Archiv der Kategorie: Historisch

50 Jahre „DalliDalli“

Heute vor 50 Jahren lief die erste Ausgabe der Quizsendung „DalliDalli“ im Fernsehen. Ich durfte, als ich noch ganz klein war, immer bis zu „Dalli-Klick“ aufbleiben und mitraten. Ein ähnliches Ritual gab es dann später auch bei „Der Große Preis“ – wenn Wum und Wendelin in der Sendung gewesen waren, musste ich ins Bett 🙂

Hier die erste Dalli-Dalli Sendung auf YouTube:

Perseverance

Corona überlagert alle Nachrichten. Dabei gab es letzte Woche – ich war live dabei, als die NASA die entscheidenden Minuten gestreamt hat – eine tolle Nachricht von der NASA. Wieder ist ein MARS-Rover auf unserem Nachbarplaneten gelandet. Spektakulär war dabei die Landung selbst, bei der in der dünnen Mars-Atmosphäre Bremsraketen und Fallschirme eingesetzt wurden. Eine Technik, die in dieser Form das erste Mal genutzt wurde. Jetzt wurde ein Video dieser Landung veröffentlicht. Nein, das ist keine Animation. Ja, das wurde nicht auf diesem Planeten aufgenommen. Hier die Landung von Perseverance:

Raketen zukünftiger Marsmissionen müssen übrigens wegen diese dünnen Atmosphäre senkrecht landen. Da diese Option auch auf der Erde genutzt werden kann – Raketenteile werden dadurch wieder verwendbar – hat SpaceX 2018 dazu die Schlüsseltechnologie geschaffen, so dass bereits jetzt in dieser Hinsicht eine Marslandung möglich wäre.

Dieses Video zeigt nicht nur den erfolgreichen Start einer Falcon Heavy, sondern vor allem, ab etwa Minute 3:00, die Rückkehr und die punktgenaue Landung der Boosterraketen. Man könnte denken, dass ist das Video eines Raketenstartes, zusammengeschnitten und rückwärts abgespielt – dem ist aber nicht so. Natürlich wird hier in diesem Video Elon Musk und SpaceX gefeiert. Auch wenn das im Grunde ein Werbevideo ist, so ist dieser technologische Meilenstein noch gar nicht richtig bei uns angekommen. Wir haben ja derzeit andere Sorgen. Umso leichter kann man sich für so etwas begeistern.

 

www.nasa.gov

1918 – Die Welt im Fieber / Eine Rezension nach einem Jahr Corona

Corona ist das bestimmende Thema der letzten Monate. Viele Biografien wird man einteilen in ein „Vor“ und ein „Nach“ Corona. Dabei ist eine Pandemie in diesem Ausmaß nicht neu. Von 1918 bis 1920 wütete auf der ganzen Welt die sogenannte „Spanische Grippe“ – das vermutlich folgenreichste Ereignis der Menschheitsgeschichte.

Das Buch von Laura Spinney ist bereits 2018 erschienen. Also vor Corona. Und es ist jetzt wieder auf allen Bestsellerlisten zu finden. Sein Untertitel „Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte“ zeigt die Intention der Autorin. Es ist kein Buch, welches die medizinischen Hintergründe beleuchtet, sondern es geht um die Auswirkungen auf die Gesellschaft und ihren Umgang mit so einem Ereignis. Dabei lässt sich schon während der Lektüre – jetzt mit den Erfahrungen von einem Jahr Corona – sehr genau darstellen, was wir gelernt haben und was nicht.

Zunächst muss gesagt werden, dass der Name „Spanische Grippe“ irreführend ist. Der Erreger stammt vermutlich aus Nordamerika – den Namen bekam die Pandemie, weil sie in Spanien das erste Mal in Erscheinung trat. Die Opferzahlen schwanken zwischen 50-100 Millionen Menschen innerhalb von 18 Monaten in drei Wellen. Die erste Welle betraf hauptsächlich ältere Menschen. Nach einer Mutation des Influenza Virus war die zweite Welle extrem tödlich und betraf hauptsächlich Menschen zwischen 20 und 45 Jahren. Wichtig ist anzumerken, dass die Spanische Grippe tatsächlich eine klassische Grippe war, ausgelöst durch den Influenza Virus. Das Corona Virus hat – auch wenn die Symptome ähnlich sind – keine Gemeinsamkeiten mit dem Influenza Virus.

