Tag der Ernüchterung

Meine erste Outdoor Fotosession mit der neuen Kamera. Meine erste Fotosession überhaupt, bei der ich mich voll auf manuelle Kameraeinstellungen konzentriert habe. Das Ergebnis: totale Ernüchterung. Theorie sehr gut, Praxis mangelhaft. Ich würde jetzt gerne schreiben, dass es an der Kamera liegt – das ist aber nicht der Fall. Ich bin noch ganz weit davon entfernt, die theoretischen Grundlagen der Kamera wirklich brauchbar anzuwenden. Fakt ist, dass die Kamera fantastische Fotos macht, wenn man die Automatik ihre Arbeit machen lässt.

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Die Kamera kann was – es scheitert (noch) am Fotografen.

Ernüchterung bedeutet aber auch, dass ich einiges gelernt habe. Es ist mir durchaus gelungen, bei einem fließenden Gewässer (eine Ente hat im Leyenweiher ein paar Tauchübungen gemacht und dabei das Wasser in Wallung gebracht Winking smile) die Wasserbewegung einzufangen und den Hintergrund scharf zu halten. Mit Stativ und einer Belichtungszeit von 1/2 Sekunde geht das. Das war dann aber auch das einzige Erfolgserlebnis.

In den Waldgebieten rund um Troisdorf gibt so viele schöne Motive. Eines davon hat sich geradezu aufgedrängt, um mit der Zeitautomatik zu spielen, d.h. man gibt der Kamera eine Blende vor und die Kamera berechnet die Belichtungszeit. Je nach Brennweite ergibt sich dann eine gewisse Schärfentiefe. Ich wollte die Weite des Blickes in einen Wald mit lauter Bäumen mit recht dünnen Stämmen einfangen – es ist nicht das herausgekommen, was ich haben wollte. Lediglich eine Variation der vielen ausprobierten Einstellungen kam dem nahe, was die Automatik vorgegeben hat. Aber ich wollte ja eben über die Automatik hinaus gehen – genau dieses Motiv war perfekt für das, was gute Fotografie von exzellenter Fotografie abheben lässt.

Richtige Profis lösen das Problem eines Schatten werfenden Waldes mit Sonnenlicht im Hintergrund, das durch die Bäume strahlt und alle Einstellungen zu einem Glücksspiel werden lässt, mit Gegenlichtkorrekturen und sogenannten Belichtungsreihen. Aber bis ich das verstanden habe, wird es noch etwas dauern. Die Bäume laufen ja nicht weg – eines Tages wird es so weit sein und ich mache ein Foto des Waldes, so wie ihn das Auge in seiner ganzen Tiefe wahrnimmt.

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Keine der ausprobierten Varianten hat zu dem gewünschten Ergebnis geführt … .

Zu den positiven Erkenntnissen zählt auch, dass ich in 10 Minuten Fahrradentfernung mit dem Leyenweiher eine perfekte Foto-Location zum Üben gefunden habe. Noch viel wichtiger sind aber diese beiden Erkenntnisse: ich brauche ein vernünftiges Stativ und mindestens einen Ersatzakku. Zum Thema Stativ hatte ich bisher eine ziemlich arrogante Meinung – ich habe immer gedacht, dass die großen, teuren Stative jenseits der 200,- EUR nur etwas für Schwanzprothetiker sind und gar nicht sein müssen. Mein Stativ für 20,- EUR tut es doch auch. In der Wohnung ausprobiert, alles super. In freier Wildbahn – ich habe meine ersten Fotos mit Stativ auf einer großen abgelegenen Wiese in der Wahner Heide gemacht – sieht das anders aus. Auch hier die totale Ernüchterung. Kleinste Unebenheiten lassen das Stativ schon wackeln. Kommt nur ein wenig stärkerer Wind auf, ist das Stativ kein Stativ mehr, sondern nur noch hinderlich. Dieses Stativ ist völlig unbrauchbar. Als ich mir dann in einem Laden heute ein richtiges Stativ angesehen habe, waren mir die Unterschiede sofort klar. Ich verstehe jetzt auch, warum es verschiedene Stativköpfe gibt und welchen Zweck sie haben. Wie mag sich mein 20,- EUR Stativ dann wohl auf Amrum im Kniepsand schlagen? Nun, eine Antwort auf diese Frage wird es nicht geben. Hier muss ich vor meinem nächsten Urlaub also noch etwas investieren, keine Frage.

Der Akku hält angeblich für 600 Bilder. Im Sonnenschein im “Live View” – das Motiv wird nicht im Sucher, sondern in dem sehr genialen, schwenkbaren Monitor angezeigt – muss die Helligkeit auf Maximum eingestellt werden. Nur so lassen sich Motiv und alle Einstellungen erkennen. Der Monitor zieht dann richtig Saft. Ich wäre heute noch länger unterwegs geblieben, wenn ich einen Ersatzakku gehabt hätte.

Ich lebe ja seit meiner Geburt in Troisdorf. Ich habe heute mit Entsetzen festgestellt, wie wenig mir die Wahner Heide, die Waldgebiete nördlich von Troisdorf und Siegburg überhaupt bekannt sind. An dem Leyenweiher war ich heute überhaupt das erste Mal. Ich sollte mich viel mehr mit der schönen Natur hier vor der Haustür beschäftigen. Mal schauen, wie das Wetter die nächsten Tage wird … .

(Meine Einträge zum Thema Fotografie haben jetzt auch eine gleichnamige Rubrik und können gezielt über das Menue rechts aufgerufen werden.)

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