Archiv der Kategorie: Geschichten

Glück wartet in einem Labyrinth

Eine ganz abstrakte Variante einer alten Parabel.

Man geht ja im Allgemeinen davon aus, dass entweder alles was passiert auf dem freien individuellen Willen eines Menschen basiert. Oder alles ist vorherbestimmt – der freie Wille wäre dann nur eine Illusion. Wie wichtig diese Frage ist zeigt sich, wenn Konflikte ausbrechen. Wer an einen höheren Sinn und vorgegebene Bestimmung glaubt, kann Menschen, die sich auf ihren Verstand verlassen, nur Ungläubigkeit zusprechen. Selbst dann, wenn der Verstand selbst und die Fähigkeit des eigenem Handelns in seinem Ursprung kein Zufall sind – selbst dann, wenn es im Sinne eines Schöpfer gerade nicht seine Bestimmung ist, die uns definiert, sondern er unsere Identität im freien Willen verborgen hat. Eigenes Handeln wiederum ohne einen wie auch immer gearteten Kontext wahrzunehmen, ist Nährboden für Narzismus und Egoismus. Es ist leicht einzusehen, dass diese Egozentrik in unserem Kulturkreis dominiert.

Kann es auch etwas dazwischen geben? Natürlich. Es ist die individuelle Autonomie welche nur zulassen muss, dass das Streben nach Glück auch individuelles Glück für jeden bereithält. Stellen sie sich das Leben als Videospiel vor. Sie steuern sich, die Hauptfigur, durch ein Labyrinth. Oben, in der entgegen gesetzten Ecke zum aktuellen Standort, wartet ein Bonus, ein Stückchen Glück. Und auf welchem Weg auch immer, egal, welche Hindernisse dort sind – ohne irgendwo wartendes, vorhandenes Glück, als eine große Portion oder viele kleine Häppchen auf dem Weg, wäre das ganze Spiel in sich unlogisch, völlig unnütz. Das Bild also, dass wir wählen, um einen Zweck zu illustrieren, birgt in sich selbst schon seine Bestimmung. Sonst wäre es kein Bild. Dabei ist es unerheblich, welches Bild wir wählen.

Selbst das Bild eines Labyrinthes als Selbstzweck, um der banalen Erkenntnis „der Weg ist das Ziel“ einen anständigen Anstrich zu verleihen, hat einen Sinn – gerade und besonders dann, wenn wir uns die Verortung von Glück in einem Labyrinth ohne Wände vorstellen. Ein Labyrinth ohne Wände ist ein Ausgang, ist ein Eingang, ist ein Bild als Selbstzweck. Ein Labyrinth ohne Wände – ist das Unsinn? Ein Bild ohne Farbe – macht das Sinn?

Was immer man auch antworten mag – hüten sie sich davor, ihre eigene Suche nach Glück in einem Labyrinth zu verorten. Nur weil sie mal gegen eine Wand gelaufen sind. Nur weil gerade mal ein bisschen die Orientierung fehlt … .

Leben außerhalb der Nussschale

Dieses kleine Böötchen liegt vor Anker nahe dem Fährhafen vor Wittdün. Ich habe nie einen Menschen dort gesehen, der in dieses Böötchen eingestiegen ist. Es liegt dort einfach, alle sechs Stunden auf festem Grund und wenn die Flut wiederkommt schwebt es über die kleinen oder großen Wellen.


Irgendjemand hat es dort festgemacht – das ist meine feste Überzeugung – um mir, dem ständig auf die Insel wiederkehrenden Dorfpoeten, ein Motiv zu geben. Nun Fremder, wer immer Du auch bist, hier ist das, was Du an Eingebung bewirkt hast. Eine Eingebung, die sich an meine Leitmotive anschmiegt wie Wellen an eine Nussschale.


Leben außerhalb der Nussschale

Einfach einsteigen. Und davonfahren. Wenn genug Wasser vorhanden ist.
Ein Traum. Gegossen in die Form einer Nussschale, welche auf Anker gelegt ist und die Gezeiten ihr Spiel treiben lässt.

Und da kommt er wieder, um die Ecke, nach dem er einmal die ganze Insel umrundet hat. Ein Dorfpoet, der seine Gedanken in eine Nussschale legen kann und dem dort alle Richtungen auf dem unendlichen Ozean der unendlichen Möglichkeiten offenstehen – er bleibt auf der Insel. Er fährt nicht fort. Den Gedanken zu entkommen – was eh niemals gelingen kann – ist nicht Sinn und Zweck einer Nussschale.

Mit ihr aber werden aus lyrischen Bildern reale Bilder. Ozean. Horizonte. Schwimmen lernen. Bilder, die eingefangen etwas sagen. Eine Nussschale provoziert die Eingebung.
Der Sinn und Zweck einer Nussschale ist es, eine Nussschale zu sein. Etwas, das einen Kern umgibt. Etwas, das sich zur Flucht anbietet. Etwas, das einen Dorfpoeten überleben lässt.