Laura Spinney beschreibt in ihrem Buch zunächst, dass Pandemien kein neuartiges Phänomen sind. Schon in Aufzeichnungen aus dem Altertum wird von Pandemien berichtet, die regelmäßig ganze Regionen beinahe entvölkerten und die sich in ihrem todbringenden Ablauf immer ähnlich waren. In einer vernetzten Welt jedoch, können wir sehenden Auges in eine Pandemie geraten und Maßnahmen treffen. Genau das ist im letzten Jahr passiert.

 

Als ein Blogger in Wuhan im Januar 2020 ein Video veröffentlichte, in dem sich Leichen in sogenannten Bodybags stapelten und nebenan ein großer Saal mit schwerkranken Menschen zu sehen war, da erinnerte diese Szene an Schwarz/Weiß Bilder aus 1918. Kranke Menschen werden in improvisierte Krankenlager angeliefert, vegetieren vor sich hin und werden in Akkordarbeit „entsorgt“, wenn sie den Virus nicht besiegen konnten.

Spanische Grippe - Verlauf in drei Wellen

Spanische Grippe – Verlauf in drei Wellen
Quelle: Courtesy of the National Museum of Health and Medicine

Laura Spinney beschreibt eindrucksvoll – und ich betone nochmal, dass dieses Buch vor Corona 2018 erschienen ist – wie die Konflikte, Gedanken und Maßnahmen in der Gesellschaft schon damals von Leugnern, Skeptikern und Ignoranten untersetzt waren. Die Länder, die keine Maßnahmen einführten, hatten Todeszahlen zu verkraften, die teilweise gar nicht dokumentiert werden konnten. Beispielsweise hat die Regierung des damaligen Brasilien die Grippe als Krankheit von Minderheiten abgetan. Das Ergebnis war, das jeden Morgen tausenden Leichen an den Straßenrändern lagen, von städtischen Pferdekutschen, der damaligen Müllabfuhr, eingeladen und entsorgt, zumeist direkt verbrannt wurden.

Spanische Grippe Krankenlager

Spanische Grippe – Krankenlager
Quelle (Image: courtesy of the National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., United States.) – Pandemic Influenza: The Inside Story. Nicholls H, PLoS Biology Vol. 4/2/2006, e50

Andere Länder hingegen ergriffen radikale Maßnahmen, die wir heute als Lockdown bezeichnen, inklusive Kontaktverboten und Schulschließungen. Und als man beispielsweise in Boston bemerkte, dass eine Verordnung zum Tragen von Alltagsmasken Sinn macht, da sie die Ansteckungen massiv reduzierte, kam diese Einschätzung zu spät. Die zweite Welle hatte bereits tausende Opfer gefordert.

Haben wir also aus diesen Erfahrungen gelernt? Man könnte meinen, dass sei nicht der Fall, da die gleiche Ignoranz bei den sogenannten „Querdenkern“ immer noch vorherrscht. Die Opferzahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Bisher lässt sich Corona mit der Spanischen Grippe in einem Faktor gut vergleichen: der sogenannte „Letalitätsfaktor“ ist ähnlich hoch. Wegen der fehlenden statischen Daten schätzt man ihn bei der Spanischen Grippe auf 5-10%. Bei Corona kann man von einem ähnlichen Wert ausgehen – der Faktor schwankt zwischen 2,5% und bis zu 22% in extrem betroffenen Regionen. Noch befinden wir uns mitten in der Pandemie und wir können diesen Faktor noch nicht abschließend bewerten – aber nehmen wir an, dass dieser Faktor ähnlich ist. Das bedeutet, dass zwischen 5 und 10 Menschen von 100, die an dem Virus erkranken, an diesem sterben. Rechnet man das hoch, dann können solche Pandemien die Todesursache von 1% der Weltbevölkerung sein. Davon sind wir – so schlimm die Todeszahlen bei Corona auch sind – weit entfernt. Und das liegt nicht daran, dass Corona harmlos ist, sondern weil wir irgendwie wohl doch aus dem Ereignis vor 100 Jahren gelernt haben. Die dann  doch fehlende Erkenntnis einiger Menschen basiert auf einem sogenannten „Präventionsparadox„.

