Moonshots

Es ist ja nicht, so dass ich mir nichts gönnen würde. Und es ist auch nicht so, dass ich mir nur noch eBooks anschaffe. Denn wenn es um Bildbände geht, sind eBooks lächerlich. Selbst auf hochauflösenden Tablets. Bildbände sind eine Komposition. Ich wasche mir die Pfoten, damit sie möglichst fettfrei sind, stelle die Leselampe auf der Couch auf Maximum und lese. Und schaue. Und staune.

Da ich letztes Jahr von allem begeistert war, dass sich um die Mondlandung vor 50 Jahre drehte, habe ich mir natürlich angeschaut, welche Bildbände zu diesem Thema existieren.

Ich ringe schon lange mit mir, die „NASA Archives“ zu kaufen. Das ist der offizielle Bildband der NASA aus allen bisher relevanten und wichtigen Jahrzehnten. Diese Archives sind eine Mordwaffe, so riesig und schwer ist dieses Buch. Ein gigantischer Bildband mit einem gigantischen Preis. Für die Hälfte des Preises gibt es eine abgespeckte Version – dazu konnte ich mich dann durchringen. „Moonshots“ versammelt die weltbekannten Aufnahmen, die mit Hasselblad-Kameras von den Gemini und den Apollo Missionen gemacht worden sind. Die Hasselblad Kameras wurden dabei mit den besten Objektiven, die jemals produziert wurden, bestückt. So wurden die Kameras der schwedischen Firma Hasselblad mit weltweit führender Technologie ergänzt – und die kam von Carl-Zeiss, direkt vom Klassenfeind. Neben den für sich sprechenden Fotos war es auch die einfache Handhabung der Kameras. Statt einen Film aus der Kamera zu friemeln – wie sollten die Astronauten das auch mit ihren Handschuhen bewerkstelligen – wurden Kassetten mit dem Kameragehäuse verbunden.

Diese Kombination – Hasselblad und Carl-Zeiss – wurde durch Zufall entdeckt. Der Legende nach nahm der Astronaut Walter Schirra – späterer Kommandant des Apollo-Weihnachtsfluges von Apollo 7, der ersten Mondumrundung – diese Kamera mit auf eine Gemini-Mission. Er verzichtete auf die bis dahin bevorzugten Minolta Kameras. Die Bilder, die er machte, machten die Entscheidung der NASA leicht, mit welcher Technik man diese bis heute unglaublichste Mission der Menschheit dokumentieren würde. Dieses Foto zeigt Schirra mit seinen Kollegen, wie er eine Hasselblad im Beisein von Deke Slayton (einer wichtigsten Entscheidungsträger bei der NASA damals) präsentiert.



Die Originale der Fotos sind in mittlerweile in klimatisierten Archiven untergebracht. Piers Bizony, der Autor dieses und anderer Bücher, hat diese Fotografien für die verschiedenen Bildbände komponiert.

Viele der Fotos kennt man bereits: Armstrong kurz nach der Mondlandung in der Fähre, die über dem Mondhorizont aufgehende Erde oder Buzz Aldrins Hintern, wie er die Landefähre hinabsteigt. Wie schon bei dem bearbeiteten Film von Apollo 11 gewinnt man hier den Eindruck, als wäre man direkt dabei. Eine unglaublich gute, zeitlose Fotoqualität. Das Buch ist jeden Cent wert. Man kann viele Stunden damit verbringen, wenn man wieder und wieder die Bilder von Anfang bis Ende durchschaut. Und staunt. Und träumt. Einfach fantastisch in jedem erdenklichen Sinn. Am Ende des Buches macht man explizit darauf aufmerksam, dass das Buch keine Werbebroschüre für Hasselblad ist – ein Eindruck, der sich nicht vermeiden lässt.

Da ich hier nicht einfach Fotos aus diesem Buch zeigen kann, verweise ich auf die Seite „Hasselblad in Space“ – die offizielle Seite dieses Kamera-Herstellers. Einfach runterscrollen und man bekommt einen Eindruck von den Dimensionen in der eigenen Fantasie, die durch diese Fotos eröffnet werden.