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Shotcut

Ich bin ja ein großer Freund von OpenSource Software. Wann immer möglich, sollte man freie Software einsetzen – das spart für den Privatanwender Geld und setzt die richtigen Signale. Je mehr Menschen freie Software verwenden, desto mehr Bedeutung gewinnt sie. Open Source Software kann die Garantie für Datenschutz sein und steht sehr oft kommerziellen Anwendungen in nichts nach … .

LibreOffice, Audacity, Gimp, Irfan View oder Notepad++ kennt vermutlich jeder – für jeden Aufgabenbereich ist etwas dabei. Der Bereich Videobearbeitung war bisher zumindest bei Microsoft Windows etwas unterrepräsentiert. Während beim Mac iMovie ab Werk dabei ist, hat man sich unter Windows mit einer alten Version des Movie-Makers beholfen. Oder hat sich was gekauft. Seit einiger Zeit ist aber „Shotcut„, ursprünglich der Standardvideoeditor unter Linux, auch für Windows das Maß aller Dinge – läuft sehr stabil (bei Premiere Elements hatte ich zwischendurch den einen oder anderen Absturz) und ist sehr einfach zu bedienen. Und wenn man nicht weiter weiß gibt es zu praktisch jedem Thema ein Videotutorial von irgendeinem User auf YouTube.

Shotcut – Die neue Referenz in der Videobearbeitung

Statt auf der Programmoberfläche 5000 Videoeffekte und -übergänge anzuzeigen, konzentriert sich Shotcut erstmal nur auf die Grundfunktionen. Übergänge schafft man, in dem Spuren leicht überlagert werden, geschnitten wird ein einzelner Clip einfach mit einem Druck auf „S“ und die Wiedergabegeschwindigkeit eines einzelnen Clips, wird einfach über die Eigenschaften des Clips definiert und ist kein eigener Effekt, den man erst wieder rückgängig machen muss, wenn man ihn ändern möchte.

Alle weiteren Funktionen, wie Zoom, Titel-Einblendungen, Bildanpassungen oder tatsächliche Effekte (von denen man meiner Meinung nach meistens viel weniger braucht, als man glaubt) werden als Filter pro Clip oder für eine ganze Spur eingefügt. Eigentlich immer sehr logisch und selbsterklärend.

Ein produktives Ergebnis von diesem Wochenende ist das Anfängertutorial für CONSILIUM, das ich endlich fertig habe und was der wichtigste Berührungspunkt meiner Dienstplansoftware für Neukunden sein wird. Die Produktion des Videos, inklusive der Vorarbeit durch Verfassen der Texte, hat einen produktiven Arbeitstag am Wochenende in Anspruch genommen.

EDGY

Mein eigener Beitrag zum Thema „toxisch“ hat mich zu einer eigenen Komposition eines solchen Wortes inspiriert. Ich bin meine eigene Inspiration – so weit ist es schon gekommen 🙂

Nein, ich muss ehrlich sein – das Wort „edgy“ stammt nicht von mir, sondern von einer Frau, die wie keine andere unser Abendland prägt. Aber hören Sie selbst:

Blundered

Ich bin kein guter Schachspieler, aber ich wäre es gerne. Ich glaube von mir selbst behaupten zu können, dass ich sehr gut umfangreiche, komplexe Zusammenhänge durchschauen kann – allerdings nicht auf eine Art, wie es beim Schach gefordert ist. Es ist daher immer superinteressant, Schachpartien live zu verfolgen. Die Gelegenheit dazu bietet sich alle paar Jahre, wenn eine Weltmeisterschaft stattfindet, die dann im Internet live übertragen und kommentiert wird. Allerdings nur im Internet, dann aber bei verschiedenen Kanälen.