1% – das wären weltweit 85 Millionen Opfer. In Deutschland 800.000 oder in den USA 2 Millionen Menschen … .

Lustiger provinzieller Schafscheiß – Eine Anekdote

In meinen Texten habe ich schon einige Male Eindrücke aus meiner Kindheit und Jugend eingebracht. Genauer: Das Leben in einer einfachen Genossenschaftssiedlung / einem Arbeiterviertel in tiefster rheinischer Provinz. Unter anderem in meiner Geschichte „Kleiner Geist im toten Winkel“ heißt es : „Die Mehrfamilienhäuser, zweistöckig oder dreistöckig, mit vier oder sechs Familien, drei Zimmer, Küche und Bad, alle abgehend von einem Flur, alles genormt. Heute ist diese Genossenschaftssiedlung immer kurz davor, Sinnbild einer Gettoisierung zu werden.“

Es war ganz sicher nicht alles schlecht. Es gab sowas wie eine Gemeinschaft, eine völlig aufgelöste Anonymität. Ich kann heute noch sagen, in welchem Hauseingang welche Kinder gelebt haben – irgendjemand war immer da, um die Teppichklopfstangen als Fußballtore zu missbrauchen.

1995 – ich hatte gerade meine erste eigene Wohnung bezogen und habe das nicht mehr ´live´ erlebt – muss diese Hausgemeinschaft, in der meine Eltern fast 50 Jahre verbracht haben, einen Knacks bekommen haben. Eine junge, zugezogene Familie wurde Zielscheibe der Gemeinschaft. Nach diversen Beschwerden (die Schrauben an der Papiertonne, von denen sie gleich lesen werden, kann ich nicht erklären) wollte die Genossenschaft eine Stellungnahme des Beschuldigten (nachfolgend Familie „K“) zu den Begebenheiten, maßgeblich vorgetragen durch Familie „L“, einem älteren Ehepaar in direkter Nachbarschaft. Zwar leben viele der Protagonisten nicht mehr – ich mache die Namen dennoch unkenntlich.

Zunächst die Anfrage der Genossenschaft:

Anekdote Oberlar

Vermutlich hat „K“ meinen Vater um Unterstützung gebeten. Wahrscheinlich, weil er sich bisher neutral verhalten hatte und sich erhofft hatte, einen Verbündeten zu finden. So hat mein Vater die Stellungnahme  übernommen. Und das ist wirklich witzig:

AnekdoteOberlarAnekdoteOberlar

Für mich hat diese Anekdote einen Mehrwert – ich kannte die Menschen, die sich hier in der Wolle hatten. Die lauten Arien von „L“ waren tatsächlich durch das ganze Haus zu hören. Und dieser kleinkarierte Scheiß – Fenster auf, Fenster zu – ist so typisch für manche Menschen. Es wirkt aber wie lustiger Weckruf aus längst vergangenen Zeiten.

Wenn ich das mit der weniger offenen Art und Weise vergleiche, in der manche Menschen heute ihre Konflikte führen, mit dieser gehässigen Art, deren tiefe Verachtung erst zum Vorschein kommt, wenn man darüber nachdenkt, welche Gedanken manche Menschen haben müssen, um zu so einem Verhalten, zu solchen Äußerungen fähig zu sein – nun, dann wirkt diese Anekdote nicht mehr lächerlich, sondern lässt einen wünschen, alsbald wieder solche Problemchen haben zu wollen. Nicht wahr?