Archiv der Kategorie: Literatur

Das Treffen in Kierling

Die beiden Dichter sind sich, nach allem, was wir wissen, niemals begegnet. Da drängt sich die Frage auf, was wäre gewesen wenn?

Da ich im Moment wieder eine Phase habe, in der ich mich sehr mit meinem Lieblingsautor Franz Kafka beschäftige – insbesondere mit seiner letzten Lebensphase und seiner letzten großen Liebe namens Dora Diamant – war dieser literarische Kunstgriff eine solche Begegnung zu beschreiben, eine reizvolle Idee.

HP Lovecraft, der über seine Dichterkollegen von den fantastischen Geschichten eines gewissen Franz Kafka gehört hat, wird durch Übersetzungen einiger Texte des Dichters inspiriert und reist nach Prag. Dort lebt Kafka aber seit einiger Zeit nicht mehr – er kuriert eine Lungentuberkolose in einem Sanatorium in Wien aus. Lovecraft, der nicht weiß, wie schlimm es um seinen Kollegen steht, reist nach Kierling, um seinen Seelenverwandten zu treffen. Im Gepäck eine Geschichte mit dem Titel „Die Musik des Erich Zann“ – diese Geschichte ist die Schnittstelle der Seelenverwandtschaft der beiden …

Die Musik des Erich Zann“ gibt es wirklich und wer diese Geschichte liest, spürt das Kafkaeske.

Hier die Geschichte von mir gelesen. Für alle Freunde von Kafka und/oder Lovecraft.

Cthulhu – die Anfänge des Horror-Genre als Rollenspiel

Vielleicht ist es ein unbewusstes Verlangen, der stetig fortschreitenden fehlenden sozialen Bindungen in einer digitalen Welt Einhalt zu gebieten. Vielleicht sind es auch nur die Fans der Serien „Big Bang Theory“ oder „Stranger Things“. Pen & Paper Fantasy-Rollenspiele erleben ein Revival. Und eines hebt sich ganz besonders ab … .

Den Namen HP Lovecraft hatte ich hier und da schon einmal gelesen. Ich muss allerdings gestehen, dass mir der Autor bisher gänzlich unbekannt geblieben war. Das hat sich bei meinen Recherchen zu „Pen & Paper“ Rollenspielen jetzt ganz plötzlich geändert.
Ich bin ein Kind der 80er Jahren und habe ab 1985 bis zum Erreichen der Oberstufe auf dem Gymnasium wie viele andere Jungs „Das Schwarze Auge“ gespielt. Das war damals und ist bis heute, das in Deutschland am häufigsten gespielte Fantasy-Rollenspiele. Bei meinen Recherchen, 30 Jahre nach diesem jugendlichen Hobby, bin ich neben diesem Klassiker und den ebenfalls bedeutenden Spielen „Dungeon & Dragons“ und „Shadowrun“ auf ein Spiel gestoßen, dessen Namen ich bisher wohl eher als Rechtschreibfehler abgetan hatte. „Cthulhu“ ist mittlerweile auch ein Klassiker und es hat ein so ganz anderes Setting, verglichen mit den bereits genannten.

Der Name „Cthulhu“ stammt aus dem Titel der Kurzgeschichte „Call Of Cthulhu“ von HP Lovecraft. „Cthulhu“ ist ein Fantasiewesen, das zu den sogenannten „Großen Alten“ gehört. Das sind Wesen, die vor vielen Zeitaltern unsere Welt bevölkert und nebenbei die Grundlagen unserer Kultur erschaffen haben. Jetzt schlummern sie tief im Meer, unter dem ewigen Eis, in der Erdkruste oder in Gebirgen und warten darauf, dass die Sterne eine bestimmte Konstellation erreichen, damit sie wieder zum Leben erweckt werden. Bis dahin suchen sie einige ausgesuchte Menschen in ihren Träumen auf und bringen Sie an den Rand des Wahnsinns.

