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Über die Herrlichkeit des Lebens

Ich weiß einiges über Franz Kafka. Meine literarische Erweckung eines jungen Dichters geschah mit der Lektüre von „Die Verwandlung“ Anfang der 90er Jahre. Es folgten die Lektüre weiterer Werke wie „Der Process“ und schließlich die Beschäftigung mit dem Drumherum, Kafkas Tagebücher oder Briefe oder die Biografie eines Max Brod.

Aber es kommen immer wieder weitere spannende Erkenntnisse hinzu, wie etwa die Freigabe des Hoffe/Brod Nachlasses an die Nationalbibliothek in Tel Aviv oder die dreiteilige Monster-Biografie von Reiner Stach.

KKafkasLetzteLiebeathi Diamant aber, fügt dieser Masse an Informationen mit ihrem Buch ein grandioses, für das Verständnis von Kafka vielleicht entscheidendes Element bei. Zunächst wollte die Autorin – animiert durch einen Lehrer, der sie auf die Namensgleichheit zu Kafkas letzter Liebe aufmerksam gemacht hatte – nur den Namen recherchieren. Dann aber vergräbt sich die Autorin in diese Recherche und liefert eine chronologische, spannende Geschichte der letzten elf Lebensmonate von Franz Kafka. Und alles, was danach im Leben der Dora Diamant passierte. Die Biografie von Dora Diamant nährt bis heute die Hoffnung, dass es da immer noch unentdeckte Texte von Kafka geben könnte.

Zunächst ist da aber erstmal die erste Begegnung, 1923 in Müritz an der Ostsee. Die 25jährige Dora Diamant, Köchin und Kindergärtnerin, trifft dort den eloquenten, hageren Franz Kafka, der dort mit der Familie seiner Schwester Ottla Urlaub macht. Kafka ist bereits schwer gezeichnet von der Tuberkulose und auch sein Schreiben scheint brach zu liegen.

Kafka ist schwer beeindruckt von Dora Diamant. Die ist von ihrem jüdisch-fanatischen Elternhaus geflohen, träumt davon, Schauspielerin zu werden, und schlägt sich durch – allein und voller Tatendrang. Dieser Tatendrang überträgt sich sofort auf Franz Kafka, der entgegen aller Ängste und Unschlüssigkeit in der Vergangenheit, seine Heimatstadt Prag verlässt, um mit Dora in Berlin in wilder Ehe zu leben. Letzteres ist vermutlich ohne gesellschaftlichen Anstoß zu nehmen eben nur im Berlin der 1920er Jahre möglich, wird aber durch die Krankheit Kafkas und Hyperinflation einer maroden Wirtschaft erschwert. Die beiden wechseln mehrfach die Wohnung, immer der sozialen Not geschuldet und wie es die sporadische Sendung von wertvollen Kronen aus Prag aus der Pension Kafkas als stabilerer Währung, zulässt.



Kafka blüht auf. Es entstehen unter anderem die Erzählungen „Der Bau“ und „Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse“ – aber das Schicksal ist bereits besiegelt. Kafka ist todkrank und die beide müssen ihre gemeinsame Wohnung aufgeben. Kafka liegt zunächst einige Tage in einem großen Saal eines Wiener Krankenhauses und erlebt dort das Sterben anderer, die auch an der Tuberkulose leiden. Dora Diamant holt ihn da raus und zieht mit ihm in ein Sanatorium nach Kierling, in der Nähe von Wien – die letzte Station im Leben von Franz Kafka.

Dora Diamant schafft es, alle skeptischen Freunde und die Familie von Kafka für sich zu gewinnen. Kafkas Schwester Ottla schließt sie sofort in ihr Herz, Max Brod erkennt, wie wichtig diese Frau für seinen besten Freund ist und später ist es auch Julie Kafka, die Mutter, die sie vollends akzeptiert. Alle sind so sehr von dem anrührenden Wesen der liebenden jungen Frau eingenommen, dass sie schnell die Klischees vergessen. Nachdem Kafka in den Armen von Dora Diamant gestorben war und viele Menschen glaubten, wie nun mit Trauer und Beerdigung zu verfahren sei, schreibt Kafkas Vater in einem kurzen Telegramm nur: „Dora entscheidet“ und kommt allen Diskussionen zuvor. Das ist insofern bemerkenswert, als das das Verhältnis von Kafka zu seinem Vater – gelinde gesagt – immer schwierig gewesen war. Zusammen mit dem Leichnam reist Dora Diamant nach Prag und bricht während der Beerdigung an Kafkas Grab weinend zusammen. Und auch dort ist sie alleine, denn die Etikette verbietet, dass sich jemand ihr annimmt.

