Crouton vs. Chrubuntu

Zur Abwechslung mal wieder etwas Technisches. Ich hatte ja vor einiger Zeit von dem Samsung Chromebook geschrieben, dass ich mir für unterwegs gekauft hatte. Es ist ein sehr günstiges Notebook, sehr leicht und dank ARM Prozessor (der normalerweise nur in Handys oder Tablets genutzt wird) sehr ressourcenschonend. Lange Akku-Laufzeiten machen das Gerät sehr mobil. Mit der 3G Variante und eingebautem UMTS Modem ist man wirklich überall online.

Nachteil ist das ChromeOS, was nicht mehr ist als ein Linux Kernel mit Chrome-Browser. Alle Anwendungen sind Links zu Online-Diensten. Das ist für den Hausgebrauch sicher ausreichend. Aber was, wenn man auf die Idee kommt, den Linux-Kernel für herkömmliche Linux-Distributionen zu gebrauchen? Oder lassen sich sogar die großen Distros eigenständig installieren, sofern es sie für ARM-Prozessoren gibt? Für beide Ansätze gibt es Lösungen.

Crouton
Crouton ist eine Lösung, die den Kernel von Chrome OS nutzt und für Ubuntu (XFCE) und seinen Anwendungen „missbraucht“. Die Installation ist sehr einfach und auch für jeden Laien zu bewerkstelligen. Großer Vorteil: Chrome OS und Linux laufen parallel. Mit einem Tastendruck kann hin und her gewechselt werden.

Nachteil: Crouton ist kein eigenständiges Linux sondern simuliert ein Root-System. Geht es darum, mehrere User anzulegen, ein ständig aktuelles System haben zu wollen oder tiefere Eingriffe in das System vorzunehmen, dann stösst man mit Crouton an seine Grenzen. Beispiel: Die Hardwarebeschleunigung auf dem Samsung Chromebook funktioniert nicht (auch bei Chrubuntu, siehe unten, keine Chance). Das bedeutet, dass der klassische Gnome-Desktop die erste Wahl ist, statt der missratenen Unity-Oberfläche von Ubuntu. Es ist mir nicht gelungen, das System unter Crouton so zu verändern, dass ich z.B. ohne großen Aufwand die Größe der Icons der Launchbar hätte ändern können. Einfache Einstellungen also bereiten bereits große Probleme. Ebenso war es mir nicht möglich, die Sprache von Englisch auf Deutsch umzustellen. Die Installation der Sprachpakete machte Ärger.

Wer allerdings eine einfache, unkomplizierte Möglichkeit sucht, um in C oder Java zu coden und sich nicht um die Oberfläche schert, findet mit Crouton eine brauchbare Lösung.

Chrubuntu
Mit Chrubuntu wird der Ansatz einer Parallelinstallation verfolgt. Man bootet entweder Chrome OS oder Linux. Beide haben ihre eigenen Kernel und sind eigenständig. Dazu braucht es einen Dual-Boot, d.h. die Startpartition muss das andere System erkennen.

Das Samsung Chromebook hat kein Bios im eigentlichen Sinne. D.h. alle Installationen von Chrubuntu führen zu einer Fehlermeldung beim Booten des Chromebooks. Diese wird umgangen mit STRG+D beim Start. Drückt man versehentlich auf die Leertaste wird der RecoveryModus gestartet und alle Mühe war umsonst. Wenn man das weiß ist das kein Problem mehr.

Wer nach einem Weg sucht, die Fehlermeldung beim Booten zu umgehen – es geht nicht.

Chrubuntu lässt sich auf eine SD Karte installieren, auf einen USB Stick (diese Varianten starten Ubuntu mit STRG+U beim Start) oder auch auf den internen, 16GB SSD Speicher. Ich hatte beides ausprobiert – der Unterschied ist dabei unglaublich. Die SSD Installation lohnt sich. Mit Linux lässt sich anschliessend wie auf einem „normalen“ Desktop-Rechner arbeiten.

