Schatten der Vergangenheit? – Teil 2

Ich habe mich heute den ganzen Tag mit den alten Dokumenten zu meinem Großvater beschäftigt. Es gab da einen Ordner, der einige Zeugnisse und Urkunden umfasst, den ich nur überflogen hatte. Das sind hauptsächlich Heirats- und Sterbeurkunden. Nichts Aufregendes.

Wehrpaß von Franz Killat – man beachte die Namensänderung

Einige Dokumente waren dann aber doch interessant. Es gibt da einen „Major Fischer“, dem mein Großvater im 1. Weltkrieg wohl das Leben gerettet hat. Möglicherweise steht das im Zusammenhang zu der Auszeichnung, die er im 1. Weltkrieg erhalten hat.

Franz Killat hat an der „Schlacht von Tannenberg“ teilgenommen. Es ist ein Zufall, dass dieses Ereignis im Mittelpunkt meines ersten Romans „Amor Simplex“ steht. Aber vielleicht gibt es wirklich keine Zufälle …?

Ich habe daher eigens eine Seite zur Ahnenforschung eingerichtet, auf der ich auch zur Kontaktaufnahme ermuntere. Die Fragen, die mich beschäftigen, sind dort zusammengefasst:

Aber zurück zu meinem Eintrag von gestern und den beiden Hinweisen, die ich zu Franz Killat gefunden habe: Beide Einträge sind natürlich widersprüchlich. Wenn der Leserbrief korrekt ist, dann ist mein Großvater 1945 in Königsberg ums Leben gekommen. In diesem Fall interessieren mich die genauen Umstände – denn wie schon erwähnt, diese Nachricht ist neu. Zwischen „Verschollen“ und „Verstorben“ liegt die Gewissheit. Gewissheit sind Tatsachen, die ich gerne erfahren würde.

Der zweite Eintrag, der auf einen Franz Killat aus Reutlingen hindeutet, wirft natürlich die Frage auf, ob mein Großvater unter seinem alten Namen weitergelebt hat. Wenn ja, warum hat er das getan? Dafür könnte es zwei Gründe geben:

1.) Er wollte die Vergangenheit hinter sich lassen und ein neues Leben beginnen. Franz Killat war bereits das zweite Mal verheiratet. Vielleicht hat er die Gelegenheit genutzt und ist aus einer vielleicht gescheiterten zweiten Ehe geflohen.

2.) Franz Killat war kein Mitläufer. Von der Oma, also seiner Ehefrau, wurde mir von meinem Vater erzählt, dass sie eine sehr naive, aber glühende Nationalsozialistin war. Angeblich hat sie bis zum Schluss geglaubt, dass „der Führer“ bis zum letzten Atemzug kämpfend für Deutschlang gefallen war. Auch von einem ihrer Söhne aus erster Ehe existieren haarsträubende Briefe an meinen Vater, in dem dieser zu dieser „guten alten Zeit“ bekehrt werden soll.
Diese These – und die halte ich für plausibel – stützt sich auch auf die Funktion meines Großvaters. Er hatte einen militärischen Dienstgrad und war darüber hinaus zuletzt „Hauptwachtmeister der Landespolizei“. Diese sogenannte „Schutzpolizei“ war für die Organsation all der Dinge verantwortlich, die der Deutschen Geschichte zurecht wie ein Makel anhaftet. Er wäre mit Sicherheit niemals in Gefangenschaft gegangen – man hätte mit ihm kurzen Prozess gemacht. Taucht dann der Name Anfang der 60er Jahre in einer Todesanzeige auf – wem würde das schon auffallen? Heute fällt es auf, denn das Internet stellt Zusammenhänge her, die jahrzehntelang verborgen waren.

Welche Aufgabe mag ein Revier-Leutnant der Schutzpolizei gehabt haben?

Naja, vielleicht liege ich auch falsch und es gibt tatsächlich mehrere Killats. Mal schauen, welches Feedback ich in der Zukunft erhalte.

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