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Editorial: Neues aus der Redaktion

Erzwungene Auszeit

Als Besucher des Kultur-Magazins haben Sie sicher mitbekommen, dass hier seit einiger Zeit kaum Updates erfolgt sind. Keine neuen Artikel und die Rubriken, das Forum, die Kommentare verwaist und unmoderiert. Das hat einen Grund 🙂

Ihnen ist sicher bekannt, dass das Kultur-Magazin eine Ein-Mann-Show ist. Und dieser eine Mann, meine Wenigkeit, ist derzeit einigermaßen außer Gefecht gesetzt. Ich hatte Mitte August einen Unfall und bin derzeit in der Genesungsphase. Der Unfall war vom Ablauf her harmlos – nur ein kleiner Treppensturz. Leider sind die Folgen sehr zeitaufwändig. Ich habe mir in beiden Beinen eine Quadrizeps-Sehnen-Ruptur zugezogen. Das ist eine ziemlich seltene Verletzung und erfordert sehr viel Geduld. Diese Sehnen verbinden den Oberschenkel mit dem Knie, wurden in einer einer mehrstündigen OP vor einigen Wochen genäht und wachsen erst nach Wochen richtig zusammen. Die Physio-Phase dauert mehrere Monate.

Ich werde daher mit neuen Inhalten erst nach und nach in den kommenden Wochen hier zurückkehren und bitte Sie alle um ein wenig Geduld. Wenn Sie mehr über meine Genesungsprozess erfahren möchten, dann können Sie meine Beiträge in meinem Blog verfolgen.

Herzliche Grüße

Ihr Peter Killert

Pressemitteilung: PEN fordert Lesepakt

Zum Jahrestag der „Hamburger Erklärung“ am 15. August wiederholt der deutsche PEN die Forderung nach einem „Lesepakt“ und einem breiten gesellschaftlichen Bündnis vieler Akteure in Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Politik zur Förderung der Lesefähigkeit unserer Kinder.

Dass knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht so lesen kann, dass der Text zugleich auch verstanden wird, und dass Deutschland im internationalen Vergleich unter dem EU- wie auch dem OECD-Durchschnitt liegt, ist ein Skandal, der nicht hingenommen werden darf. Hier sind alle aufgerufen gegenzusteuern, denen die Zukunft unseres Landes und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft am Herzen liegen. Es gefährdet die Demokratie, wenn ein beträchtlicher Teil der Bürger nur noch unzureichend oder gar nicht mehr sinnentnehmend lesen und somit gar nicht oder nur unzureichend mitreden kann.

Ob eine Aktion wie die der Stiftung Lesen, die zum Weltkindertag am 20. September gemeinsam mit Amazon, Thalia und Hugendubel 1 Million Märchenbücher verschenken will, wirklich dem Ziel der Leseförderung dient, mag freilich bezweifelt werden.

Hierzu sagte PEN-Präsidentin Regula Venske, die zu den Erstunterzeichnerinnen der von PEN-Mitglied Kirsten Boie initiierten und am 15.8.2018 veröffentlichten „Hamburger Erklärung“ zählt und die Erklärung mit 110.000 weiteren Unterschriften gemeinsam mit Kirsten Boie sowie Vertretern des Börsenvereins des deutschen Buchhandels am 6.12.2018 in Berlin an Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und den Präsidenten der Kultusministerkonferenz überreichte:

„Wer ernsthaft Leseförderung betreiben will, muss die betroffenen Kinder und ihre Familien dort abholen, wo sie sind. Dazu ist viel Hingabe im Kleinen notwendig, in Kitas und Schulen, in Stadtteilbibliotheken oder Buchhandlungen in manchmal schwierigem Umfeld, die derzeit massiv gegen drohende Schließungen kämpfen müssen, nicht zuletzt dank der Konkurrenz der großen Akteure, mit denen die Stiftung Lesen jetzt kooperiert. Die Kollegin Kirsten Boie moniert zurecht, dass die kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen, die sich für Lesefeste und -nächte einsetzen, Vorlesewettbewerbe veranstalten und ein zielgerichtetes Angebot machen, mit dem sie die Kinder persönlich und altersgerecht ansprechen, in diese Aktion nicht einbezogen worden sind (siehe ZEIT vom 1.8.2019). So stellt sich die Aktion der Stiftung Lesen vor allem als PR- und Marketing-Aktion von Amazon, Hugendubel und Thalia dar. Es wäre besser gewesen, wenn die Stiftung Lesen und ihre Mitstreiter den Betrag, den sie für diese Aktion aufgewandt haben, solchen Projekten zur Verfügung gestellt hätten, die sich längst in der Leseförderung engagieren und denen es in der Regel an Geld fehlt! Und noch etwas: Dass der Etat für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2020 um 533 Millionen gekürzt werden soll und dass bis 2023 sogar ein Minus von 2,3 Milliarden Euro geplant wird, muss in diesem Zusammenhang hochgradig empören.“

