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Blundered

Ich bin kein guter Schachspieler, aber ich wäre es gerne. Ich glaube von mir selbst behaupten zu können, dass ich sehr gut umfangreiche, komplexe Zusammenhänge durchschauen kann – allerdings nicht auf eine Art, wie es beim Schach gefordert ist. Es ist daher immer superinteressant, Schachpartien live zu verfolgen. Die Gelegenheit dazu bietet sich alle paar Jahre, wenn eine Weltmeisterschaft stattfindet, die dann im Internet live übertragen und kommentiert wird. Allerdings nur im Internet, dann aber bei verschiedenen Kanälen.

Das Portal Chessbase24 macht das sehr gut – es gibt eine deutsche Version, die von dem ungleichen, aber sehr unterhaltsamen Duo Sonja Bluhm (eine internationale Schachmeisterin) und dem Großmeister Rustam Kasimjanov kommentiert wird. Rustam Kasimjanov zeigt dabei viel Weitsicht. Bei der historischen 6. Partie, die mit 136 Zügen die längste, jemals bei einer Schachweltmeisterschaft gespielte Partie war, sagte er schon recht früh die bessere Stellung für den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen voraus. Als ich mittags in den Stream geschaut habe, sah alles nach einem Remis aus. Und als ich dann sechs Stunden später nochmal reingeschaut habe, sah ich zwei völlig zermürbte Spieler, die mit Zeitnot kämpften und bei der Carlsen dann langsam, beinahe chirurgisch seinen Gegner an den Abgrund geführt hatte.

Es folgte ein Remis und vorgestern dann ein weiterer Sieg für Carlsen nach einem Fehler seines Gegners Ian Nepomnjaschtschi. Dieser Fehler galt bereits als unverzeihlich, da so etwas auf diesem Niveau nicht passieren dürfe.

Was aber heute passierte, war ebenfalls historisch. Erneut hat Nepomnjaschtschi gepatzt (ich habe die englische Vokabel dafür heute gelernt – „he blundered“) aber auf eine Art und Weise, die sogar so ein Anfänger wie ich recht schnell verstanden hat.

Die Reaktion darauf bei den Kommentatoren ist sehr sehenswert. Auch die Reaktion von Carlsen – der konnte gar nicht glauben, was er dort auf dem Brett sah. Vermutlich dachte er darüber nach, dass der Zug eine raffinierte Falle sein könnte. War er aber nicht. Zur Erklärung: die Spieler können nach ihrem Zug das Brett verlassen und in einen eigenen Ruheraum gehen, auf dem sie das Brett und das Spiel an einem Monitor einsehen können – deswegen verlässt Nepomnjaschtschi nach seinem Zug das Spielbrett und lässt Carlsen alleine zurück. Beginnen wir mit der deutschen Ausgabe bei Chessbase24 – dieses und alle folgenden Videos starten jeweils genau an der Stelle, wo der Fauxpas des Herausforderers passiert – achten Sie auch auf die Bewertung der mitlaufenden Schach-Engine, die mit diesem Zug die positive Stellung für weiß schlagartig ins Negative (-3,7) umschlagen lässt:

Etwas heftiger und emotionaler fällt die Reaktion bei den Kommentatoren der englischen Ausgabe aus – neben der Großmeisterin Judit Polgar kommentiert Anish Giri, der beim Kandidatenturnier für den Herausforderer gegen Carlsen, Dritter geworden war. Er denkt vermutlich, dass ihm so ein Fehler nicht unterlaufen wäre. Interessant ist auch, dass vorher diskutiert wurde, wie fatal genau dieser Zug wäre, wenn der Herausforderer ihn machen würde. In den Live-Kommentare wird auch vor dem Zug von etlichen Leuten erklärt, dass der Läufer von weiß damit gefangen und verloren wäre – ein spielentscheidender Vorteil für Carlsen.

