To The End“. Depeche Mode bedienen sich zu Beginn bei Daft Punk – der Song hat einen melodischen, traumhaften Refrain. Weitere Highlights sind „Should Be Higher“ und der einzige von Martin Gore gesungene Song „The Child Inside“. Songs wie „Slow“ oder „My Little Universe“ polarisieren die Fangemeinde – für mich brauchen diese Songs etwas länger, bis sie gefallen.

Die absoluten Highlights sind „Broken“ und „Alone“. Beide Songs gehören zu dem allerbesten, was Depeche Mode je gemacht haben. „Broken“ zeigt beim Refrain einen Dave Gahan in Bestform. „Alone“ ist der fette Stampfer, der bei den Konzerten die Stadien erbeben lassen wird. Und am Ende ist sie dann da. Die Blues-Gitarre. Da vereinen sich Blues und Samples tatsächlich. „Goodbye“ ist hoffentlich keine Aussage, die die Zukunft der Band betrifft. Damit muss man bei Depeche Mode ja langsam rechnen.

Die Deluxe-Edition hat vier weitere Songs, passend in das Konzept der DELTA MACHINE. Highlight hier ist „All That´s Mine“, ach was sage ich – alle vier Songs sind Highlights.

DELTA MACHINE gehört zu den besten Depeche Mode Alben aller Zeiten. Wäre es das Album einer Newcomerband, dann wäre es ein Durchbruch – und selbst bei Depeche Mode eigenen Maßstäben hält es Vergleichen mit „Violator“ oder „Music For The Masses“ stand.