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Kafka Zeichnungen

Die Zeichnungen von Franz Kafka

Kafka Zeichnungen
(c) C.H. Beck Verlag

Ein großer Aufkleber ist auf dem Buch angebracht: Weltsensation. Für Freunde des Schriftstellers Franz Kafka ist diese Bezeichnung keinesfalls übertrieben. Dieses wunderbar aufbereitete Buch umfasst mehr als 100 bisher unbekannte Zeichnungen von Kafka und ist damit die dokumentarische Aufbereitung des Nachlasses, der aus einem Bankschliessfach stammte und der israelischen Nationalbibliothek zuerkannt wurde (ich hatte darüber in diesem und in diesem Artikel berichtet).

Bisher waren die Zeichnungen nur rudimentär bekannt. Erst die Erschliessung des wahrscheinlich letzten Teils des Nachlasses von Kafka, hat diese Komplettfassung erst möglich gemacht.

Mehr als nur Kritzeleien

Kafka selbst nannte seine zeichnerischen Versuche „Kritzeleien“ und wollte sie – gemeinsam mit seinen Manuskripten – vernichtet wissen. Wir wissen aber, dass sein Freund Max Brod diesem Wunsch nicht nachgekommen ist. Und mit der Öffnung des Schliessfaches sind jetzt auch große Teile dieses zeichnerischen Werkes zugänglich.

War Kafka nun ein ebenso begnadeter Zeichner wie Autor? Nein, ganz sicher nicht. Die eigene Einschätzung, die Zeichnungen als Versuche und Kritzeleien zu sehen, ist richtig und stimmig. Wäre Kafka nicht so ein bedeutender Autor und würde sich daraus nicht ein interessanter Kontext ergeben, dann wären die Kritzeleien tatsächlich nicht mehr, als eben solche – aber so ergeben sich schöne, neue Einblicke in das Kafkaeske.

Da wir ja alle darauf hoffen, dass man irgendwo doch noch etwas Unentdecktes zu Kafka findet, ist alles Neue mehr als nur ein Vorbote auf eine vielleicht unerfüllte Hoffnung auf unentdeckte Manuskripte.

Kafka Zeichnungen
Klicken Sie auf das Bild, um mehr Infos zu erhalten – Screenshot der Verlagsseite C.H. Beck

Das Buch zeigt aber nicht nur die „neuen“ Zeichnungen – es vereint alle bekannten Zeichnungen. Also auch die, die Max Brod bereits zu seinen Lebzeiten noch ausgewählt hatte und die zum Beispiel die Cover der Fischer Taschenbuch-Reihe in den 90er Jahren zierten. Wr erfahren, dass Brod diese Zeichnungen zum Teil aus größeren Blättern „ausgeschnitten“ hatte – mit dem neuen Fund werden diese Ausschnitte nun in einen größeren Kontext gestellt.

Manchmal zeigt sich das Talent

Ab und an schimmert dann aber doch das zeichnerische Talent durch. Denn Kern der neuen Zeichnungen ist ein Zeichnungsheft, in dem Kafka auch seine vielleicht etwas ernsthafteren Versuche dokumentiert hat. Da werden einige Selbstporträts oder ein Porträt des Gesichtes der Mutter doch recht filigran.

Der Aufmach des Buches und seine Struktur sind exzellent. Die Zeichnungen stehen zunächst für sich und sind nummeriert. So stehen die Zeichnungen zunächst einfach nur für sich. Einige Zeichnungen sind Teil von längeren Essays, die Aufschluss über die Herkunft und den Hintergrund geben. Aufgeteilt ist das Buch in Kapitel, die unter anderem das „neue“ Zeichnungsheft, einzelne Blätter oder begleitende Zeichnungen, wie etwa im Tagebuch oder auf Postkarten, gruppieren. Die Zeichnungen werden in einem beschreibenden Werkverzeichnis im Anhang erläutert – da erfahren wir dann auch mehr über das Material und die Hintergründe. Kafka hat manchmal nur einzelnen Seiten oder auch auf Packpapier etwas skizziert.

Die begleitenden Texte ordnen die Zeichnungen recht gut ein. Wir erfahren, dass sich Kafka schon sehr früh für die Kunst interessiert hat und immer wieder Vorlesungen und Vorträge zur Kunst besucht hat. Inspiriert wurde er dabei von seinem engsten Freundeskreis.

