Linux has taken over

Ich hatte so meine Phasen … mit Windows 3.1. Ende der 80er Jahre angefangen, dann eine erste Phase mit Linux gegen Ende der 90er Jahre, dann viele Jahre MacOSX, dann nochmal Linux und jetzt wieder – auch beruflich bedingt – nutze ich Microsoft Windows. Aber man schaut sich immer wieder die Alternativen an, was dank Virtualisierung zum Ausprobieren sehr einfach ist. Eines sticht jedoch heraus – Linux ist überall. Sogar in Windows.

Ich bin mit meiner Einschätzung nicht allein, aber für manche wirkt es wie dieser Aprilscherz, der vor einigen Jahren mal veröffentlicht wurde und denen viele gar nicht auf den Leim gegangen sind. Viele haben nach diesem Artikel an einem 1. April eine sachliche Diskussion zu dem Thema angefangen. Weil es tatsächlich nicht abwegig ist.

KDE Anwendungen unter Windows 10

Meiner Meinung nach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Microsoft den eigenen Kernel zugunsten eines Linux Kernels aufgeben wird. Was sich mit dem Linux-Subsystem für Windows schon angekündigt hat und sich mit der Plattform-unabhängigen Powershell fortsetzt, ist heute schon im Microsoft Store unter Windows 10 zu sehen: dank des Linux Subsystems laufen Linux Anwendungen vorzüglich unter Windows. Populäres Beispiel ist die Anwendung „Okular„, mit der sich unter anderem PDFs bearbeiten lassen. „Okular“ ist normalerweise Teil des KDE Desktops.

Dokumentbetrachter OKULAR  unter Windows 10

OKULAR – Der Dokumentbetrachter und PDF Editor des KDE Desktop lässt sich über den Microsoft Store problemlos für Windows 10 anwenden

Weitere Linux-Anwendungen unter Windows 10

Ein anderes Beispiel ist „Kate„, der KDE Editor für Programmierarbeiten aller Art, ebenfalls unter KDE. Diese Anwendungen laufen flüssig unter Windows 10, da sie auf dem QT-Framework basieren. Dieses Framework erlaubt die Entwicklung einer Anwendung auf einer beliebigen Plattform – das Endergebnis läuft auf allen bekannten Betriebssystemen. Das spart Entwicklungszeit und -kosten.

KDE Editor KATE unter WIndows 10

Der KDE Editor KATE lässt sich ebenfalls über den Microsoft Store für Windows 10 verwenden

 

Andere Beispiele sind der LaTex-Editor „Kile„, das Matheprogramm „LabPlot“ oder Visualisierungstool „Filelight„. Auch einige Anwendungen des anderen großen Desktops unter Linux („Gnome“) sind unter Windows zu Hause. Das bekannteste Programm ist sicher die Bildbearbeitung „Gimp“. Aber auch die Excel-Alternative „Gnumeric“ oder die Textverarbeitung „Abiword“ gibt es als Windows Versionen.

Vieles ist aber auch einfach nur Politik. Exemplarisch für die Notwendigkeit, den Unterbau von sämtlichen Computersystemen zu vereinheitlichen, ist das Zusammenspiel zwischen Desktop Programmen und mobilen Programmen. Das bedeutet derzeit noch, das der Quellcode für die Plattformen separat kompiliert werden muss – Mehrarbeit und zusätzlicher Support wird dadurch notwendig. Das QT-Framework schafft hier Abhilfe. QT wird von Trolltech entwickelt. Trolltech gehörte eine zeitlang zu NOKIA. NOKIA gehört zu Microsoft … den Rest kann man sich denken. Ebenso den Weg in die Nahe Zukunft und die Intention von Microsoft. Auch wenn ich diese Zusammenhänge jetzt sehr vereinfacht und verkürzt dargestellt habe.

Linux has taken over …

Ich kann das aus meiner eigenen beruflichen Umgebung bestätigen. Vor wenigen Jahren, waren Linux Server noch kein Thema. Dann aber kamen viele Unternehmen auf den Trichter, nicht die Software, sondern ihren Support zu verkaufen (Fedora, Canonical) und plötzlich war Linux das einzige Server-Betriebssystem. Android nutzt einen Linux-Kernel, MacOS basiert auf einem FreeBSD Unterbau mit Unix-kompatiblen Kernel. Und Windows hat ein Linux Subsystem, dass immer besser mit Windows Software interagiert. Microsoft muss nur noch Betonklötze wie die Registry und DirectX loswerden. Dann wird auch hier Linux dominieren. Windows in der jetzigen Form muss für Microsoft wie ein Klotz am Bein sein.

Linus Torvalds, der Initiator von Linux erklärt in diesem kleinen Ausschnitt, warum seiner Meinung nach LINUX nicht überall auf Desktop-Rechner genutzt wird. Die Antwort ist relativ simpel und einleuchtend: 99% der Nutzer haben weder Zeit noch Interesse daran, ein Betriebssystem zu installieren. LINUX auf Desktop Rechner vorinstalliert – solche Versuche hat es gegeben, solche Rechner gibt es mit grandioser Ausstattung. Es hat sich schlicht niemals durchgesetzt.

Fazit

Mit Windows ohne mobile Version und der Notwendigkeit, Verbindungen zu Android und IOS permanent separat zu unterhalten – dazu noch der eigene Windows Unterbau – wird Microsoft nicht weit kommen. Die Systeme werden sich langfristig angleichen müssen. Das bedeutet aber natürlich nicht das Ende des Softwaregiganten – im Gegenteil: schon jetzt verdient Microsoft richtig Kohle mit Azure und Office, das zurecht die führende Bürosoftware ist. Das wird so bleiben. Nur weil das Betriebssystem Open Source wäre, bedeutet das nicht das Ende der klassischen proprietären Software, Werden in Zukunft immer mehr Spiele unter Verzicht auf DirectX produziert, immer mehr Software mit plattformunabhängigen Frameworks, dann ist meiner Meinung nach klar, wohin die Reise geht.