The Hooded Man

Wer Anfang oder Mitte der 80er Jahre Kind war, der wird sich an diese Serie sicher dunkel erinnern. Es ist dann wie so oft mit Dingen, die das Hirn schon gelöscht hatte und die dann plötzlich wieder zurückkommen. Das ist mehr als nur eine Erinnerung. Es ist das erneute Empfinden von einer Zeit, einer Atmosphäre.

Von Peter Killert.

 

So geht es mir, wenn ich diese Serie anschaue. „Robin Hood – The Hooded Man“ im Original, mit den Drehbüchern des legendären Richard Carpenter. Bis heute eine der vielleicht besten Interpretationen der Legende von Robin Hood.

Drei Staffeln wurden zwischen 1983 und 1985 produziert. Am Ende der zweiten Staffeln stirbt Robin von Loxley, gespielt von Michael Praed, den Heldentod. Michael Praed liess sich aus der Serie herausschreiben, um beim „Denver Clan“ Karriere zu machen – leider die falsche Entscheidung. Ersetzt wird er durch Robert von Huntington, gespielt von Jason Connery, dem Sohn der James Bond Legende. Er fügt sich als neuer Robin Hood und neuer Anführer einer Gruppe Gesetzloser im Sherwood Forrest nahtlos in die geniale Atmosphäre der Serie ein.

Technisch mögen die DVDs für anspruchsvolle Zuschauer vermutlich eher enttäuschend sein. Ich hingegen empfinde das Beibehalten des ursprünglichen Formates nur konsequent und keineswegs abträglich – im Gegenteil. Ein nostalgischer Stoff, vorzüglich inszeniert, braucht keine nachträglichen Spezialeffekte. So unterscheidet sich diese Serie von anderen Kultserien wie „StarTrek“, deren Original digital neu abgetasted und remastered wurde.

Robin Hood wurde nicht wirklich bearbeitet. Einen modernen Fernseher muss man auf das 4:3 Format umstellen. Einziges zusätzliches Feature sind Szenen, die in der synchronisierten Fassung im deutschen Fernsehen nicht zu sehen waren. Diese wurden hier eingefügt und mit deutschen Untertiteln versehen. So kann es mitten in einer Folge passieren, das plötzlich die Sprache wechselt. Es gibt die Serie in zahlreichen Formaten. Wer nur ein bisschen Nostalgie ins Wohnzimmer holen möchte, kauft nur eine Staffel – es gibt aber auch einen DVD Box mit allen Folgen auf 10 Silberscheiben.

Die Handlungsabläufe dieser Serie sind natürlich vorhersehbar. Die dramaturgischen Ansprüche an Fernsehserien haben sich in den letzten 30 Jahren doch erheblich verändert. Es ist beinahe niedlich, wenn die zuletzt mit Kinderohren gehörte Musik der Band „Clannad“ einsetzt und eine nahende Actionszene ankündigt. In den 80ern war eben das Orientieren an der klassischen Tragödie (Welcher Stoff passt das besser, als Robin Hood?) das beste Werkzeug, um Spannung zu erzeugen.

Weiteres Highlight ist eine einstündige Doku mit zahlreichen Interviews der Schauspieler und Macher Serie. Allerdings ist die Doku Ende der 90er Jahre gedreht worden und selbst schon Teil der Nostalgie. Aber sie ist umso wertvoller, als dass ein Richard Carpenter oder ein Robert Addie – er verkörperte die Rolle des „Guy of Gisburne“, Handlanger der Sheriffs von Nottingham und direkter Widersacher von Robin Hood – heute nicht mehr von ihren Eindrücken rund um den Dreh dieser Serie erzählen könnten. Die beiden leben leider nicht mehr.

Einige der Akteure von damals sind auch heute noch in Serien oder in Nebenrollen von Hollywood Produktionen zu sehen (Ray Winstone alias Will Scarlet). Andere sind völlig in der Versenkung (Judi Trott alias Lady Marion) verschwunden und man hat schon seit mehr als zwanzig Jahren nichts mehr von ihnen gehört. Wieder andere spielen erfolgreich Theater (Michael Praed alias Robin von Loxley)

Wer sich ein Stück grandioser 80er Jahre TV Geschichte zurückholen möchte, findet in dieser Serie genau das Richtige.

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