Cthulhu Grundregelwerk

Cthulhu Grundregelwerk

Diese Kurzgeschichte, die relativ bescheiden ist, setzt man sie in den Kontext des Gesamtwerkes von Lovecraft, ist aus zwei Gründen bemerkenswert: alle Geschichten und Romane von Lovecraft werden durch das Aufsuchen und Erleben fantasievoller Welten vereint. Sei es im Meer, unterirdische Zivilisationen oder die von Träumen geplagten scheinbar ganz normalen Menschen am Rande des Wahnsinns. „Call Of Cthulhu“ ist die Geschichte, die für diese einen roten Faden auslegt und eine Erklärung für den Aufbau dieser Fantasiewelt liefert. Der zweite Grund ist die Tatsache, dass diese Erklärung von anderen Autoren ausgeliehen wurde. Gut ein Dutzend Autoren werden zu den „Verwaltern“ dieses Mythos gezählt (u.a. der deutsche Autor Wolfgang Hohlbein). Man darf sagen, dass Lovecraft mit diesem Mythos die Grundlage für moderne Horrorliteratur gelegt hat. Genau hier setzt das Fantasy-Rollenspiel „Cthulhu“ an.

Die unaussprechlichen Kreaturen

Die unaussprechlichen Kreaturen

Die Spieler – bei Cthulhu werden sie „Investigatoren“ genannt – spielen einen Charakter in den 20 Jahren des letzten Jahrhunderts. Sie übernehmen Berufe wie Taxifahrer, Privatdetektiv, Parapsychloge oder Schriftsteller. Vom Spielleiter werden sie mit der mythologischen Welt von Lovecraft konfrontiert. Das Regelsystem ist dabei recht einfach zu erlernen und ist sehr gut erweiterbar. Bemerkenswert sind die mythologischen Ergänzungen und die dafür zur Verfügung stehenden Quellbände. Das „Bestimmungsbuch der unaussprechlichen Kreaturen“ ist wie Fachbuch für „Exobiologen“ aufgebaut. Dort werden die „Alten Großen“ samt ihrer Helferwesen erfasst und illustriert – der Mythos bekommt Methodik, fast schon akademisch. Künstlerisch brillant ist das sowieso. Zusammen mit der Einzigartigkeit der Fantasiewelt ergeben sich für den Spielleiter ungeahnte Möglichkeiten. Das liegt an der Ursprünglichkeit dieser Fantasie. Lovecraft ist der Grandfather of Horror. Möchte ein Filmregisseur den Horror perfekt inszenieren, so braucht er nur die passenden Bilder zu den beschreibenden Worten zu finden. HR Giger soll einmal gesagt haben, dass er das Alien nach den Beschreibungen von Cthulhu entworfen hat. Zumindest hat er das fiktive „Necronomicon“ – das ist das Buch über die Magie der „Alten Großen“ – illustriert. Das war ganz sicher eine bestimmende Inspirationsquelle. Und für einen Stephen King ist das Werk von Lovecraft der Heilige Gral.

Das Rollenspiel wird in Deutschland in Lizenz vom Pegasus Verlag vertrieben. Das Grundregelwerk ist in einem wunderbar gestaltetem Hardcoverband für 19,95 EUR zu haben. Ein Kampfpreis. bei dem man nichts falsch machen kann. Es ist damit das günstigste hochwertige Fantasierollenspiel am Markt.

 

Pen & Paper – Old School Revival

Ich habe ein altes Hobby wiederentdeckt. Dieses alte Hobby verbinde ich mit einiger Recherche und siehe da: Neue Welten tun sich auf und ich verstehe gar nicht, wie mir das entgehen konnte.

Die Rede ist von „Pen & Paper Fantasy-Rollenspielen“, die mich wie viele meiner Generation eindrücklich geprägt haben. Von ca. 1985 bis 1991 war dies meine Lieblingsfreizeitbeschäftigung. Da diese Spiele derzeit ein faszinierendes Revival erleben – das liegt an Serien wie „Big Bang Theory“ und „Stranger Things“, vielleicht auch an dem Wunsch nach mehr spielerischem, sozialen Miteinander – habe ich mich mal schlau gemacht: Eie ist eigentlich der aktuelle Stand bei diesen Spielen? Werden Sie überhaupt noch gespielt? Gibt es etwas grundlegend Neues? – Und ich habe mich für ein Spiel entschieden, dass ich demnächst sicher auch mal meinem Freundeskreis präsentieren werde …

Fantasy und Würfel

Die polyedrischen Würfel für das klassische Pen&Paper Rollenspiel

Zunächst: Was ist überhaupt ein „Pen & Paper“ Rollenspiel?
Bei einem „Pen & Paper“ Rollenspiel gibt es einen Spielleiter, der sich sehr viel Arbeit machen muss und sich die Regeln des gewählten Spieles aneignen muss. Er ist Spielleiter, letzte Instanz, aber vor allem ist er Regisseur und Erzähler. Die anderen sind die Spieler, die „Helden“ oder einfach die Charaktere. Jeder Spieler schlüpft in einen Charakter in dieser Fantasiewelt und steuert ihn- Entscheidungen werden von exotischen Würfeln oder vom Spielleiter geführt. Durch Kommunikation und verbale Interaktion meistern alle Spieler gemeinsam ein Abenteuer.