Es folgt der zweite Teil im Leben der Dora Diamant, die das private Glück später noch einmal findet. Sie wird die Ehefrau eines Kommunisten und muss gegen schlimmste Repressalien, bis hin zu Folter bestehen. Als die Gestapo eines Tages die Wohnung durchsucht, beschlagnahmt sie alle zu vorhandenen Dokumente – darunter sieben Notizhefte Kafkas mit bis heute unbekannten Texten. Nach dem 2. Weltkrieg gehen diese Dokumente zunächst in die Sowjetunion, kommen dann aber vermutlich zurück in die DDR und könnten – vielleicht – jetzt in den noch längst nicht katalogisierten und digitalisierten Bundesarchiven schlummern. Viele haben schon versucht, diese Texte zu finden – bisher erfolglos.

Dieses Buch von Kathi Diamant ist – obwohl es nur aus Aneinanderreihungen zahlloser bereits bekannter Quelle, wie Briefen, Aufzeichnungen, Tagebucheinträgen besteht – spannend zu lesen. Man erlebt den Verfall Kafkas mit, man erkennt das Nicht-Aufgeben-Wollen, die Hingabe zweier Liebenden und den Zynismus eines bösen Schicksals, welches nach der endlich gefundenen, großen Liebe nur den Tod bereithält.
Reiner Stach – es gibt vermutlich niemanden, der mehr über Kafka weiß – hat das Vorwort zu diesem Buch geschrieben. Und es reiht sich nahtlos in die Kapitel seiner Kafka-Biografie ein. Kathi Diamant ist Initiatorin des Kafka-Projects, welches sich der Suche nach verschollenen Kafka-Manuskripten verschrieben hat. Wenn Entdeckungen zu erwarten sind, dann vermutlich über diese Schiene.

 

Interview mit Kathi Diamant

 

Die Herrlichkeit des Lebens

Naheliegend ist daher, diese letzten elf Lebensmonate Kafkas und seine Liebe zu Dora auch prosaisch als Erzählung aufzubereiten. Das weckt natürlich extrem hohe Erwartungen an Kafka-Enthusiasten. Dieser Aufgabe hat sich Michael Kumpfmüller verschrieben – liest man die Rezensionen zu dieser Umsetzung mit dem vielversprechenden Namen „Die Herrlichkeit des Lebens“, dann werden diese Erwartungen noch gesteigert. Daran scheitert dieses Buch – nein, nicht das Buch, sondern die Erwartungen bringen es quasi zum Scheitern. Zumindest für mich. Obwohl alles in dem Buch stimmig ist, die Abläufe, die Anekdoten, die Konstellationen. Etwa als Kafka im Park einem kleinen Mädchen begegnet, das weint, weil es seine Puppe verloren hat und Kafka dem Kind erklärt, dass die Puppe nur verreist ist und zum Beweis dem Kind über mehrere Tage hinweg erfundene Briefe, die die Puppe an ihn geschrieben hat, vorliest – es passt alles und doch passt nichts zusammen.

Die Erwartungen ergeben sich einfach aus den bereits bekannten Fakten und der Prüfung, wie der Autor das wohl umgesetzt haben mag. So gehen für einen vorbelasteten Leser alle Spannungsmomente verloren. Die Herrlichkeit des Lebens, die natürlich in der Geschichte steckt und auch in der Sprache von Kumpfmüller ihren Ausdruck findet, verliert sich in dieser Erwartungshaltung. Ich muss also dringend dazu raten: Lesen Sie bitte das Buch von Kumpfmüller zuerst und beschäftigen sich dann mit der ebenso spannungsgeladenen Biografie von Kathi Diamant. Wenn Sie dann noch mehr Infos benötigen lassen sie sich abschließend von Reiner Stach ernüchtern. Nur das ist die korrekte Reihenfolge. Ich hatte quasi mit dem Nachtisch begonnen.

Und wenn Sie einen gänzlich neuen, aber komplett fiktiven Aspekt auf die letzten Wochen im Leben Kafkas haben möchten, erlauben Sie mit bitte die Anmaßung, auf einen meiner eigenen Texte zu verweisen: Das Treffen in Kierling beschreibt die fiktive Begegnung zwischen Franz Kafka und HP Lovecraft.

Kultur. Nutzerzahlen. Werbung. Teufelskreis?

