8. Mai 2022

Es ist immer sinnvoll, Inhalte und Form zu trennen. Das gilt in der IT in nahezu allen Bereichen – insbesondere aber bei der Gestaltung von Anwendungen und Medien. Dadurch entsteht Flexibilität und Wiederverwertbarkeit – die Form lässt sich jederzeit auf andere Inhalte anwenden oder der Inhalt wird in eine andere Form gebracht.

Im IT Bereich wird dies mit sogenannten “Auszeichnungsssprachen” erreicht. Dabei bilden diese Elemente jeweils sich ergänzende Paare. HTML zeigt z.B. den Inhalt einer Seite. CSS gestaltet dieses Inhalte. Oder bei Datenbeständen ist es XML, welches die Daten enthält und XSLT, was die Daten beschreibt.

In diesem Artikel möchte ich auf eine sehr pragmatische Lösung hinweisen, mit der sich der Buchsatz in LaTeX (das ist nichts unanständiges, sondern die eierlegende Wollmilchsau wenn es darum geht, hochwertige Texte, Grafiken oder Diagramme zu setzen) und Markdown realisieren lässt. Das Eine ist hochkomplex und soll nur als Container, als Form dienen, wohin gegen MarkDown super simpel ist und sich perfekt für das Runterschreiben von Text eignet – ohne sich mit Formatierungen auseinandersetzen zu müssen.

Der praktische Nutzen? Ich schreibe ein Buch und schreibe die Kapitel unterwegs oder auf der Couch mit einem simplen MarkDown Editor. Nur der Text und ich – nichts, was ablenkt. Mit LaTeX baue ich einen Container, in den ich diese Texte einbinde. Mache ich das alles in einem einzigen Verzeichnis für mein Projekt, welches mit der Cloud synchroniert ist, dann habe ich einen perfekten Workflow, der mir aber immer einen hochmotivierenden Einblick in mein sich entwickelndes Endprodukt liefert. Ich kompiliere einfach mein TeX Dokument und schon sehe ich den fertigen Buchsatz vor mir. Ich kann mehrere Container mit verschiedenen Dokumentklassen (in dem folgenden Beispiel nutze ich die Dokumentklasse “memoir”) anlegen und sehe immer sofort das Ergebnis in Echtzeit.

So sieht diese Containerdatei aus – ganz simpel ohne die vielen weiteren Möglichkeiten, die LaTeX bietet – bitte beachten Sie die Kommentare:

Ein einfaches LaTeX Grundgerüst – die Kapitel sind als einzelne MarkdownDateien eingefügt

Da bin ich also unterwegs, schreibe meine Texte auf meinem Tablet oder Laptop und kann an meinen Inhalten basteln – ohne Schnickschnack. Diese Container-Datei erzeugt dann ein fertiges, perfektes Buch.

Warum überhaupt LaTeX? Reicht Word oder Writer nicht aus?

Nein, ganz sicher nicht – wenn man einen perfekten Buchsatz haben möchte, bei dem z.B. letzte Silben eines Satzes nicht auf einer neuen Seite erscheinen oder Absätze unsauber auf der Seite verteilt sind. Das kann man mit einem Desktop Publishing Programm erreichen. Geht es aber primär um reinen Text, dann ist LaTeX die erste Wahl. DTP ist eher etwas für Magazine oder Prospekte, bei denen Texte nicht einheitlich platziert sind. Ich würde sogar sagen, dass DTP für den reinen Buchsatz eher umständlich ist.

Die Grundlage, um LaTeX nutzen zu können, ergibt sich aus der Installation von TexLive für Mac oder für Linux ist TexLive bereits Teil sämtlicher Linux-Distributionen (hier als Beispiel für Ubuntu). Für Windows gibt es MikTex – das ist eine Verwaltung der einzelnen Komponenten, die man dann als Packages (siehe Screenshot mit den \usepackage Befehlen) einbinden kann. Zu jedem Package gibt es Erklärungen und Beispiele in zahllosen Foren. LaTeX ist schon sehr alt und sehr ausgereift – das Ergebnis ist immer erstsahnigst.

Ich kann das Selfpublishern nur empfehlen. Mit einer Software wie “Setzer” unter Linux kann man die Änderungen in der TeX Datei in Echtzeit sehen und so in allen Details an seinem Dokument feilen.

Meine Beispiel-Datei als Ausgangspunkt für Ihre eigene Buchkomposition können Sie hier herunterladen und beliebig anpassen.