Was aber ebenfalls sehr erwähnenswert ist: Ian Nepomnjaschtschi ist ein richtig guter Verlierer. Vielleicht weil er jetzt Routine hat, bei Pressekonferenzen zu erscheinen, wo er sich für sein fatales Spiel rechtfertigen muss. Bei den ersten beiden Pressekonferenzen zu seinen Niederlagen sah man ihm an, wie er sich am liebsten wegbeamen wollte. Aber allein schon die Größe zu haben, zu der Pressekonferenz zu erscheinen und die teilweise bescheuerten Fragen zu beantworten (z.B. ob seine neue Frisur etwas mit der Niederlage zu tun habe) und dabei doch recht cool zu wirken – alle Achtung. Verlieren muss man auch können. Nepomnjaschtschi macht wirkt dabei sehr sympathisch:

Hier die Ergebnisse der Weltmeisterschaft auf wikipedia. Es sieht sehr danach aus, dass Carlsen seinen Titel verteidigen wird.

Toxisch - Evolution einer Irreführung

„Toxisch“ – Evolution einer Irreführung

Toxisch - Evolution einer Irreführung

TOXISCH – Dieser Begriff scheint allgegenwärtig zu sein. „Toxische Männlichkeit“ oder „Toxische Beziehungen“ sind seit einigen Jahren für immer wieder auftretende Leitartikel, nicht nur in Frauenzeitschriften gut – ein naturwissenschaftlicher Begriff, der zum feuilletonistischen Alltags-Jargon avanciert ist und das „Soziale“ parameterisiert. Aber dahinter steckt nur eine linguistische Mogelpackung. Allerdings mit bahnbrechendem, materiellen Durchschlag und einer Intention, bei der Feminist*Innen an die Decke gehen müssten. Tun sie aber nicht.

Es wird eigentlich ständig versucht, Begriffe, Modewörter, aber auch scheinbar komplex klingende Betitelungen an den Mann und besonders an die Frau zu bringen:

Feuchtigkeitscreme mit Hyaloron und Parabenen. Dermatologisch getestet.

Hört sich gut an. Die Dame von Welt weiß, was ein Dermatologe ist und braucht etwas, um den stetig voranschreitenden Alterungsprozess aufzuhalten. Das ist die Grundvoraussetzung, damit dieser linguistische Kunstgriff gelingt. Da kommt Wasser in Geleeform (Hyaloron) und ein tatsächlich toxischer Konservierungsstoff (Paraben) mit hormonellen Nebeneffekten gerade richtig. Nur so lässt sich den Falten beikommen. Das ist die Suggestion.

Und das alles ist Bullshit. Das ist einfach nur Bullshit.

Dahinter steckt eine Marketingstrategie und die Idee, eines Universalbegriffs mit wissenschaftlichem Anspruch. So eine Strategie ist übrigens schon mindestens einmal sehr erfolgreich umgesetzt worden. Und zwar so nachhaltig, dass wir es heute noch jeden Tag wahrnehmen. Jeder von uns …

Anfang/Mitte der 80er Jahre etablierte sich eine Begrifflichkeit, die bis heute einen Milliardenmarkt nährt und die im Kern völlig haltlos ist. Wir erleben die Wirkung dieser Strategie, wenn wir in die Auslage eines Bäckers schauen. Denn damals wurde vom „Vollkorn-Produkt“ marketingtechnisch die Brücke zum „Vollwert-Produkt“ geschlagen. Lanciert wurde das Ganze mit der angeblichen Tatsache, dass Vollkornkost ballaststoffreich ist und folglich pauschal immer gesünder als das billigere, daneben liegende normale Brötchen, aus dessen Kruste keine Vollkornkörner sprießen und dem damit etwas „vollwertiges“ in seinem blassen Dasein zu fehlen schien. Nun, diese Annahme ist ein Geniestreich des Marketing, denn das Vollwertige ist eben nicht gesünder. Es gibt keinerlei pauschale Tatsachen, die diese Annahme belegen würden. Im Gegenteil – ballaststoffreiche Kost kann für einige Menschen sogar eher schädlich sein (Quelle).