Das Portal Chessbase24 macht das sehr gut – es gibt eine deutsche Version, die von dem ungleichen, aber sehr unterhaltsamen Duo Sonja Bluhm (eine internationale Schachmeisterin) und dem Großmeister Rustam Kasimjanov kommentiert wird. Rustam Kasimjanov zeigt dabei viel Weitsicht. Bei der historischen 6. Partie, die mit 136 Zügen die längste, jemals bei einer Schachweltmeisterschaft gespielte Partie war, sagte er schon recht früh die bessere Stellung für den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen voraus. Als ich mittags in den Stream geschaut habe, sah alles nach einem Remis aus. Und als ich dann sechs Stunden später nochmal reingeschaut habe, sah ich zwei völlig zermürbte Spieler, die mit Zeitnot kämpften und bei der Carlsen dann langsam, beinahe chirurgisch seinen Gegner an den Abgrund geführt hatte.

Es folgte ein Remis und vorgestern dann ein weiterer Sieg für Carlsen nach einem Fehler seines Gegners Ian Nepomnjaschtschi. Dieser Fehler galt bereits als unverzeihlich, da so etwas auf diesem Niveau nicht passieren dürfe.

Was aber heute passierte, war ebenfalls historisch. Erneut hat Nepomnjaschtschi gepatzt (ich habe die englische Vokabel dafür heute gelernt – „he blundered“) aber auf eine Art und Weise, die sogar so ein Anfänger wie ich recht schnell verstanden hat.

Die Reaktion darauf bei den Kommentatoren ist sehr sehenswert. Auch die Reaktion von Carlsen – der konnte gar nicht glauben, was er dort auf dem Brett sah. Vermutlich dachte er darüber nach, dass der Zug eine raffinierte Falle sein könnte. War er aber nicht. Zur Erklärung: die Spieler können nach ihrem Zug das Brett verlassen und in einen eigenen Ruheraum gehen, auf dem sie das Brett und das Spiel an einem Monitor einsehen können – deswegen verlässt Nepomnjaschtschi nach seinem Zug das Spielbrett und lässt Carlsen alleine zurück. Beginnen wir mit der deutschen Ausgabe bei Chessbase24 – dieses und alle folgenden Videos starten jeweils genau an der Stelle, wo der Fauxpas des Herausforderers passiert – achten Sie auch auf die Bewertung der mitlaufenden Schach-Engine, die mit diesem Zug die positive Stellung für weiß schlagartig ins Negative (-3,7) umschlagen lässt:

Etwas heftiger und emotionaler fällt die Reaktion bei den Kommentatoren der englischen Ausgabe aus – neben der Großmeisterin Judit Polgar kommentiert Anish Giri, der beim Kandidatenturnier für den Herausforderer gegen Carlsen, Dritter geworden war. Er denkt vermutlich, dass ihm so ein Fehler nicht unterlaufen wäre. Interessant ist auch, dass vorher diskutiert wurde, wie fatal genau dieser Zug wäre, wenn der Herausforderer ihn machen würde. In den Live-Kommentare wird auch vor dem Zug von etlichen Leuten erklärt, dass der Läufer von weiß damit gefangen und verloren wäre – ein spielentscheidender Vorteil für Carlsen.

Was aber ebenfalls sehr erwähnenswert ist: Ian Nepomnjaschtschi ist ein richtig guter Verlierer. Vielleicht weil er jetzt Routine hat, bei Pressekonferenzen zu erscheinen, wo er sich für sein fatales Spiel rechtfertigen muss. Bei den ersten beiden Pressekonferenzen zu seinen Niederlagen sah man ihm an, wie er sich am liebsten wegbeamen wollte. Aber allein schon die Größe zu haben, zu der Pressekonferenz zu erscheinen und die teilweise bescheuerten Fragen zu beantworten (z.B. ob seine neue Frisur etwas mit der Niederlage zu tun habe) und dabei doch recht cool zu wirken – alle Achtung. Verlieren muss man auch können. Nepomnjaschtschi macht wirkt dabei sehr sympathisch:

Hier die Ergebnisse der Weltmeisterschaft auf wikipedia. Es sieht sehr danach aus, dass Carlsen seinen Titel verteidigen wird.