Wer in den letzten Wochen das Kultur-Magazin verfolgt hat, der hat gesehen, dass sich dort einiges getan hat. Eigentlich ist so eine Seite ständig in Bearbeitung und nie ganz fertig. Man kommt aber irgendwann an einen Punkt, wo es nicht mehr um die Funktionen der Seite geht, sondern wo man sich nur noch um die Inhalte zu kümmern beginnt.

Ich habe meinen MAC reaktiviert. Dort gibt es einen externen Editor, der perfekt geeignet ist, um von überall offline Artikel zu schreiben, um sie dann automatisch hochzuladen. Alle Inhalte, die keine Artikel und keine Seiten in WordPress sind – zum Beispiel die vielen Infos in der Sidebar rechts – habe ich als als separate HTML Dateien ausgelagert, die ich mal eben ganz schnell editieren und aktualisieren kann. Für alle, die eine Möglichkeit suchen, einen HTML Inhalt von einer anderen Seite per Javascript in eine bestehende Seite zu laden – so geht’s. Einfach an die eigenen Gegebenheiten anpassen. jQuery Einbindung ist die Voraussetzung:

<script>
jQuery(function(){
jQuery(„#inhalt“).load(„https://www.meineseite.de/ExternerInhalt.html“);
});
</script>
<div id=“inhalt“></div>

Ich habe auch zum ersten Mal Werbung gemacht. Also richtig Werbung, in dem ich einen Beitrag auf Facebook „beworben“ habe. Das ist im Prinzip ganz einfach. Man nimmt einen Facebook-Beitrag – in meinem Fall ein Artikel, in dem ich auf die Funktionen zum Mitmachen hingewiesen habe – und sagt Facebook, dass er bei mehreren tausend Menschen als gesponserter Beitrag in deren Timeline erscheinen soll. Das Besondere: man definiert eine Zielgruppe, was in meinem Fall kulturinteressierte Menschen, insbesondere Künstler, Autoren, Selfpublisher sind. Der Post selber ist unaufdringlich, denn es geht mir tatsächlich nur darum, das Kultur-Magazin bekannter zu machen. Man gibt Facebook außerdem ein Budget und einen Zeitraum vor. Ich habe meine Seite zwei Wochen lang beworben und insgesamt 30,- ausgegeben. Da Facebook mit Instagram verbandelt ist, wird auch dort geworben. Das Ergebnis ist annehmbar. Es gibt tatsächlich eine ganze Menge neue Likes, neue Kontakte und es werden bisher unbekannte Personen auf das Kultur-Magazin aufmerksam. Diesen Beitrag habe ich für die Promotion genutzt:

FacebookPromotionJuli2019 1

Die Ergebnisse sind OK – was bei Ausgaben für Werbung immer ein „haptisches“ Problem ist: man hat hinterher nichts in der Hand. Man gibt Geld für etwas aus, das keinen direkten Nutzen zeigt.

FacebookPromotionJuli2019 2

Ich denke, dass ich solche Werbemaßnahmen wiederholen muß. Dann auch mal mit Google Ads.

Eine viel größere Baustelle ergibt sich aber derzeit aus den Rankingergebnissen meiner Artikel bei Google. Ich bearbeite jeden Artikel mit SEO Keywords, über die sich meine Artikel finden lassen sollen. Das fruchtet leider im Moment noch gar nicht. Der Ablauf ist relativ simpel. Nachdem der Artikel geschrieben wurde, wird über ein in WordPress integriertes SEO Tool (SEO = Search Engine Optimization) die Bearbeitung der Keywords und der Suchphrasen verfeinert. Diese sind dann wiederum Teil der Sitemap Files, die man über die Google Konsolen einreichen kann und die Google in regelmäßigen Abständen abruft und indexiert. So entstehen Google Einträge. Suche ich jedoch einen Artikel probehalber mit den Keywords ab, dann finde ich kein akzeptables Ranking. Beispiel: Mein Artikel über die Mondlandung vor zwei Wochen sollte über „Mondlandung“ und „Linksammlung“ als Stichworte auffindbar sein. Nach 15 Seiten in den Google-Ergebnissen habe ich die Suche aufgegeben.

Mir ist schon klar, dass eine Seite ohne Reputation keine Top-Ergebnisse von heute auf morgen erzielt, aber ich habe im Grunde überhaupt keine vernünftigen Ergebnisse abrufen können. Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren mit dem Artikel über die Camus Biographie von Iris Radisch auf Anhieb unter den ersten drei Ergebnissen in der Google Suche aufgetaucht bin. Was letztendlich ausschlaggebend ist, kann niemand mit Gewissheit sagen.



