Amrum Tagebuch : Auf meiner Insel – 30.10.2021

Troisdorf Bahnhof 30.10.2021
Troisdorf Bahnhof, am frühen Morgen

Es ist immer dasselbe. Auch bei meiner 20. Fahrt nach Amrum beginnt die Reise mit der Ungewissheit, ob die Fähre erreicht werden kann. Trotz einer Umsteigezeit von mehr als einer Stunde in Niebüll zur NEG Bimmelbahn. Zur falschen Wagenreihung – meiner Meinung nach eines der größten Probleme der Deutschen Bahn – kam dann noch eine Streckensperrung hinzu. Schon in Köln hatte der Zug 45 Minuten Verspätung.

Hauptbahnhof Köln
Zug verspätet – lets gammel on the Domplatte herum
DB Navigator Aktualisierung
Solche Meldungen die ganze Zeit während der Fahrt

Ich saß im Zug in einem dieser Wagen, die aus zwei Teilen bestehen. Im vorderen Bereich Fahrradstellplätze und Klappsitze, der auch manchmal für die Kinderbetreuung genutzt wird. Zwei junge Mädels hatten da wohl ein Programm für Kinder vorbereitet – aber dieser Teil des Wagens wurde von zehn jungen Männern in Beschlag genommen, die schon gegen 9:30 Uhr in den Wagen reingetorkelt sind. Das „Wegbier“ (kein Fusspils, es war Früh-Kölsch) in der Hand. Bis Hamburg war dann Stimmung und wenn man zwischendurch mal in die Richtung der Prolls geschaut hat und davor die Mädels mit den T-Shirts „DB Kinderbetreuung“, dann hat das ganz gut gepasst. Traurig ist nur, dass die Maskenregelung dann für diese Prolls mit jedem Bier immer unwichtiger wurde. Ermahnungen wurde mit pöbelndem Gelächter quittiert.

Der Zug kam dann mit ziemlich genau einer Stunde Verspätung in Niebüll an. Da sich der Fahrplan der NEG auf den Winterfahrplan geändert hat, fuhr die Bimmelbahn etwas später ab – ich habe die anvisierte Fähre um 18:00 Uhr bekommen. Die Zeit habe ich genutzt, um einige Ergänzungen zu diversen Texten zu schreiben.

Dorfpoet - Mobile Work
Dorfpoet – Mobile Work

Manchmal denke ich, ich werde alt. Vor 20 oder 25 Jahren würde ich wahrscheinlich auch zu der Meute gehören, die dort gefeiert hat. Aber jetzt, so scheint es, beobachte ich mehr das Einhalten von Regeln, die zwar sinnvoll sind, aber mich nicht zum Moralapostel machen.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass ich alt werde: mir ist heute etwas passiert, dass mir so noch nie passiert ist und was ich, wenn ich es bei anderen Menschen mitbekomme, immer damit quittiere: „Wie kann man nur so doof sein.“

Ich stehe in Niebüll im Zug an der Tür des Zuges, der Zug fährt ein und alle werden es eilig haben, zum Anschlusszug zu kommen. Ich helfe zwei älteren Damen mit ihrem Gepäck, laufe den Bahnsteig entlang (ich musste mich schon ein wenig beeilen), als ich plötzlich merke, dass ich nur meinen Koffer ziehe, aber meinen Rucksack auf dem Nebensitz des Zuges vergessen habe. Das ist echt abgefahren. Der Rucksack, mit allen wichtigen Sachen, den man ja auf dem Rücken spürt, weil er super schwer ist – ich verlasse den Zug, lasse den Rucksack offensichtlich bewusst liegen und merke nicht mal, dass etwas Wesentliches fehlt.

Naja, ich habe so erfahren, dass ich wieder laufen kann. Also richtig schnell laufen – etwas was ich nur sporadisch seit meinem Treppensturz gemacht habe. Und ich habe jeden Muskel im Oberschenkel gespürt. Auf den letzten Drücker bin ich nochmal in den Zug gestürmt, habe den Rucksack geschnappt und mit dem Piepen der Tür, welches die Abfahrt der Zuges bedeutet, den Zug wieder verlassen. Jetzt musste ich sehen, dass ich rechtzeitig zur Bimmelbahn komme. Das hat dann auch so gerade geklappt.

Corona ist überall. Nicht nur im Zug, auch auf der Fähre. Dort gibt es keine Bedienung am Tisch, sondern nur Selbstbedienung. Kartoffelsalat auf einem Pappteller. Aber egal – man gönnt sich ja sonst nichts 🙂

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