Unten folgen einige Links. In einem wird die Installation sehr genau erklärt. Die Anweisungen müssen exakt befolgt werden. Ein Tipp von mir: Die Default Einstellung bei der Wahl der Ubuntu Variante funktioniert bei einigen Chromebooks nicht. Ich vermute, dass die Paketquellen dort ständig geändert werden und dies zu Inkompatibilität führt. Bitte immer bedenken, dass es noch keine offizielle ARM Unterstützung für Linux gibt. Die beste Variante ist die Wahl von „ubuntu-desktop lts“ als Parameter. Das ist der Long-Term Support von Ubuntu und das klappt sehr gut. Ich empfehle ein „sudo apt-get install gnome-session-fallback“. Dann ist der klassische Gnome Desktop installiert und kann beim Login ausgewählt werden. Das ist superschnell und sehr intuitiv.

Ubuntu Emacs Evince Chromebook
Chrubuntu mit Emacs Editor und PDF Viewer

Highlight ist für mich, dass UMTS und WLAN sich so einstellen lassen, dass eine Netzwerkverbindung nach Bedarf und einfach per Mausklick hergestellt werden kann. Selbst bei ChromeOS muss immer erst, nach jedem Aufwecken aus dem Ruhezustand, die SIM Karte entsperrt werden und in mehreren Menüs muss dann 3G ausgewählt werden.

Alle Anwendungen, die für ARM kompiliert wurden und die ich ausprobiert habe, laufen anstandslos. Dazu gehören alle klassischen GNOME Anwendungen. Auch KDE dürfte funktionieren (nicht ausprobiert). Was ich noch nicht hinbekommen habe ist eine Flash-Unterstützung (wichtig für YouTube) und eine Installation von Wine. Flash muss irgendwie möglich sein, da es eine Version geben muss, die funktioniert, nämlich unter Chrome OS. Wine, zum Starten von Windows Anwendungen, dürfte unter ARM ein echtes Problem sein. Beides spielt für mich aber nur eine untergeordnete Rolle. Die HDMI Schnittstelle habe ich nicht ausprobiert. Theoeretisch sollte aber auch das kein Problem sein – das Chromebook kann dann an einen Fernseher oder externen Monitor angeschlossen werden. Und ich möchte erwähnen, dass ich auch zu Fedora Linux, OpenSuse und ArchLinux Anleitungen gefunden habe, wie sich deren ARM Pakete auf dem Chromebook installieren lassen. Die Anleitungen erfordern aber teilweise sehr viel mehr Hintergrundwissen. Die Ubuntu-Installation gründet auf einem einzelnen Script, das alle Eventualitäten berücksichtigt.

In der Zwischenzeit gibt es übrigens weitere Chromebooks (von HP und von Acer) in ähnlichen Preisklassen. Einige davon haben klassische X86 Prozessoren, aber auch normale HDD Festplatten. Das bedeutet dann mehr Gewicht und eine notwendige Kühlung (das Samsung Chromebook kommt vollständig ohne Kühlung aus). Hier muss man abwägen, was im Einzelfall in Frage kommt. Fazit: mit dem Samsung Chromebook lässt sich jedenfalls ein komplettes, lauffähiges Linux System installieren. Das erweitert die Möglichkeiten, die dieses sehr günstige Notebook bietet erheblich.

Chrubuntu Chromebook GIMP
Chrubuntu und GIMP

Hier einige Links, die alle Schritte genau erklären und Hintergrundinfos liefern:

Crouton
Chrubuntu – nach dieser Beschreibung installiert, aber mit „ubuntu-desktop lts“ als Parameter

Das Samsung Chromebook (offiziell)
Rezension zum Chromebook im Vergleich zu einem Macbook
Was ist ARM?

Crouton Installation in einem Video erklärt

Interessante Tipps für Verbesserungen nach erfolgreicher Installation

Was tun, wenn alles schief läuft? – Meine Anleitung (auf englisch) zum vollständigen recovern des Chromebooks.

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