Auf meiner Insel – 10.09.2018

Dorfpoet at Work
Dorfpoet at Work

Eine Woche ist schon rum — es bleiben nur noch wenige Tage und dann ist dieser Urlaub auch schon wieder vorbei. Es ist jetzt der dritte Tag, an dem ich mich mit meinem 2. Roman beschäftige, an dem ich jetzt schon seit knapp drei Jahren arbeite. Nicht kontinuiuerlich — es gab immer wieder Pausen dazwischen. Vor meinem Urlaub hatte ich den Eindruck, dass noch ca. 1/3 an reinem Rohtext fehlen, d.h. einige Kapitel fehlen komplett oder waren bisher nur angedacht. Es sind die Kapitel, zu denen mir Hintergrundinfos fehlen — die fehlen nicht ohne Grund. Die wichtigste Nebenfigur ist ein Mensch, den es tatsächlich gibt (oder gab, über seinen Verbleib ist nichts bekannt) und er taucht in mindestens zwei wesentlichen Ereignissen bzgl. der Entwicklung des Verfassungsschutzes auf. Sein wirklicher Name ist nicht bekannt, es gibt nur ein verschwommenes Foto von ihm und seine beiden Decknamen finden sich in so bekannten Büchern wie “Der Lockvogel” und “Der Baader-Meinhof-Komplex” (beide von Stefan Aust), aber auch in diversen anderen Publikationen zu dieser Thematik. Diese Person namens Peter Rühl alias Michael Grünhagen hat als Mitarbeiter des Verfassungschutzes die Tatwaffe am Mord an einem Studenten namen Ulrich Schmücker verschwinden lassen. Schmücker war von Rühl auf sehr perfide Art und Weise als Lockvogel für die Führungsriege der “Bewegung 2. Juni” angeworben worden und von radikalen Linken im Mai 1974 in Berlin erschossen worden. Schmücker hatte Rühl geradezu angebettelt, ihn vor diesem Mord zu schützen. Schmücker jedoch wurde mit einer Pistole aus dem 1. Weltkrieg hingerichtet — vermutlich im Beisein eines oder mehrerer V-Männer.

Dieser Peter Rühl alias Michael Grünhagen ist eine Nebenfigur in meinem Roman, aber eine Schlüsselfigur in der Verbindung zwischen meinem Protagonisten und den harten, belegbaren Fakten einer spannenden Zeit im Nachkriegsdeutschland.

Was mich nun beschäftigt ist vor allem die Frage, warum ein Mensch so einen Job macht. Der erste oberflächliche Gedanke zielt auf so eine Art James Bond Charakter ab, eine Art anziehendes Agentendasein. Beschäftigt man sich aber mit der Frage, welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten so ein Mensch haben muss, dann rückt man ganz schnell von diesem Pseudo-Image ab. Man kommt zu dem Schluss, dass alle Entscheidungsträger und Strippenzieher eines Nachrichtendienstes ganz zynische, emotionslose Realisten sind, die sich weder untereinander, noch Menschen in ihrem spärlichen sozialen Umfeld vertrauen. Es müssen sehr intelligente, rationale Menschen sein. Und daraus ergibt sich die Frage der Herleitung eines solchen Charakters. Wie finden sich solche Menschen? Wie kommen sie an die Kreuzungen ihrer Lebenswege? Das wiederum führt zu multikausalen Erklärungen. Multikausale Erklärungen führen zu komplexen Erzählperspektiven. Komplexität verlangt dem Leser einiges ab. Ich hadere also quasi schon jetzt mit dem, was in der Nachbearbeitung des fertigen Textes auf mich zukommen wird. Die Handlung rundmachen, die Komplexität abschwächen und vielleicht viele der gerade in diesem Urlaub geschriebenen Absätze aus dem finalen Text herausstreichen.

Im Dezember, zum Jahreswechsel, bin ich wieder auf der Insel. In diesen Tagen wird die Rohfassung des Roman abgeschlossen werden.

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