In Deutschland unangefochten: Das Schwarze Auge
Während in den USA und den meisten anderen Ländern nach wie vor der Klassiker „Dungeons & Dragons“ dominiert, ist in Deutschland „Das Schwarze Auge“, derzeit in der 5. Edition erhältlich, nach wie vor der Platzhirsch. Das Grundregelwerk gibt es als Taschenbuch, wie auch die ergänzenden Regelbücher. Verglichen mit der ersten Edition, die ich in der 80er Jahren gespielt habe, ist das Regelwerk deutlich komplexer. Die Welt des schwarzen Auges nennt sich „Aventurien“ und bedient sich Elementen aus der Welt von Tolkien ist aber ein Sammelsurium verschiedener weiterer Mythologien. So gibt es dort Götter, die an die römische Mythologie erinnern oder Wesen wie „Zyklopen“ aus der Griechischen Sagenwelt.
Erfinder des „Schwarzen Auges“ war der Autor Ulrich Kiesow. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden die anderen Kontinente auf der Welt „Dere“ entdeckt. Neben „Aventurien“ hat sich insbesondere „Myranor“ als geistiges Zentrum etabliert.

Das Schwarz Auge - Aktuelles Grundregelwerk

Das Schwarz Auge – Aktuelles Grundregelwerk & Bestiarium

Der Klassiker „Dungeons & Dragons“
„Dungeons & Dragons“ ist eines der ersten Rollenspiel gewesen. In meinem Geburtsjahr, 1974 das erste Mal erschienen, hält es sich bis heute als Referenzwerk für das Fantasy Rollenspiel. Die beiden erwähnten Serien haben auch genau dieses Rollenspiel als eines ihrer Leitmotive. Ab der Version 3.x des Spiels wurden die Regeln zum Teil in einer offenen Lizenz freigegeben. Das stark verbreitete „Pathfinder“ ist im Grunde ein Ableger von „Dungeons & Dragons“. Die derzeit erhältliche fünfte Edition ist extrem erfolgreich. Größtes Manko: Um das Spiel wirklich im vollen Umfang spielen zu können, sind mindestens drei Bücher als Regelwerke notwendig. Jedes davon kostet 50,- EUR und ist in der deutschen Übersetzung damit um einiges teurer, als das Original. Reizvoll ist jedoch das weitverbreitete Regelwerk, das man einerseits sehr „würfellastig“ spielen kann, dem Spielleiter andererseits auch einige Freiräume lässt. Das auf Tolkiens mystische Welt angelegte Rollenspiel „Der Eine Ring“ wurde mittlerweile als „Abenteuer in Mittelerde“ für D&D adaptiert – wer pure Tolkien-Fantasy möchte, die zwischen „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ angelegt ist, der wird nur hier fündig.

Das Vorbild für den Kult: Shadowrun
Das dritte große Rollenspiel hat einen Kultstatus. Nicht ohne Grund. „Shadowrun“ spielt in einer düsteren Zukunft, in einer dunklen von Großstädten dominierten Welt. Die Spieler sind „Shadowrunner“ und ihre Abenteuer sind das Erledigen von Aufträgen von Großkonzernen. Dabei leben sie in einer auf dem Neuromancer-Mythos basierenden Fantasiewelt – der Schöpfer dieses Hintergrunds ist der Autor William Gibson.
Kultstatus genießt dieses Spiel, da es auf zwei Ebenen spielt – der realen Welt und einer visuellen Welt, in die die Charaktere fliehen können. Diese Ebene trägt den Namen „Matrix“ – wir können also sicher sein, dass die Wachowski Brothers Sisters leidenschaftliche Shadowrunspieler sind oder zumindest waren.

Platz für Nischenprodukte
Speziell in Deutschland gibt es immer mal wieder kleinere Projekte bei Verlagen, die eine eigene Welt mitbringen. „Aborea“ zum Beispiel hat eine eigene Geschichte einer fiktiven Welt, mit einem wunderschön ausgearbeiteten Atlas – eine schier unerschöpfliche Quelle für Spielleiter. Eine andere Alternative nennt sich „Splittermond“ – hier gibt der zersplitterte Mond, der um den Planeten der Fantasiewelt kreist den Charakteren besondere Kräfte.