Der Ozean wird dann wieder zu einem See aus Eigentümlichkeit. Der See zu einem Rinnsal letzter Schwermut. Und am Ende bleibt, was bleiben muss. Der Mensch. Ein Regentropfen. Alles in Allem. Eben Leben außerhalb der Nussschale.

GIF it to me – Neues von der Bloggerin

Menschen entwickeln sich und die Techniken, wie sie sich der Welt mitteilen, weiter. So auch die Bloggerin, die ich vor einigen Monaten schon einmal entlarvt habe. Das Positive vorweg: Die Bloggerin hat sich weiter entwickelt. Negativ: in keine wirkliche Richtung, wie bei allen Entwicklungen zuvor. Das ist etwas, was einfach dem Zeitgeist geschuldet ist. Sie hat wieder die halbe Welt bereist. Wenn sie überall auf der Welt gleichzeitig sein könnte, sie wäre es.

Sie vermeidet es tunlichst, auf ihre Männer einzugehen. Wenn ich mal ihren latenten Zwangs zu „Erleben“ und nicht nur zu „leben“ als unabänderliche Gegebenheit hinnehme und 90% der Männer, über die sie immer nur beiläufig schreibt, weglasse, so komme ich doch auf mindestens sechs Männer in den letzten fünf Monaten. Hündinnen sind läufig. Sie ist beiläufig.

Damit kein Mißverständnis entsteht: es ist völlig OK, wenn sich eine Frau so verhält, wie es Männer seit Jahrhunderten tun. Scheiß auf die Monogamie. Aber bei ihr ist es so furchtbar… beiläufig. Schlimmer noch. Diese Beiläufigkeit ist ein Stilmittel.

Natürlich ist sie nicht bei Facebook. Natürlich nicht bei Google. Sie ist bei tumblr – solange es noch hip ist. Bei tumblr ist ein Stilmittel das animierte GIF, das von seinen Usern gepostet wurde. GIF bedeutet „Graphic Interchange Format“ und wurde Ende der 80er Jahre von Compuserve entwickelt. Das Format kann 256 Farben und Transparenz dastellen. Man kann es außerdem in Einzelbilder aufteilen, so daß kleine, speicherschonende Animationen entstehen – ein Witz im Zeitalter von YouTube. Aber, es ist ein Trend. Jenseits des Mainstreams. Beiläufig. Die Bloggerin ist dabei. Ein re-animiertes(!) GrafikFormat.

Es gibt noch einen weiteren Trend. Sie will die Grammatik neu definieren und lässt das Subjekt in nahezu jedem Satz weg. Sie lebt ja nicht. Sie erlebt. Sie klammert sich aus und reiht ihre Erlebnisse aneinander. Der Blog verkommt zum Protokoll. Und durch die Aneinanderreihung von Bildern (und animierten GIFs) glaubt sie, einen Stil gefunden zu haben. Ein monatsübergreifender Blogeintrag von einer ihrer Reisen klingt dann etwa so:

Keinen Badeanzug getragen. Die Nächte waren Tage. Glühwürmchen im Sommerhimmel. Frische Erdbeeren auf meiner Waffel. Mich auf einen Freund gefreut und ihn dann vergessen. Am Bahnhof gesessen und die Verspätung des Zuges gar nicht mitbekommen. Vormittags im Bett SEINFELD, die erste Staffel angeschaut. usw. usw.

Dinge, die normale Menschen ab und an erleben. Alle paar Jahre mal. Und Banalitäten. Und überraschende Implikationen von Ignoranz, von eigener, im Kontext des ständigen Erlebens verblüffend plausibler Egozentrik.

Das ist ganz arm. Ich bin mir sicher: diese Bloggerin sitzt zu Hause. So wie einst Whoopie Goldberg in „The Telephone (1988)“. Sie telefoniert, transportiert ihre Welt nach außen, in unzähligen Gesprächen, der Zuschauer wird unterhalten und am Ende stellt sich heraus, dass der Telefonanschluss seit Wochen abgeschaltet ist. Sie lebt in ihrer eigenen Welt. Alleine. Ganz alleine. So wie meine Bloggerin. Das Schlimme daran: sie ist noch das Kreativste, das Faszinierendste, was es an weiblichen Wortführerinnen im Internet gibt.