Jedenfalls entstand der Eindruck, dass ein weißes Brötchen, ein weißes Brot oder weißer Reis nicht vollwertig ist. Damit also ungesünder und nur die zweite Wahl. Aber noch viel wichtiger war die Schlussfolgerung: die Vollwertigkeit des Vollkornproduktes rechtfertigt auch den höheren Preis, obwohl der Herstellungsaufwand derselbe ist. Ein Milliardenmarkt eben und die Etablierung eines Zusammenhangs in den Köpfen von Millionen Menschen, der wissenschaftlich eher fragwürdig ist. So schauen wir in die Auslage des Bäckers und sehen das Gesunde und das vermeintlich Ungesunde – wir schließen einen inneren Kompromiss und wählen dann das Laugenbrötchen. Die teuerste aller möglichen Varianten. Das ist ziemlich genial und wie es scheint vollkommen zeitlos.

Jetzt aber zum „Toxischen“. Auch hier zeichnet sich ab, was für eine geniale Strategie hier zum roten Faden von Frauenzeitschriften und Feuilleton mutiert ist. Wer gegen diesen Begriff argumentiert hat als Mann das „Toxische“ wohl noch nicht erkannt. Es muss zum guten qualifizierten Ton gehören, sich diesen Begriff zu eigen zu machen. „Toxisch“ ist ein bio-chemischer Begriff – eigentlich gar nicht so dumm, ihn auf menschliches Fehlverhalten anzuwenden. Aber auch hier ist wieder der pauschale Ansatz das, was den Begriff eigentlich zum Wanken bringen müsste. Ein Mann kann toxisch sein. Die Männlichkeit pauschal so zu sehen … nun das ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die nicht divers denken, sondern in schwarz und weiß. Und wehe, Mann stellt sich gegen diese Konsens – wir tanzen dann auf dem Rande des Fettnapfes der Cancel-Culture.

Und das ist alles Quatsch. Es ist alles viel einfacher.

Laurie Penny

Die Feministin Laury Penny legt in Ihrem grandiosen Buch „Fleischmarkt“ dar, dass der Kapitalismus ohne die Unterdrückung der Frau und im Besonderen ohne die Unterdrückung des weiblichen Körpers gar nicht funktionieren würde. Die Unterdrückung der Frau ist die Grundlage für den Kapitalismus. Das ist eine sehr einfache Schlussfolgerung. Kapitalismus ist das Gegenteil von Gleichheit. Würden wir die Hälfte der Menschheit, die eben nicht die gleichen Rechte und Möglichkeiten hat wie die andere Hälfte – die Ausnahmen, die es hier geben mag, bestätigen die Regel – tatsächlich die gleichen Möglichkeiten und Chancen geben, der Kapitalismus würde ohne die Inszenierung der Frau und ihres Körpers als Projektionsfläche für kapitalistische Produkte, zusammenbrechen.

Das einzig „Toxische“ ist also die Ungleichheit. Also die Relation der Individuen. Es ist nicht die Summe der Individuen, es ist nicht die abstrakte Masse einer normativen Relation wie „Männlichkeit“ oder „Freundschaften“. Das sind Worthülsen. Das wäre so, als würde ich sagen, Raucher sind toxisch. Das ist nicht korrekt. Zigaretten sind toxisch – genauer: die in ihnen enthaltenen Giftstoffe.

Vereinfachen wir das mal und verwenden statt „toxisch“ den Begriff „schädlich“, dann ist doch klar, dass der Mann, der eine Frau diskriminiert oder sogar schlägt, schädlich für diese Frau, ja für die gesamte Gesellschaft ist. Zu sagen, die „Männlichkeit“ des Mannes sei schädlich würde – wenn man diesen Gedanken fortführt – eben zu pauschalen, abstrakten Spaltungen führen.