Ganz neu entdeckt: Cthulhu
Ich aber habe für mich jetzt „Cthulhu“ – dieses Spiel hat ein ganz anderes Setting. Es ist die eingangs erwähnte „Neue Welt“, die ich jetzt entdeckt habe, es transportiert den „Cthulhu-Mythos“, der zum größten Teil auf den Geschichten des Autor HP Lovecraft basiert, in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Spieler werden zu „Investigatoren“ und müssen während der Geschichte damit rechnen, ihre geistige Gesundheit einzubüßen – also der Charakter, den sie spielen. Ich bin echt erschlagen von den abgefahrenen Illustrationen in den vielen Begleitbüchern. Man könnte fast meinen, dieser Mythos sei für einige Menschen so real und dass sie sich so sehr mit diesen Regeln und Illustrationen identifizieren, dass das Hobby zum Lebensinhalt wird. Aber mehr dazu in einem in Kürze verfügbaren Artikel im Kultur-Magazin.

Cthulhu - Grundregelwerk

Cthulhu – Grundregelwerk

Pressemitteilung: PEN fordert Lesepakt

Zum Jahrestag der „Hamburger Erklärung“ am 15. August wiederholt der deutsche PEN die Forderung nach einem „Lesepakt“ und einem breiten gesellschaftlichen Bündnis vieler Akteure in Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Politik zur Förderung der Lesefähigkeit unserer Kinder.

Dass knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht so lesen kann, dass der Text zugleich auch verstanden wird, und dass Deutschland im internationalen Vergleich unter dem EU- wie auch dem OECD-Durchschnitt liegt, ist ein Skandal, der nicht hingenommen werden darf. Hier sind alle aufgerufen gegenzusteuern, denen die Zukunft unseres Landes und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft am Herzen liegen. Es gefährdet die Demokratie, wenn ein beträchtlicher Teil der Bürger nur noch unzureichend oder gar nicht mehr sinnentnehmend lesen und somit gar nicht oder nur unzureichend mitreden kann.

Ob eine Aktion wie die der Stiftung Lesen, die zum Weltkindertag am 20. September gemeinsam mit Amazon, Thalia und Hugendubel 1 Million Märchenbücher verschenken will, wirklich dem Ziel der Leseförderung dient, mag freilich bezweifelt werden.

Hierzu sagte PEN-Präsidentin Regula Venske, die zu den Erstunterzeichnerinnen der von PEN-Mitglied Kirsten Boie initiierten und am 15.8.2018 veröffentlichten „Hamburger Erklärung“ zählt und die Erklärung mit 110.000 weiteren Unterschriften gemeinsam mit Kirsten Boie sowie Vertretern des Börsenvereins des deutschen Buchhandels am 6.12.2018 in Berlin an Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und den Präsidenten der Kultusministerkonferenz überreichte:

„Wer ernsthaft Leseförderung betreiben will, muss die betroffenen Kinder und ihre Familien dort abholen, wo sie sind. Dazu ist viel Hingabe im Kleinen notwendig, in Kitas und Schulen, in Stadtteilbibliotheken oder Buchhandlungen in manchmal schwierigem Umfeld, die derzeit massiv gegen drohende Schließungen kämpfen müssen, nicht zuletzt dank der Konkurrenz der großen Akteure, mit denen die Stiftung Lesen jetzt kooperiert. Die Kollegin Kirsten Boie moniert zurecht, dass die kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen, die sich für Lesefeste und -nächte einsetzen, Vorlesewettbewerbe veranstalten und ein zielgerichtetes Angebot machen, mit dem sie die Kinder persönlich und altersgerecht ansprechen, in diese Aktion nicht einbezogen worden sind (siehe ZEIT vom 1.8.2019). So stellt sich die Aktion der Stiftung Lesen vor allem als PR- und Marketing-Aktion von Amazon, Hugendubel und Thalia dar. Es wäre besser gewesen, wenn die Stiftung Lesen und ihre Mitstreiter den Betrag, den sie für diese Aktion aufgewandt haben, solchen Projekten zur Verfügung gestellt hätten, die sich längst in der Leseförderung engagieren und denen es in der Regel an Geld fehlt! Und noch etwas: Dass der Etat für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2020 um 533 Millionen gekürzt werden soll und dass bis 2023 sogar ein Minus von 2,3 Milliarden Euro geplant wird, muss in diesem Zusammenhang hochgradig empören.“