Auf meiner Insel – 29.05.2017

Zu einem Urlaub gehört immer auch die Lektüre. Es standen bei mir nur zwei Bücher an. Clemens Meyer „Die Stillen Trabanten“ und Sven Sturm „Ab nach draußen“ – wobei letzteres ein Bildband ist, der rechtzeitig zu meinem Urlaub hier erschienen ist.

Clemens Meyer

DIE STILLEN TRABANTEN

Clemens Meyer ist ein sehr fleißiger Schriftsteller, von dem immer wieder Rezensionen auf ZEIT.de oder den einschlägigen Blogs auftauchen. Ich hatte irgendwann mal angefangen einen Roman von ihm zu lesen, habe den aber nach einer Weile beiseitegelegt. War irgendwie nix für mich und kann so auf Anhieb auch nicht mehr genau sagen, was mich gestört hat.

„Die stillen Trabanten“ ist eine Sammlung kleinerer Erzählungen. Wer jetzt spannende Geschichten mit einem krimihaften Plot erwartet, wird enttäuscht werden. Meyer muss man eher wie einen Chronisten lesen und verstehen. Dabei haben alle Geschichten etwas gemeinsam: es geht immer um ganz einfache Menschen, die mit anderen in Interaktion treten, was immer zur Reflexion einer ganz bestimmten Vergangenheit führt. Der alte Mann, der von der Strandbahn erzählt im ausgehenden 2. Weltkrieg, irgendwo an der Ostsee. Flüchtlinge kommen an, der Krieg kommt näher und die Geschichte endet mit einem Unglück, von dem der Auslöser nicht genannt wird. Aber man kann es sich denken. Man kann sich so vieles denken in den Geschichten. Die Menschen in Meyers Geschichte sind nicht selten irgendwo zwischen Traum und Realität gefangen – das geistige Auge als Projektionsfläche von Zeit und wir dürfen diese Projektionsfläche zu unserer eigenen machen. Eine interessante Sammlung von Geschichten. Anspruchsvoll. Für Menschen, die sich einfach nur von Literatur unterhalten lassen wollen, ist das gerade im Urlaub nicht unbedingt die richtige Lektüre. Wer Schriftsteller mag, die – ich benutze mal eine ganz platte Vokabel – die ´Vibes´ einfangen und wiedergeben können, für die ist so ein Buch genau richtig.

Mehr Infos auf zeit.de

Sven Sturm

AB NACH DRAUSSEN

Das zweite Buch ist ein Bildband. Es zeigt die Fotos des Amrumer Inselfotografen Sven Sturm, den man hier des Öfteren sehen kann, wie er seinem Hobby nachgeht. Sven Sturm wohnt auf Amrum, kam hier als Lehrer auf die Insel und widmet sich in seiner Freizeit der Naturfotografie. Er war schon in einigen Fernsehsendungen zu sehen – für mich besonders interessant, weil ich zufällig zu Hause in Troisdorf beim Zappen einen dieser Berichte gesehen habe. Und kurz vorher, als ich mal wieder auf meiner Insel gewesen bin, habe ich Graugänse mit ihrem Nachwuchs auf den Salzwiesen im Norden Amrums gesehen. Da habe ich mir noch gedacht, wie genial es wäre, jetzt mit einem guten Objektiv auf der Lauer zu liegen. Und genau so eine Szene zeigte der Bericht über den Amrumer Inselfotografen.

Das bedeutet quasi, dass ich als Hobbyfotograf im Grunde genau solche Fotos selbst auch machen möchte. Natürlich nicht als Kopie, natürlich mit anderen Schwerpunkten, aber im Grunde zeigt Sven Sturm mit diesem Buch, wie es geht. Das ist Inspiration pur. Ausprobieren, sich Zeit nehmen und die richtigen Momente abwarten. Das Ergebnis sind dann nicht einfach irgendwelche Fotos, wie man sie von Postkarten oder Postern kennt – solche Fotos kriegt man hier auf Amrum ziemlich schnell auch als Hobbyfotograf zustande. Es sind immer besondere Fotos, teilweise mit enormen Aufwand produziert: Die Kamera direkt am Möwennest, der Austernfischer, der die Möwe verjagt, welche das Gelege plündern wollte oder der Spielplatz hier in Wittdün bei einem der beiden schweren Herbststürme in den letzten Jahren. Ausnahmslos tolle Aufnahmen – eine Art „Best-Of“ von jemandem, der für seine Passion lebt.

Das Buch zeigt neben den Fotos auch erklärende Texte in Deutsch und in Englisch – eine gute Idee, denn ich sehe oder höre sehr oft Menschen hier auf Amrum, die nicht nur Deutsch sprechen. Das Buch ist damit auch ein guter Begleiter für neugierige Urlauber aus anderen Ländern. Sturm stellt außerdem eine Reihe von Menschen vor, die ebenfalls eine Liebe für diese Insel entwickelt haben.

Das Einzige, was ich an dem Buch bemängeln würde, ist das Papier. Es ist kein Hochglanzpapier, was in meinen Augen die Fotos noch besser zur Geltung gebracht hätte. Es gibt ein oder zwei Bilder, die wären auf Hochglanzpapier ganz sicher schöner – aber das ist vielleicht auch ein wenig Geschmackssache. Mit dem Kauf des Buches wird übrigens auch das Naturzentrum auf Amrum unterstützt.

Das Porträt von Sven Sturm auf ndr.de

www.sturmaufamrum.de