Meine Vermutung ist, dass meine neu gestartete Seite als eine Art Copy/Paste Crossposting wahrgenommen wird. Google meint, dass diese Inhalte nicht neu sind (was für meine alten Artikel auch stimmt) und setzt das Ranking dementsprechend. Ich muss da mal genauer nachforschen.

Eine weitere große Baustelle ist das Thema Werbung und Werbeanzeigen. Nach Monaten hat Google jetzt meine Seite für Google AdSense aktiviert. Das ist ein geniales Tool, um an den bekannten Stellen auf einer Seite Werbeanzeigen zu platzieren. Damit diese aber auch Traffic generieren, müssen die Besucher meiner Seite die Werbeanzeigen auch sehen und im besten Fall auch auf sie klicken. Das erreicht man, in dem man auf die Deaktivierung eines AdBlockers hinweist. Jetzt kam heute indirekt eine erste Rückmeldung, die sinngemäß lautete: Neue Seite und schon mit Werbung vollgestopft – keine Bereitschaft den AdBlocker abzustellen. Da ich meinen AdBlocker-Hinweis so eingestellt habe, dass er ein Betrachten meiner Seite ohne Deaktivierung des AdBlocker nichts zulässt, gehen möglicherweise viele Menschen gar nicht auf meine Seite. Sie sehen gar nicht, wie dezent die Werbung ist. Ich habe jetzt, um dem entgegenzuwirken, den Hinweis jetzt nicht „absolut“ eingestellt – er kann weggeklickt werden und die Seite erscheint dann ohne Werbung. Natürlich wäre auch naheliegend, einen AdBlocker für den Anfang komplett zu zulassen. Das habe ich aber kategorisch ausgeschlossen. Erst ohne Werbung die Besucher anlocken, um sie dann später mit Werbung zu vergraulen – das ist ein noch schlechterer Weg. Man kann nur auf die Einsicht hoffen, dass so eine Seite ohne Werbung auf lange Sicht nicht bestehen kann. Da ich ja selbst auch einfacher Internetnutzer bin und zum Beispiel diverse Tageszeitungen konsumiere, ist der Umgang mit dem AdBlocker aus meiner Sicht jetzt viel pragmatischer. Die Umsonstkultur zwingt Seitenbetreiber und Kunden zu einem bedachten Einsatz der AdBlocker. Verständnis ist hier das Wichtigste.

Trotz dieser Widrigkeiten: die Richtung stimmt. Ich freue mich sehr über die Zahl meiner Nutzer und weiterhin über eine geringe Absprungrate. Wenn ein Nutzer auf www.kultur-magazin.de ist, dann ist er gekommen, um zu bleiben.

EntwicklungJuli2019

Herzzeit

Ich hatte es in meinem Post zu meinen Urlaubsvorbereitungen schon erwähnt. In meinen Best-Of Ranglisten der schönsten Bücher, insbesondere im Bereich Zeitgeschichte, gibt es einen neuen Favoriten. Bisher war der Briefwechsel zwischen Franz Kafka und seiner Geliebten Felice und der Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem Verlobten Fritz Hartnagel ganz oben in meiner Liste.

Ein Buch, dass schon vor einigen Jahren erschienen ist, aber jetzt erst von mir wahrgenommen wurde, hat diese beiden Bücher von den ersten Plätzen verdrängt. Denn was kann schon anderes als Weltliteratur herauskommen, wenn die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin der Nachkriegszeit mit einem der wichtigsten deutschsprachigen Lyriker (männlich) nicht nur einen poetisch-intellektuellen Briefwechsel hat, sondern darüber hinaus auch eine Liebesbeziehung. Gemeint sind Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Ingeborg Bachmann ist vermutlich jedem ein Begriff – geboren 1926 in Klagenfurt, gestorben 1973 in Rom unter tragischen Umständen.

Paul Celan wird im Deutschunterricht vor allem wegen einem Gedicht herangezogen: Die Todesfuge. Dieses Gedicht war die passende Antwort auf das Diktum von Theodor Adorno, der gesagt hatte, nach Ausschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, da ein Gedicht an sich Ästhetik verkörpert und es keine Form von Literatur gäbe, welche dem Grauen von Auschwitz gerecht werden könnte. Paul Celan hat dies mit der Todesfuge wiederlegt. Allerdings sollte man Paul Celan nicht nur auf dieses eine Gedicht reduzieren. Sein lyrisches Werk ist weit umfangreicher und in seinem Stil absolut unverkennbar.

