Archiv der Kategorie: Menschen

D.A. Pennebaker (1925-2019)

Einer der wichtigsten Dokumentarfilmer der Gegenwart ist im Alter von 94 Jahren am 1. August gestorben: Donn Alan Pennebaker. Schon seit den 50er Jahren war er im Filmgeschäft. Er hat die Kennedys porträtiert und für die wohl einflussreichsten Musiker-Dokumentationen der letzten Jahrzehnte gesorgt.

„Ich kannte nicht viel von Dylan“, hat er mal in einem Interview gesagt und drehte mit und über ihn im Jahr 1967 einen seiner wichtigsten Filme – „Don´t Look Back“. Er erweckt „Ziggy Stardust“ zum Leben, verewigt Jimi Hendrix, Suzanne Vega, Alice Cooper oder Jerry Lee Lewis. Auch mit Marius Müller Westernhagen hat er zusammen gearbeitet.

Eine der wohl bekanntesten von Pennebaker gedrehten Szenen

1988 bekommt er einen Anruf und wird gefragt, ob er einen Dokumentarfilm über Depeche Mode machen möchte – „Depeche Mode – Was ist das?“, soll er gefragt haben. Er dreht „101“ einen Dokumentarfilm, bei dem das Casting von Depeche Mode Fans gezeigt wird, die den Abschluss der „Music For The Masses“ Tour der Briten begleiten sollen. Der Dokumentarfilm selbst hat erst nach Jahren und einer Wiederveröffentlichung auf DVD echten Kultstatus erreicht – das gefilmte Konzert in der Pasadena Rose Bowl ist bis heute das größte Live-Highlight der Band.

Depeche Mode – Aus dem Film „101“ – Beginn des legendären Konzerts in der Pasadena Rose Bowl

In den letzten Jahren hat er einige seiner Filme neu aufgelegt und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Seit den 80er Jahren immer dabei – seine Ehefrau Chris Hegedus.

Nachruf bei den Kollegen von SPIEGEL.DE

Nachruf bei den Kollegen von ZEIT.DE

 

 

Erich Heeder – Collagen zwischen Alltag und Zeitgeist

Über den Hamburger Künstler Erich Heeder

Mit dem Start des Kultur-Magazins habe ich auch von Anfang an eine Rubrik eingeplant, die ich schlicht „Menschen“ nenne und denen Menschen ein Porträt bekommen. Weil Sie Künstler sind, Autorinnen und Autoren, Kulturmenschen als wahrhaftige Influencer.

Erich HeederJetzt ist das erste Porträt fertig. Und es gehört dem Hamburger Stadtteilkünstler Erich Heeder. Warum? Nun, er war der erste Künstler, der mich seit dem Start des Kultur-Magazins über Facebook kontaktiert hat. Er hat gleich mit seinen ersten Sätzen an mich eine wichtige Frage aufgeworfen – Wann ist ein Künstler ein Künstler? Gibt es das Vorurteil, das ein Künstler im Auge des Betrachters nur dann ein Künstler ist, wenn er Kunst studiert hat? Oder ist Kreativität nicht generell etwas, dass jedem Menschen eigen ist. Ich vermute, dass Erich Heeder mit dieser Frage als Autodidakt und als Stadtteilkünstler immer wieder konfrontiert ist. Obwohl die Antwort eindeutig ist. Erich Heeder ist ein Künstler – er malt, er schreibt, er macht Skulpturen und er engagiert sich. Er ist unter anderem der Initiator des Hamburger Obdachlosenmagazins „Hinz&Kunzt“.

Auf der Facebook Seite des Kultur-Magazins gibt es als Titelbild immer wieder Fotos mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten. Aktuell findet sich dort das Zitat: „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten. (Karl Kraus)“ – Erich Heeder macht darauf aufmerksam, dass die Schatten aber nicht kürzer werden sollten. Künstler werfen also Schatten und setzen gleichzeitig ihr Weltbild ins Licht. Erich Heeder zeigt das seit vielen Jahren in vielen Facetten, von denen einige exemplarisch besonders auffallen.

Er dokumentiert unter anderem eine Kunstform, die sich „De-Collage“ nennt. Dafür braucht man ein gewisses Gespür, das Kunstvolle im Alltag zu erkennen. Grundlage hierfür ist die Arbeit von Mimmo Rotella – er hat in den 50er Jahren in abgerissenen Plakaten eine Ästhetik entdeckt und diese als De-Collage zur Kunstform erhoben. Erich Heeder, der Rotella persönlich getroffen hat, erkennt diese Ästhetik ebenfalls und macht sie für uns sichtbar. Gehen wir im Alltag an solchen Perspektiven, ohne sie zur Kenntnis zu nehmen, vorbei, dann braucht es Künstler wie Heeder, die genau diesen Blick haben und die De-Collage einfangen.

 

Erich Heeder

Erich Heeder

 

Erich Heeder nutzt diesen Blick für das Wesentliche aber auch für den genau umgekehrten Weg. Er erschafft eigene Collagen, nicht selten mit einem durchaus zeitkritischen Kontext. Wie es sich gehört für einen Menschen, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Bekannte Musikcover werden in einem Werk namens „Music is Open“ collagiert oder die exorbitanten Kosten der Elbphilharmonie auf der Überholspur illustriert – selbst Trump taugt bei Heeder wenigstens als Teil eines Kunstwerkes. Mit viel Raum für die eigene Fantasie und für die Interpretation eines Betrachters. Kunst ist universell, sagt Erich Heeder.

 

Erich Heeder Erich Heeder

 

Es gibt noch viel mehr zu sehen. Ein Blick lohnt sich, Erich Heeder im Internet zu besuchen. Er hat eine eigene Homepage, mit vielen weiteren Informationen und auf seiner Facebook-Seite ist er stets präsent. Dort vereint er Kunst und Engagement.

Homepage von Erich Heeder

FacebookSeite von Erich Heeder

Alle hier verwendeten Fotos (c) Erich Heeder.