Archiv des Autors: Peter Killert

Cthulhu – die Anfänge des Horror-Genre als Rollenspiel

Vielleicht ist es ein unbewusstes Verlangen, der stetig fortschreitenden fehlenden sozialen Bindungen in einer digitalen Welt Einhalt zu gebieten. Vielleicht sind es auch nur die Fans der Serien „Big Bang Theory“ oder „Stranger Things“. Pen & Paper Fantasy-Rollenspiele erleben ein Revival. Und eines hebt sich ganz besonders ab … .

Den Namen HP Lovecraft hatte ich hier und da schon einmal gelesen. Ich muss allerdings gestehen, dass mir der Autor bisher gänzlich unbekannt geblieben war. Das hat sich bei meinen Recherchen zu „Pen & Paper“ Rollenspielen jetzt ganz plötzlich geändert.
Ich bin ein Kind der 80er Jahren und habe ab 1985 bis zum Erreichen der Oberstufe auf dem Gymnasium wie viele andere Jungs „Das Schwarze Auge“ gespielt. Das war damals und ist bis heute, das in Deutschland am häufigsten gespielte Fantasy-Rollenspiele. Bei meinen Recherchen, 30 Jahre nach diesem jugendlichen Hobby, bin ich neben diesem Klassiker und den ebenfalls bedeutenden Spielen „Dungeon & Dragons“ und „Shadowrun“ auf ein Spiel gestoßen, dessen Namen ich bisher wohl eher als Rechtschreibfehler abgetan hatte. „Cthulhu“ ist mittlerweile auch ein Klassiker und es hat ein so ganz anderes Setting, verglichen mit den bereits genannten.

Der Name „Cthulhu“ stammt aus dem Titel der Kurzgeschichte „Call Of Cthulhu“ von HP Lovecraft. „Cthulhu“ ist ein Fantasiewesen, das zu den sogenannten „Großen Alten“ gehört. Das sind Wesen, die vor vielen Zeitaltern unsere Welt bevölkert und nebenbei die Grundlagen unserer Kultur erschaffen haben. Jetzt schlummern sie tief im Meer, unter dem ewigen Eis, in der Erdkruste oder in Gebirgen und warten darauf, dass die Sterne eine bestimmte Konstellation erreichen, damit sie wieder zum Leben erweckt werden. Bis dahin suchen sie einige ausgesuchte Menschen in ihren Träumen auf und bringen Sie an den Rand des Wahnsinns.

Cthulhu Grundregelwerk

Cthulhu Grundregelwerk

Diese Kurzgeschichte, die relativ bescheiden ist, setzt man sie in den Kontext des Gesamtwerkes von Lovecraft, ist aus zwei Gründen bemerkenswert: alle Geschichten und Romane von Lovecraft werden durch das Aufsuchen und Erleben fantasievoller Welten vereint. Sei es im Meer, unterirdische Zivilisationen oder die von Träumen geplagten scheinbar ganz normalen Menschen am Rande des Wahnsinns. „Call Of Cthulhu“ ist die Geschichte, die für diese einen roten Faden auslegt und eine Erklärung für den Aufbau dieser Fantasiewelt liefert. Der zweite Grund ist die Tatsache, dass diese Erklärung von anderen Autoren ausgeliehen wurde. Gut ein Dutzend Autoren werden zu den „Verwaltern“ dieses Mythos gezählt (u.a. der deutsche Autor Wolfgang Hohlbein). Man darf sagen, dass Lovecraft mit diesem Mythos die Grundlage für moderne Horrorliteratur gelegt hat. Genau hier setzt das Fantasy-Rollenspiel „Cthulhu“ an.

Die unaussprechlichen Kreaturen

Die unaussprechlichen Kreaturen

Die Spieler – bei Cthulhu werden sie „Investigatoren“ genannt – spielen einen Charakter in den 20 Jahren des letzten Jahrhunderts. Sie übernehmen Berufe wie Taxifahrer, Privatdetektiv, Parapsychloge oder Schriftsteller. Vom Spielleiter werden sie mit der mythologischen Welt von Lovecraft konfrontiert. Das Regelsystem ist dabei recht einfach zu erlernen und ist sehr gut erweiterbar. Bemerkenswert sind die mythologischen Ergänzungen und die dafür zur Verfügung stehenden Quellbände. Das „Bestimmungsbuch der unaussprechlichen Kreaturen“ ist wie Fachbuch für „Exobiologen“ aufgebaut. Dort werden die „Alten Großen“ samt ihrer Helferwesen erfasst und illustriert – der Mythos bekommt Methodik, fast schon akademisch. Künstlerisch brillant ist das sowieso. Zusammen mit der Einzigartigkeit der Fantasiewelt ergeben sich für den Spielleiter ungeahnte Möglichkeiten. Das liegt an der Ursprünglichkeit dieser Fantasie. Lovecraft ist der Grandfather of Horror. Möchte ein Filmregisseur den Horror perfekt inszenieren, so braucht er nur die passenden Bilder zu den beschreibenden Worten zu finden. HR Giger soll einmal gesagt haben, dass er das Alien nach den Beschreibungen von Cthulhu entworfen hat. Zumindest hat er das fiktive „Necronomicon“ – das ist das Buch über die Magie der „Alten Großen“ – illustriert. Das war ganz sicher eine bestimmende Inspirationsquelle. Und für einen Stephen King ist das Werk von Lovecraft der Heilige Gral.

