Amanda Gorman : Die Wiedergeburt der Lyrik

Die allseits erwartete Eilmeldung – Joe Biden wurde als neuer US Präsident vereidigt – wurde gestern besonders in den sozialen Medien durch den Vortrag einer jungen Frau abgelöst. Ein Ereignis, das es so noch nie gegeben hat.

Amanda Gorman hat mit ihrem Gedicht „The Hill We Climb“ Geschichte geschrieben.

Wenn wir die deutsche Übersetzung einfach so runterlesen, dann verstehen wir zwar die Bedeutung der Worte und verstehen sicher, dass diese Worte den Zeitgeist treffen. Aber das ist nicht alles. Was für eine klare, phonetisch brillante Darbietung! Jederzeit könnten die Worte schneller, dramatischer vorgetragen werden. In jedem Satz lauert das Potenzial einer Anrührung, die wunderbar sich selbst mit Gestik im Zaum hält, ohne zu explodieren, ohne zu implodieren. Ein unfassbar guter, souverän durchdachter Vortrag, der seine Stärke ganz allein in den Worten hat – mal mit sauberen Reimen, mal mit phonetischen Raffinessen. Etwas, das sofort, in demselben Moment, in dem man es hört, zu Erinnerung wird. Etwas, wonach sich jeder Slampoetry Akteur sehnt, aber selbst mit den passenden Worten niemals einen passenden Rahmen findet. Etwas, was jemand, der selbst Stimmungen mit Gedichten einzufangen sucht, sehr wohl beurteilen kann.

Amanda Gorman beginnt ihren Vortrag und jeder spürt sofort, dass ist etwas ganz Besonderes.

Dafür gibt es das Wort „Masterpiece“ und ich bin sowas von gespannt, was die junge Frau noch zu leisten im Stande ist.