Es mag ja durchaus sein, dass sich die Männer in Gänze mal an die eigene Nase fassen sollten (das ist noch niedlich formuliert). Alltags-Sexismus und berufliche Diskreditierung gibt es zweifellos. Mir geht es nur darum, die Begrifflichkeit zu entlarven, denn das „Toxische“ kaschiert immer die individuelle Verantwortlichkeit des Einzelnen. Wir stellen nicht den einzelnen, konkreten Mann an den Pranger und werfen ihm seine Verfehlungen vor – wir machen schlicht das „Toxische“ als abstrakte, pauschale Diskreditierung aus. Sein Vater hat ihm schließlich das „Toxische“ schon vorgelebt, dann die ganzen sozialen Umstände, die vielen anderen „toxischen“ Beziehungen. Es sei ja kein Wunder, dass so etwas aus dem Mann geworden ist.

Das Wort „toxisch“ ist eine ganz schlimme Irreführung, denn es untermauert mit naturwissenschaftlichem Impetus eine Abstraktion als Universalerklärung. Ein universeller Parameter für Sündenböckigkeit, die sich nicht konkretisieren muss. „Toxisch“ spaltet, denn das Gegenstück, das „Untoxische“ oder wie auch immer man es nennen würde, wäre die Gleichheit. Und die gibt es nicht. Abstrakte Begriffe, die das Gegenteil eines Ideals bedeuten, sind spaltende Begriffe und bewirken das Gegenteil von dem, was wir brauchen. Und das ist das konkrete Auseinandersetzen mit Männern (nicht pauschal mit Männlichkeit) und deren Verhalten irgendwo zwischen Diskriminierung und Menschenverachtung. Sie bemerken vielleicht, dass ich nicht „Frauenverachtung“ schreibe, denn das eigentlich Toxische ist ja genau diese Spaltung. Ein toxischer Mann ist ein Mann, der Menschen verachtet. Alle Menschen. Eine toxische Männlichkeit aber gibt es nur, wenn man diese Spaltung weiterhin aufrechterhalten will.

Das genau ist die eingangs beschriebene linguistische Mogelpackung. Es gibt es einen Sinn, warum das Wort „toxisch“ dieses Zugang gefunden hat. Das hat einen rein materiellen Hintergrund. Wer diese Schlussfolgerung anzweifelt, dem kann ich nur raten bei YouTube die Suchbegriffe „Detox“ und „Haul“ einzugeben. Sie werden tausende Videos finden, die meine These bestätigen – stellen sie sich einfach die Frage, ob an der Notwendigkeit dieser kapitalistischen Detox-Maschinerie wirklich die „toxische“ Männlichkeit schuld sein kann?

Schauen Sie selbst und sie finden massenhaft Belege dafür, warum das Wort „toxisch“ für gesellschaftliche Diskussionen etabliert wurde. Es geht nur um einen weiteren, neuen Milliardenmarkt, den junge Frauen täglich füttern – solange das nicht klar ist, wird es keine Gleichheit geben:

Liste von Videos auf YouTube

 

Aurora & Fante

Den Jahresurlaub und den freien Kopf, der sich nach einigen Tagen auf meiner Insel einstellt, nutze ich, um Horizonte zu erweitern. Ausgaben diverser Zeitschriften, für die sich im Alltag kaum Raum und Zeit ergeben, aber vor allem auch neue Musik und Literatur. Hier zwei Ausblicke auf diese neuen Horizonte.

Aurora

Anfang der 90er Jahre hätte ich mir das liebliche Antlitz von BJÖRK auf ihrem Cover „Debut“ vermutlich auf eine Arschbacke tätowieren lassen. Björk ist ein zuckersüße nordische Elfe, die Musik machen konnte, die noch heute richtig futuristisch klingt. Für mich ist BJÖRK die Singer/Songwriterin par excellence. Bis heute unvergleichlich. Beinahe.