Das Rollenspiel wird in Deutschland in Lizenz vom Pegasus Verlag vertrieben. Das Grundregelwerk ist in einem wunderbar gestaltetem Hardcoverband für 19,95 EUR zu haben. Ein Kampfpreis. bei dem man nichts falsch machen kann. Es ist damit das günstigste hochwertige Fantasierollenspiel am Markt.

 

Stan & Ollie – Was für ein schöner Film

Warum bei den Academy Awards dieser Film letztes Jahr unberücksichtigt blieb – es ist mir ein Rätsel. Es gab lediglich eine mickrige Golden Globe Nominierung. Dabei hätte dieser Film so viel mehr verdient gehabt. Hier wird nicht nur ein großes Stück Filmgeschichte in das Hier und Jetzt transferiert – zwei Schauspieler zeigen hier ein unglaubliches Talent. Wenn Schauspielerei das Sich-Hineinversetzen in eine andere Person ist, dann sind Steve Coogan und John C. Reily absolute Meister ihres Faches.

Stan & OllieWenn Erinnerungen aus der Kindheit wachgerufen werden, weil man zufällig eine Szene aus einem Film, einer Werbung oder eine Serie von damals gesehen hat, dann entsteht Nostalgie und man schwelgt in diesen Erinnerungen. Bei „Stand & Ollie“ werden diese Erinnerungen – so unglaublich das klingen mag – von Schauspielern erzeugt, die noch gar nicht auf der Welt waren, als Ihre Figuren schon gestorben waren und längst ein Mythos der Filmgeschichte waren. John C. Reilly (bekannt aus „Magnolia“ oder „Der Gott des Gemetzels“) verkörpert Oliver Hardy und der nicht ganz so bekannte britische Komiker Steve Coogan schlüpft in die Rolle von Stan Laurel. Das machen beide auf eine derart perfekt Art und Weise, dass viele Szenen überhaupt nicht mehr vom Original zu unterscheiden sind. Die gesamte Mimik, die Dramaturgie, die Maske – alles passt so perfekt, dass dies jeden erdenklichen Filmpreis verdient hätte.

Zu dieser Verkörperung der Hauptrollen kommt auch noch die Geschichte selbst, die besser nicht hätte ausgewählt werden können. Es geht nicht etwa um die Biografien oder die Karriere des besten Komiker-Duos aller Zeiten, sondern um die letzte Phase, um den in der Öffentlichkeit nur bedingt wahrgenommenen Comeback Versuch Ende der 50er Jahre. Stan Laurel ist dabei, einen Vertrag mit einem großen Produzenten auszuhandeln – Laurel & Hardy sollen noch einmal ins Kino zurückkommen.

Ein großer letzter Film soll den Abschluss der Karriere markieren. Bis die ersten Dreharbeiten beginnen, wollen die beiden erst Mal Anlauf nehmen – mit einer Bühnenshow quer durch England. Die Unterstützung für die beiden Komiker ist jedoch minimal. Der Produzent will nicht so richtig und schnell stellt sich heraus, dass dieser letzte Film nie Realität werden wird. Aber die beiden geben nicht auf. Eigenwerbung und Slapstick-Gags in der typischen Dick & Doof Manier, sprechen sich schnell herum und die Hallen füllen sich. In Irland wird den beiden bei Ihrer Ankunft geradezu gefeiert.

Hinter den Kulissen aber rumort es zwischen den beiden. Stan Laurel hat seinem Kollegen nie verziehen, dass er zwecks Vertragserfüllung vor Jahren sein Glück mit einem anderen Partner versucht hat. Aber Laurel wird, nach einem leichten Herzinfarkt von Hardy, bei einer der Bühnenshows, vor die gleiche Wahl gestellt und macht dieselbe Erfahrung, wie sein Partner: Laurel geht nicht ohne Hardy, Hardy nicht ohne Laurel.
Flankiert wird die Geschichte von den ehrgeizigen und mit sich und der Welt konkurrierenden Ehefrauen der beiden. Aber wenn es darauf ankommt, dann scheinen alle zusammen zu halten.

Ein wirklich toller Film, der uns hinter die Kulissen schauen lässt, ohne zu theatralisch zu wirken. Der Film ist plakativ, die Ehefrauen stereotype Abbilder und die Komik der beiden zeitlos – das waren die Intentionen dieses Film. Wie aus dieser Vorhersehbarkeit dennoch die vermutlich beste Hommage aller Zeiten entstehen kann, wird ein Rätsel bleiben – genau wie die fehlenden Oscarnominierungen für die beiden Hauptdarsteller.