Die Bloggerin macht es wie Whoopi Goldberg. Internet statt Telefon. Sie klumpt sich ihre Eindrücke aus den Erfahrungen anderer zusammen und vermittelt nach außen den Eindruck eines ereignisreichen Daseins. Das sieht man immer häufiger. Frauen, die einem Stereotyp entsprechen wollen. Oder – und darin unterscheidet sich die Bloggerin von diesen Frauen auch qualitativ ein wenig – die alles dafür tun, nicht stereotyp sein zu wollen. Bis hin zum Selbstbetrug. Was mag aus so einer Frau werden, wenn sie stereotype, konservative Werte verinnerlichen muss, weil ihre biologische Bestimmung es verlangt? Vielleicht erleben wir das ja eines Tages. Ich verfolge sie weiterhin, die Bloggerin, und lasse die Welt wissen, wenn sie über ihren ersten positiven Schwangerschaftstest bloggt. Ich schreibe es bei tumblr. Vielleicht finde ich ein passendes GIF.

Der Weg des Elefanten durch das Nadelöhr

Als kreativer Dorfpoet habe ich mir die Freiheit genommen, das Kamel durch einen Elefanten zu ersetzen. Klotzen statt kleckern. Der Elefant ist mir sympathischer und das Kamel fordert wegen seiner Höcker immer zu tiefergehenden Analogien auf, die mir nur selten einfallen wollen. Dorfpoet halt.

Ein Sprichwort besagt, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr ginge, als dass ein bestimmtes Ereignis einträte oder sich ein Mensch zu einer bestimmten Tat aufraffen könne. Allein um meiner Einschätzung, dass dies nicht immer der Wahrheit entspricht, das nötige Gewicht zu verleihen (im wahrsten Sinne des Wortes), ersetze ich das Kamel durch einen Elefanten. Wenn schon, denn schon … .

Zunächst einmal kommt es weder auf den Elefanten noch auf das Nadelöhr an. Und schon gar nicht auf die Absurdität, beides wie auch immer miteinander kombinieren zu wollen. Soll der Elefant durch das Nadelöhr passen, dann kommt es auf den Weg des Elefanten, den er einschlägt, an. Und außerdem … es gibt ja für alles Regeln und Normen. Wie groß aber ein Nadelöhr überhaupt sein darf, dazu sind mir keine Definitionen bekannt.

Kommt man darüber hinaus nach dieser gewichtigen Modifikation – Elefant statt Kamel – eines an Absurdität nicht zu überbietenden Sprichwortes womöglich dazu, einen gemeinen Elefanten mal nach seiner Befindlichkeit in Bezug auf diese Änderung zu befragen, so wird man vermutlich gleich mehrere gewichtige Statements bekommen.

Wie man denn überhaupt dazu käme, ihm eine solche Bürde aufzuerlegen. Er habe doch gerade erst bewiesen, dass er im Porzellanladen ganz gut zurechtgekommen sei. Er habe schließlich gezeigt, dass es für den Elefanten im Porzellanladen nur auf eine ausdauernde Geduld ankomme. Auf nichts anderes. Vorsicht vielleicht auch. Vorsicht aber, ist nur der kleine Bruder der Geduld.

Überhaupt solle man erstmal das Kamel in den Porzellanladen schicken, anstatt einen Elefanten durch das Nadelöhr. Aber ein richtig stolzer Elefant würde vermutlich sowieso ordentlich hinterfragen, was der ganze Unsinn, denn überhaupt soll. Ob man sich keine besseren Geschichten ins Blogs ausdenken könne. Ob man wirklich Kamele und Elefanten derart intellektuell missbrauchen müsse.

Und ein noch größerer, noch stolzerer Elefant, hat längst den Rüssel voll von diesem metaphorischen Müll. Er wird gar nichts dazu sagen. Eine Safari nach der anderen – und wetten, sie bekomme kein einziges Statement? Es geht sogar das Gerücht um, dass Elefanten von Porzellanläden und Nadelöhren noch nie etwas gehört haben. Aber, das ist nur ein Gerücht. Auch Kamelen sagt man das nach. Ein Kamel soll neulich sehr unwissend geschaut haben, als man ihm ein Nadelöhr vor die Nase gehalten hat.

Es ist überhaupt nicht gut, wie wir Menschen diese animalischen Analogien ziehen. Besonders schlimm wird es, wenn wir persönlich werden, physikalisch, biologisch … Schmetterlinge im Bauch, Hummeln im Arsch oder Läuse, die unablässig über Lebern laufen. Vom „Vogel haben“ oder „´nen Affen kriegen“ ganz zu schweigen. Und das harte Los der großen Säugetiere wiegt da besonders schwer.

Also, Schluss damit – Den Weg des Elefanten durch das Nadelöhr gibt es nicht. Es gibt auch keine Kamele in Porzellanläden. Und wissen sie was? Auch wenn sie diese Analogien jetzt wieder richtig zuordnen – sie sind dann nicht weniger absurd. Intellektuell sind die bestenfalls ein Mysterium rätselhaften Ursprungs. So wie manch ein Blogeintrag eines Dorfpoeten.