GIF it to me – Neues von der Bloggerin

Menschen entwickeln sich und die Techniken, wie sie sich der Welt mitteilen, weiter. So auch die Bloggerin, die ich vor einigen Monaten schon einmal entlarvt habe. Das Positive vorweg: Die Bloggerin hat sich weiter entwickelt. Negativ: in keine wirkliche Richtung, wie bei allen Entwicklungen zuvor. Das ist etwas, was einfach dem Zeitgeist geschuldet ist. Sie hat wieder die halbe Welt bereist. Wenn sie überall auf der Welt gleichzeitig sein könnte, sie wäre es.

Sie vermeidet es tunlichst, auf ihre Männer einzugehen. Wenn ich mal ihren latenten Zwangs zu „Erleben“ und nicht nur zu „leben“ als unabänderliche Gegebenheit hinnehme und 90% der Männer, über die sie immer nur beiläufig schreibt, weglasse, so komme ich doch auf mindestens sechs Männer in den letzten fünf Monaten. Hündinnen sind läufig. Sie ist beiläufig.

Damit kein Mißverständnis entsteht: es ist völlig OK, wenn sich eine Frau so verhält, wie es Männer seit Jahrhunderten tun. Scheiß auf die Monogamie. Aber bei ihr ist es so furchtbar… beiläufig. Schlimmer noch. Diese Beiläufigkeit ist ein Stilmittel.

Natürlich ist sie nicht bei Facebook. Natürlich nicht bei Google. Sie ist bei tumblr - solange es noch hip ist. Bei tumblr ist ein Stilmittel das animierte GIF, das von seinen Usern gepostet wurde. GIF bedeutet „Graphic Interchange Format“ und wurde Ende der 80er Jahre von Compuserve entwickelt. Das Format kann 256 Farben und Transparenz dastellen. Man kann es außerdem in Einzelbilder aufteilen, so daß kleine, speicherschonende Animationen entstehen - ein Witz im Zeitalter von YouTube. Aber, es ist ein Trend. Jenseits des Mainstreams. Beiläufig. Die Bloggerin ist dabei. Ein re-animiertes(!) GrafikFormat.

Es gibt noch einen weiteren Trend. Sie will die Grammatik neu definieren und lässt das Subjekt in nahezu jedem Satz weg. Sie lebt ja nicht. Sie erlebt. Sie klammert sich aus und reiht ihre Erlebnisse aneinander. Der Blog verkommt zum Protokoll. Und durch die Aneinanderreihung von Bildern (und animierten GIFs) glaubt sie, einen Stil gefunden zu haben. Ein monatsübergreifender Blogeintrag von einer ihrer Reisen klingt dann etwa so:

Keinen Badeanzug getragen. Die Nächte waren Tage. Glühwürmchen im Sommerhimmel. Frische Erdbeeren auf meiner Waffel. Mich auf einen Freund gefreut und ihn dann vergessen. Am Bahnhof gesessen und die Verspätung des Zuges gar nicht mitbekommen. Vormittags im Bett SEINFELD, die erste Staffel angeschaut. usw. usw.

Dinge, die normale Menschen ab und an erleben. Alle paar Jahre mal. Und Banalitäten. Und überraschende Implikationen von Ignoranz, von eigener, im Kontext des ständigen Erlebens verblüffend plausibler Egozentrik.

Das ist ganz arm. Ich bin mir sicher: diese Bloggerin sitzt zu Hause. So wie einst Whoopie Goldberg in „The Telephone (1988)“. Sie telefoniert, transportiert ihre Welt nach außen, in unzähligen Gesprächen, der Zuschauer wird unterhalten und am Ende stellt sich heraus, dass der Telefonanschluss seit Wochen abgeschaltet ist. Sie lebt in ihrer eigenen Welt. Alleine. Ganz alleine. So wie meine Bloggerin. Das Schlimme daran: sie ist noch das Kreativste, das Faszinierendste, was es an weiblichen Wortführerinnen im Internet gibt.

Die Bloggerin macht es wie Whoopi Goldberg. Internet statt Telefon. Sie klumpt sich ihre Eindrücke aus den Erfahrungen anderer zusammen und vermittelt nach außen den Eindruck eines ereignisreichen Daseins. Das sieht man immer häufiger. Frauen, die einem Stereotyp entsprechen wollen. Oder - und darin unterscheidet sich die Bloggerin von diesen Frauen auch qualitativ ein wenig - die alles dafür tun, nicht stereotyp sein zu wollen. Bis hin zum Selbstbetrug. Was mag aus so einer Frau werden, wenn sie stereotype, konservative Werte verinnerlichen muss, weil ihre biologische Bestimmung es verlangt? Vielleicht erleben wir das ja eines Tages. Ich verfolge sie weiterhin, die Bloggerin, und lasse die Welt wissen, wenn sie über ihren ersten positiven Schwangerschaftstest bloggt. Ich schreibe es bei tumblr. Vielleicht finde ich ein passendes GIF.

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