Bisher unveröffentlichte Manuskripte von Franz Kafka vorgestellt

Was für ein sensationeller Festtag für alle Kafka-Freunde! Das Ende eines jahrelangen Rechtsstreites um einen Teil des Nachlasses von Franz Kafka, hat endlich zu sichtbaren Ergebnissen geführt. Die Nationalbibliothek in Israel hat die ersten Fotos von Manuskripten, Zeichnungen und Korrespondenz von Kafka, bisher verborgen in einem Bankschließfach in Zürich, veröffentlicht. Bis Ende des Jahres soll alles im Internet katalogisiert verfügbar sein. Insbesondere die kleinen Zeichnungen, oftmals nicht mehr als Kritzeleien, sind sehr aufschlussreich.

Update: Als Antwort auf meine Anfrage bei der Israelischen Nationalbibliothek haben wir einige Bilder der Manuskripte erhalten und auch die Erlaubnis, diese veröffentlichen zu dürfen. Der Artikel wurde daher mit einigen Fotos ergänzt. Ein ganz herzliches Dankeschön an die Nationalbibliothek in Jerusalem! 

Der Kampf um das Erbe von Kafka gleicht einem Krimi. Eigentlich sollte Max Brod, bester Freund von Franz Kafka, den gesamten Nachlass verbrennen, was dieser nicht getan hat. Viele Manuskripte, die heute zur Weltliteratur zählen, wurden so überhaupt erst veröffentlicht. Die Originale, sowie einige unveröffentlichte Texte, blieben bei Max Brod. Brod selbst blieb kinderlos und vermachte den gesamten Nachlass seiner Sekretärin Ester Hoffe. Deren Erbinnen wiederum, hielten die Manuskripte in Privatwohnungen unter Verschluss, in denen aus diesem Grund des öfteren eingebrochen wurde. Denn spätestens seit 1988, das Jahr in dem das Original-Manuskript von „Der Prozess“ bei Sothebys versteigert wurde (heute ist das Manuskript im Besitz des Literaturarchivs in Marbach), wusste die Öffentlichkeit: da ist noch mehr. Wie viel verschwunden ist oder anderweitig verkauft wurde – darüber gibt es nur Spekulationen. Fakt ist, dass immer mal wieder Manuskripte auftauchten, weil die Hoffe-Töchter diese zu Geld machen wollten.

Neu entdeckte Manuskripte von Franz Kafka

Unverkennbar die Handschrift von Franz Kafka. Einige der vielen Seiten, die jetzt aus einem Züricher Bankschließfach geholt wurden. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Die Hoffe Töchter wollten dann 2008 den weiteren Nachlass ebenfalls nach Marbach verkaufen, woraufhin sich aber der Staat Israel einschaltete. Es ging schlicht um die Frage: Wem gehört Kafka? Kafka war Jude, wobei dieser Aspekt in seiner Literatur kaum zur Geltung kommt, er lebte in Prag und schrieb in Deutsch. In Prag gibt es bereits einige Manuskripte, Museen und Pilgerstätten, Deutschland besitzt mit dem „Prozess Manuskript“ bereits einen wichtigen Teil aus dem Nachlass und es ist eigentlich nur gerecht, dass „der Rest“ jetzt in Israel bleibt. Zumal der Nachlass für die Öffentlichkeit im Internet zugänglich sein wird. Jetzt wurden zunächst nur ein paar Fotos veröffentlicht, die auf einer Pressekonferenz gemacht wurden – es ist von tausenden Seiten die Rede, viele Briefe, Skizzen und u.a. drei verschiedene Varianten der Geschichte „Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“.