Franz Kafka war sicher kein begnadeter Zeichner. Das unterscheidet ihn z.B. von einem Günter Grass, der sein Spätwerk immer mehr auch selbst illustriert hat. Dennoch zeigt sich auch in diesen Zeichnungen ein ganz eigener Stil, etwas Unverkennbares, etwas, dass auch die innerliche Klarheit einer doch sehr neurotischen Person wie Kafka widerspiegelt. Das ist eigentlich ein Widerspruch. Und es ist der Widerspruch, der Germanisten seit Jahrzehnten fasziniert. Jetzt haben wir auch eine illustrierende Komponente, in der sich jeder Freund dieser Literatur finden kann. Für Kafka-Fans ist dieser fantastische Bildband ein absolutes „Must-Have“ 🙂

Kommt denn da noch mehr? Gibt es noch weitere unentdeckte Schätze zu diesem Schriftsteller? Es ist sehr unwahrscheinlich, aber es besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass in dem von der Gestapo geraubten Besitz der letzten Lebensgefährtin Dora Diamant noch Mansukripte vorhanden sind. Wenn, dann nur in den riesigen Mengen an noch unerschlossenen Maeterialien im Bundesarchiv. Wenn es da noch etwas gibt, dann wird nur der Zufall dabei helfen, was zu finden.

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Aus aktuellem Anlass muss ich den Spieß umdrehen. Diesmal geht es nicht um eine Coverversion eines Depeche Mode Songs, sondern um die Coverversion von Depeche Mode zu anderen Künstlern.

Auf der letzten Tournee gehörte ein tolles Cover von „Heroes“ als Anerkennung von David Bowie zum Programm. Bowie hatte einen enormen EInfluss auf Depeche Mode, insbesondere auf den Sänger Dave Gahan.

30 Jahre ist jetzt der Release des Black Albums von Metallica her. Am Freitag wurde eine remasterte Deluxe-Version des Album veröffentlicht. Neben vielen Live- und Demoversionen, die die Entwicklung der Songs illustrieren, gibt es auch Tribute Versionen von anderen Künstlern als Verbeugung vor Metallica.

Dave Gahan von Depeche Mode hat seinen Beitrag dazu geleistet und den Klassiker „Nothing Else Matters“ interpretiert.

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Das zweite Depeche Mode Cover Video in dieser Serie ist in vielerlei Hinsicht sehr interessant. Die Band ist hier in Deutschland recht unbekannt, aber in ihrem Heimatland, in Norwegen, dagegen sehr populär. Nachfolgendes Video zeigt die Band „Röyksopp“ bei einem Auftritt in einer norwegischen Musiksendung, vielleicht vergleichbar mit unserer „Hitparade“.

Der Song, den sie von Depeche Mode gecovert haben, ist ein Klassiker – aber nur für echte Depeche Mode Fans. Ein sehr schöner Song, eine tolle Melodie, ein schöner Refrain, der aber nie in den Radios lief. Denn „Ice Machine“ ist die B-Seite der ersten Depeche Mode Single aus dem Jahr 1981 „Dreaming Of Me“ – Autor ist nicht Mastermind Martin Gore, sondern Vince Clarke, der Gründer von Depeche Mode, der bereits 1981 ausgestiegen war und die Bands Yazoo und Erasure gegründet hat.

No Man´s Sky

Ich bin mit Computerspielen aufgewachsen. Wenn man in den 1970er Jahren geboren ist, dann hat man alle bisher interessanten Entwicklungen selbst miterlebt.

Aber nur alle paar Jahre gibt es mal ein echtes Highlight. Man erkennt diese Highlights besonders in einem Rückblick, wenn selbst nach Jahren stetiger Verbesserung von Grafik und Spielumfang die einfache Idee zeitlos im Gedächnis bleibt.

Weiterentwicklungen führen auch zur Bildung ganz neuer Genres. Strategiespiele, Shooter und – seit einigen Jahren ganz hoch im Kurs – Survival-Spiele.

Und je älter man wird, desto schwerer wird es, einen alten Nerd noch so richtig zu begeistern. Man ist teilweise wirklich schon zu alt, um das komplexe Handling einiger Spiele noch erlernen zu können. So ist es also auch für mich überraschend, dass es dann doch ein Spiel gibt, dass mich richtig fesselt und das nicht nur in in meinen wöchentlichen Online-Sessions fasziniert. Dieses Spiel heisst „No Man´s Sky“ und spielt in einer ganz eigenen Liga. Es gibt einige Spiele, die einen ähnlichen Anspruch haben – „No Man´s Sky“ ist aber einzigartig.

Das Spiel ist bereits 2016 erschienen und wurde durch einen mehrjährigen Vorlauf bereits vor Erscheinen gehyped (hier ein Video aus 2014, mit Sean Murray in dem der Macher des Spiels die Technologie dahinter erklärt) – das Spiel konnte aufgrund der hohen Erwartungen nur scheitern. Genau das passierte dann auch 2016. Die Kritiken waren vernichtend.