Die Liebesbeziehung zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann beginnt 1948 und wird Ende der 50er Jahre wiederaufgefrischt. Endgültig endet sie wohl erst mit dem Tod Paul Celans im Jahr 1970. Wer nun glaubt, die beiden paraphrasieren diese Liebe mit Worten für Blumenwiesen, der irrt gewaltig. Ingeborg Bachmann war keineswegs eine Frau, die nur intellektuelle Beziehungen zu Männer gesucht hätte. Wer zwischen den Zeilen liest erkennt genau, dass Ingeborg Bachmann immer wieder Männerbekanntschaften pflegte. Mit Paul Celan verbindet sie darüber hinaus wesentlich mehr. Er ist einer der wenigen Männer, der jenseits allem Körperlichem das Sinnliche und das Geistige in ihr anspricht. Genau das ist aber auch der Grund, für das Scheitern der Beziehung. Sie nehmen sich gegenseitig die Luft zum Atmen. Ausschlaggebend für die Distanz zwischen beiden ist vor allem ein fehlendes Verständnis von Bachmann gegenüber den Depressionen, die Paul Celan wohl sein Leben lang geplagt haben mussten. Celan hatte beide Eltern in einem Konzentrationslager verloren und litt sehr unter den Erfahrungen, die er hat machen müssen. Bachmann, die damals wie vermutlich die meisten Menschen kurz nach dem Krieg die Tragweite des Leides gar nicht richtig begreifen konnte, wirft Celan immer wieder vor, dass er sich zu sehr in dieses Leid hineinbegibt und sich als leidend darstelle.

Eine wesentliche Rolle spielt auch der Dichter Max Frisch, mit dem Ingeborg Bachmann später ebenfalls eine Beziehung hatte und der in den in diesem Band ebenfalls dargestellten Briefen an Celan recht unverblümt eine fehlende Kritikfähigkeit Celans attestiert. Celan, der nach dem Krieg und seiner Flucht aus einem rumänischen Arbeitslager, als staatenloser Jude galt, sieht sich bei jeder Art von Kritik einem latenten antisemitischen „objektiven Dämon“ ausgesetzt. Die persönlichen Treffen, die in den Briefen abgesprochen sind, sowie die verschiedenen Versionen eines Briefes zeugen von dem Ringen um nuancierte Ausdrücke, die letztendlich aber nicht zu einem gegenseitigen Verständnis führen.

Das beeindruckende an diesem Briefwechsel ist nicht unbedingt sein lyrischer Gehalt. Es ist vor allem die literaturhistorische Bedeutung, die speziell Paul Celan in einem anderen Licht darstellt. Celan war ein völlig entwurzelter Mensch und seine einzigartige lyrische Begabung hat ihm nicht den Halt gebracht, den er sich selbst gewünscht hätte. Erst im Nachhinein, unter Berücksichtigung seines tragischen Todes 1970, wird diese Entwurzelung deutlich. Der Gesamtkontext war für die Akteure nicht greifbar. Sensible Menschen haben ein Radar für andere sensible Menschen – sie gänzlich zu erfassen gelingt aber so gut wie nie. Dieser Briefwechsel trägt dazu bei und ist ein ganz großes Mosaiksteinchen für alle Menschen, die sich für die beginnende Aufarbeitung nach der Stunde Null im literarischen Deutschland interessieren. Ein unterhaltsames, mitreißendes Zeitdokument.

House of Cards – Vienna

Derzeit läuft die 4. Staffel von “House Of Cards” bei Amazon Prime/Netflix. Jede Woche eine neue Folge. Abgesehen davon, dass die Serie immer besser wird hat, mich schon immer der Vorspann mit seinen Timelapse-Aufnahmen fasziniert. Zusammen mit der bekannten Titelmelodie trägt dieser Vorspann zu einem hohen Wiedererkennungswert der Serie bei.

Eine österreichische Filmproduktionsfirma hat diesen Vorspann 1:1 adaptiert und statt mit Timelapse-Aufnahmen aus Washington mit passenden Aufnahmen aus Wien versehen. Das Ergebnis ist verblüffend und echt sehenswert:

In einem weiteren Video werden die Sequenzen direkt gegenübergestellt. Hier sieht man noch deutlicher wie gekonnt und präzise die Adaption der Österreicher gewesen ist:

Die Macher des Videos: http://filmspektakel.at/en/