 

Editorial: Neues aus der Redaktion

Erzwungene Auszeit

Als Besucher des Kultur-Magazins haben Sie sicher mitbekommen, dass hier seit einiger Zeit kaum Updates erfolgt sind. Keine neuen Artikel und die Rubriken, das Forum, die Kommentare verwaist und unmoderiert. Das hat einen Grund 🙂

Ihnen ist sicher bekannt, dass das Kultur-Magazin eine Ein-Mann-Show ist. Und dieser eine Mann, meine Wenigkeit, ist derzeit einigermaßen außer Gefecht gesetzt. Ich hatte Mitte August einen Unfall und bin derzeit in der Genesungsphase. Der Unfall war vom Ablauf her harmlos – nur ein kleiner Treppensturz. Leider sind die Folgen sehr zeitaufwändig. Ich habe mir in beiden Beinen eine Quadrizeps-Sehnen-Ruptur zugezogen. Das ist eine ziemlich seltene Verletzung und erfordert sehr viel Geduld. Diese Sehnen verbinden den Oberschenkel mit dem Knie, wurden in einer einer mehrstündigen OP vor einigen Wochen genäht und wachsen erst nach Wochen richtig zusammen. Die Physio-Phase dauert mehrere Monate.

Ich werde daher mit neuen Inhalten erst nach und nach in den kommenden Wochen hier zurückkehren und bitte Sie alle um ein wenig Geduld. Wenn Sie mehr über meine Genesungsprozess erfahren möchten, dann können Sie meine Beiträge in meinem Blog verfolgen.

Herzliche Grüße

Ihr Peter Killert

Pressemitteilung: PEN fordert Lesepakt

Zum Jahrestag der „Hamburger Erklärung“ am 15. August wiederholt der deutsche PEN die Forderung nach einem „Lesepakt“ und einem breiten gesellschaftlichen Bündnis vieler Akteure in Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Politik zur Förderung der Lesefähigkeit unserer Kinder.

Dass knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland nicht so lesen kann, dass der Text zugleich auch verstanden wird, und dass Deutschland im internationalen Vergleich unter dem EU- wie auch dem OECD-Durchschnitt liegt, ist ein Skandal, der nicht hingenommen werden darf. Hier sind alle aufgerufen gegenzusteuern, denen die Zukunft unseres Landes und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft am Herzen liegen. Es gefährdet die Demokratie, wenn ein beträchtlicher Teil der Bürger nur noch unzureichend oder gar nicht mehr sinnentnehmend lesen und somit gar nicht oder nur unzureichend mitreden kann.

Ob eine Aktion wie die der Stiftung Lesen, die zum Weltkindertag am 20. September gemeinsam mit Amazon, Thalia und Hugendubel 1 Million Märchenbücher verschenken will, wirklich dem Ziel der Leseförderung dient, mag freilich bezweifelt werden.

Hierzu sagte PEN-Präsidentin Regula Venske, die zu den Erstunterzeichnerinnen der von PEN-Mitglied Kirsten Boie initiierten und am 15.8.2018 veröffentlichten „Hamburger Erklärung“ zählt und die Erklärung mit 110.000 weiteren Unterschriften gemeinsam mit Kirsten Boie sowie Vertretern des Börsenvereins des deutschen Buchhandels am 6.12.2018 in Berlin an Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und den Präsidenten der Kultusministerkonferenz überreichte:

„Wer ernsthaft Leseförderung betreiben will, muss die betroffenen Kinder und ihre Familien dort abholen, wo sie sind. Dazu ist viel Hingabe im Kleinen notwendig, in Kitas und Schulen, in Stadtteilbibliotheken oder Buchhandlungen in manchmal schwierigem Umfeld, die derzeit massiv gegen drohende Schließungen kämpfen müssen, nicht zuletzt dank der Konkurrenz der großen Akteure, mit denen die Stiftung Lesen jetzt kooperiert. Die Kollegin Kirsten Boie moniert zurecht, dass die kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen, die sich für Lesefeste und -nächte einsetzen, Vorlesewettbewerbe veranstalten und ein zielgerichtetes Angebot machen, mit dem sie die Kinder persönlich und altersgerecht ansprechen, in diese Aktion nicht einbezogen worden sind (siehe ZEIT vom 1.8.2019). So stellt sich die Aktion der Stiftung Lesen vor allem als PR- und Marketing-Aktion von Amazon, Hugendubel und Thalia dar. Es wäre besser gewesen, wenn die Stiftung Lesen und ihre Mitstreiter den Betrag, den sie für diese Aktion aufgewandt haben, solchen Projekten zur Verfügung gestellt hätten, die sich längst in der Leseförderung engagieren und denen es in der Regel an Geld fehlt! Und noch etwas: Dass der Etat für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2020 um 533 Millionen gekürzt werden soll und dass bis 2023 sogar ein Minus von 2,3 Milliarden Euro geplant wird, muss in diesem Zusammenhang hochgradig empören.“