Was waren die Erwartungen? Nun, die Macher versprachen ein Open-World Spiel im Weltraum mit acht Trillionen(!) durch KI genierte, frei erkundbare Planeten mit immer wieder neu genierten Lebenwesen und Landschaften – strategische Handelssimulation wie einst beim Klassiker „Elite“, Shooter und Survival Game inklusive. 2016 waren davon bestenfalls Ansätze erkennbar. Die Spieler waren enttäuscht und wandten sich ab.

Das ist jetzt fünf Jahre her – seitdem hat es 21 Updates des Spiels gegeben. Sechs davon haben das Spielprinzip fundamental ergänzt und ausgebaut. Zuletzt die Inhaltergänzung „Origins“ und das grafische Update „Prisms“. Diese Updates waren alle kostenfrei. Das Ergebnis ist phänomenal. Die Screenshots in diesem Artikel stammen übrigens alle aus meinem aktuellen Spielstand – die Vielfalt, die sie suggerieren entspricht der Vielfalt in No Man´s Sky.

Es ist tatsächlich so, dass der Spieler in einem gigantischen Universum unterwegs ist. Vorab wird der Spielmodus eingestellt. Neben dem „normalen Modus“, bei dem zunächst grundlegende Ressourcen erschlossen werden müssen, gibt es auch den grandiosen „Kreativmodus“ – hier kann man sich komplett auf die Erkundung der Planeten konzentrieren ohne sich über das Überleben Gedanken machen zu müssen.

Im Anflug auf einen neuen Planeten

Die Planeten können paradiesisch, zugefroren, nuklear verseucht oder tektonisch instabil sein. Die zugehörigen Monde ebenfalls – aber alles lässt sich dank Exo-Anzug erkunden und wird in Echtzeit beim Überflug, der Erkundung zu Fuß oder im Exofahrzeug inspiziert. Hat man eine passende Stelle gefunden, kann man dort eine Basis bauen. Die vorgefertigten Bauteile dazu erlauben höchste Kreativität. Fangemeinden haben auf Planeten schon ganze Städte gebaut.

Eine Basis auf einem Berg errichtet
Blick in den Niemandshimmel zur Basis auf dem Nachbarplaneten

Hat man irgendwann alle Komponenten für einen Hyperantrieb des Raumschiffs zusammen, dann erkundet man einfach die nächsten Planeten. Man warpt einfach in das nächste Sonnensystem. Die vielfältigen Möglichkeiten, sich durch das Spiel zu bewegen, werden im Spiel selbst angeleitet – baue ich die nächste Basis oder suche ich nach den Hintergründen des empfangenen Notrufs? Oder springe ich zur nächsten Raumstation und versuche, mein Ansehen durch Handel aufzubauen oder kaufe ich mir ein organisches Raumschiff? Wie komme ich in den Nexus, dem Zentrum der Galaxie und was habe ich für Möglichkeiten in der Weltraumanomalie?

Zum Entspannen kann ich auch jederzeit meinen Lieblingsplaneten weiter kartographieren, ihn nach neuen, unglaublich fantasievollen Lebewesen absuchen, denen ich meine ganz eigenen Namen geben kann. Oder ich baue eine gigantische Untersee-Station in einem der Ozeane der Planeten. Damit alles was davon haben, kann ich meine Erkenntnisse und meine Basen in das No Man´s Sky Netzwerk hochladen.

Um in dieser gigantischen Welt an Orte zu gelangen, die andere Mitspieler oder Communities bereits erforscht und für besonders sehenswert deklariert haben, ist die erste große Herausforderung über Artefakte, Monolithen und Glyphen ein Portal zu aktivieren, in dem eine Kombination der Glyphen eingegeben werden kann, um sich dorthin zu teleportieren. Um diesen Spielstand zu erreichen, müssen bereits einige Spielstunden investiert worden sein.

Zu weit entfernen Stellen reisen – das geht nur über Portale

Die Adresse für die No Man´s Sky Portale gibt es auf vielen Community-Seiten. Auch die eigene Position kann über ein solches Portal ermittelt werden. Auf der Homepage von No Man´s Sky kann man diese Position in die Galaxy Map eingeben.

Meine Reise zum Mittelpunkt der Galaxie hat gerade erst begonnen

Fazit: No Man´s Sky ist das ultimative Spiel. Obwohl dieser Artikel recht lang ist, habe ich viele Aspekte noch gar nicht erwähnt. Das Spiel ist unglaublich abwechslungs- und umfangreich. Schaut man sich dann noch die vielen Videos auf Youtube von anderen Spielern an und schaut sich deren Planeten und Basen an, dann wird das Spiel zum Zeitfresser – aber zu einem, bei dem man nicht das Gefühl hat, seine Zeit mit Quatsch verbracht zu haben.