Neu entdeckte Zeichnungen von Franz Kafka

Der Nachlass zeigt eine ganze Reihe von Zeichnungen Kafkas. Bisher waren nur wenige Zeichnungen von ihm bekannt. Die Ähnlichkeit mit diesen bekannten Zeichnungen ist offensichtlich. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Etwas sensationell Neues – also ein gänzlich neues Manuskript oder ein Theaterstück, an dem Kafka gearbeitet haben soll – ist nicht zu erwarten. Es soll jedoch einige autobiografische Notizen geben. Und auch die Korrespondenz dürfte interessant sein. Viele Aspekte des Kafakaesken haben sich nach dem Tod des Autor durch die Tagebücher und die Briefe ergeben. Das könnte auch diesmal der Fall sein.

FRanz Kafka - Brief an den Vater in Maschinenschrift

Bei diesen Seiten handelt es sich um eine Maschinenschrift des „Brief an den Vater“. Die Originalhandschrift ist bereits seit längerem im Besitz des Literaturarchivs in Marbach, ebenso wie das Manuskript zu „Der Prozess“ und zahlreiche Brief Kafkas. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Es stellen sich jedoch einige wichtige Fragen, die auch heute noch unbeantwortet sind. Vielleicht erfahren wir in den nächsten Wochen und Monaten mehr. So ist zum Beispiel nicht klar, an welchen längeren Texten Kafka nach „Der Prozess“ geschrieben hat. Dass er aber literarisch aktiv war, ist bekannt – nur die Ergebnisse fehlen, sind verschollen oder verteilen sich in diesen tausenden Seiten. Man muss außerdem bedenken, dass diese vielen Seiten nicht direkt der Nachlass von Kafka sind, sondern der Nachlass von Max Brod. Wie viele der Seiten gänzlich Kafka zugeschrieben werden können, wird die Auswertung zeigen.

Ergänzende Texte von Max Brod

Weitere Dokumente aus dem Nachlass. Dies ist aber offensichtlich nicht die Handschrift von Franz Kafka. Vermutlich handelt es sich hier um ergänzende Texte von Max Brod. Mit freundlicher Genehmigung (c) Israelische Nationalbibliothek.

Das Kultur-Magazin wird sie zu diesem Thema auf dem Laufenden halten.

Das nachfolgende Video wurde auf der Pressekonferenz gedreht und zeigt einige der Manuskripte. Man erkennt sofort die typische Handschrift von Franz Kafka.

Hier noch einige Links mit weiteren Infos und Fotos. Jedem Kafka-Kenner geht da das Herz auf … .

Hintergrundinfos bei den Kollegen von SPIEGEL.DE

Bisher unbekannte Zeichnungen von Franz Kafka

Das blaue Notizbuch

 

 

D.A. Pennebaker (1925-2019)

Einer der wichtigsten Dokumentarfilmer der Gegenwart ist im Alter von 94 Jahren am 1. August gestorben: Donn Alan Pennebaker. Schon seit den 50er Jahren war er im Filmgeschäft. Er hat die Kennedys porträtiert und für die wohl einflussreichsten Musiker-Dokumentationen der letzten Jahrzehnte gesorgt.

„Ich kannte nicht viel von Dylan“, hat er mal in einem Interview gesagt und drehte mit und über ihn im Jahr 1967 einen seiner wichtigsten Filme – „Don´t Look Back“. Er erweckt „Ziggy Stardust“ zum Leben, verewigt Jimi Hendrix, Suzanne Vega, Alice Cooper oder Jerry Lee Lewis. Auch mit Marius Müller Westernhagen hat er zusammen gearbeitet.

Eine der wohl bekanntesten von Pennebaker gedrehten Szenen

1988 bekommt er einen Anruf und wird gefragt, ob er einen Dokumentarfilm über Depeche Mode machen möchte – „Depeche Mode – Was ist das?“, soll er gefragt haben. Er dreht „101“ einen Dokumentarfilm, bei dem das Casting von Depeche Mode Fans gezeigt wird, die den Abschluss der „Music For The Masses“ Tour der Briten begleiten sollen. Der Dokumentarfilm selbst hat erst nach Jahren und einer Wiederveröffentlichung auf DVD echten Kultstatus erreicht – das gefilmte Konzert in der Pasadena Rose Bowl ist bis heute das größte Live-Highlight der Band.

Depeche Mode – Aus dem Film „101“ – Beginn des legendären Konzerts in der Pasadena Rose Bowl

In den letzten Jahren hat er einige seiner Filme neu aufgelegt und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Seit den 80er Jahren immer dabei – seine Ehefrau Chris Hegedus.

Nachruf bei den Kollegen von SPIEGEL.DE

Nachruf bei den Kollegen von ZEIT.DE