Denn es schickt sich eine junge Dame an, das Erbe von Björk anzutreten. BJÖRK gefällt mir zwar immer noch sehr gut, aber sie ist schon sehr speziell geworden. Wenn man die Cover ihrer Werke aneinandereiht, auf denen immer nur ihr Gesicht zu sehen ist, sieht man eine Transformation – neben der natürlichen Alterung. Diese Transformation muss man mitgehen und verstehen. Da sich BJÖRK aber eher dem Experiment als der eingängigen Elektronik, wie im meiner Meinung nach besten Song aller Zeiten („Army Of Me“) verschrieben hat, ist das etwas anstrengend.

Ihre potenzielle Nachfolgerin als nordische Nymphe ist erst 25 Jahre alt und heißt wie das Nordlicht. „Aurora“ ist richtig talentiert und läuft hier auf meiner Insel über Spotify und meinem kleinen Bluetooth Lautsprecher. Ihre Musik ist noch etwas poppiger als Björk. So ein bisschen eine Mischung aus besagter BJÖRK, Agnes Obel und Aimee Mann.

Anfang kommenden Jahres erscheint ihr bereits drittes Album „The Gods We Can Touch“ – und es soll ein bisschen düsterer und schwermütiger sein, als alles, was bisher erschienen ist. Auf die Kombination zartes nordisches Wesen und Schwermut kann man sich freuen. Die Vorabsingle „Giving In To The Love“ gefällt mir schon mal richtig gut.

Der ORF hat die junge Dame interviewt und zeigt ein paar schöne Einblicke.


John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr

„Fante ist Gott“ – hat Charles Bukowski einmal über den Schriftsteller John Fante (1909 – 1983) gesagt. Bukowski hatte sich persönlich um Fante in seinen letzten Lebensjahren gekümmert. Es ist sicher nicht übertrieben, Fante als den Mentor von Bukowski zu bezeichnen. Allerdings sind die Autoren gänzlich unterschiedlich – so weit ich das nach der Lektüre eines einzelnen Buches von Fante im Vergleich zu meiner Lektüre von Bukowski beurteilen darf und kann.

Mit 1933 assoziert man sicher die Machtergreifung Hitlers oder ein weltbewegendes Ereignis. Aber diese Geschichte hat damit nichts zu tun. In einer kleinen Stadt in der Nähe der Rocky Mountains hat der 17-jährige Dominic Molise nur einen Traum: er möchte Profi-Baseballspieler werden und der Welt nicht länger seinen begnadeten Wurfarm vorenthalten. Den Plan seines Vaters, ein im Winter arbeitsloser Maurer, der ihn, seine Mutter, seine Großmutter und den jüngeren Bruder mit Billardspielen ernährt, lehnt er strikt ab – der sieht sich mit seinem Sohn schon in einem handwerklichen Familienbetrieb. Aber Dominic ist sicher, dass er dazu bestimmt ist, ein großer Stern am Baseball-Himmel zu sein. Bestärkt wird er nur von seinem besten Freund, dem Sohn aus superreichem Haus, in dessen unerreichbarer Schwester er sich auch noch verliebt hat.

Das Besondere an der Geschichte ist ihre Geradlinigkeit, ihre Oberflächlichkeit und das große Talent von Fante, alles Wesentliche im Grunde komplett auszusparen. Er vertraut auf seine Erzählung und den Intellekt seiner Leser. Das macht die Klischees der Geschichte zu Aufhängern, über die man als Leser nachdenken muss, wofür es genug Raum gibt, denn Fante labert nicht. Es ist eine stringente, unterhaltsame Geschichte. Entlarvt man aber für sich selbst all die offensichtlich vom Autor angelegten Stereotypen (die religiös-fanatische Mutter, die fatalistische Großmutter usw.), dann wird die Geschichte zu einer einzigen großen Parabel, die existienzielle Fragen leichtfüssig als Beiläufigkeit transportiert. Ich glaube, diese Fähigkeit wünscht sich jeder Autor – Fante hatte sie.