Lieblichkeit – Entführt aus einem schottischen Mädchen-Internat.

Synthie-Pop in Perfektion. Das ersehnte Debut der schottischen Band CHVRCHES mit dem Titel „THE BONES OF WHAT YOU BELIEVE“ ist endlich erschienen. Es überzeugt und macht aus einem Kerl von Kritiker wieder einen schwärmenden Teenager. Die Musik von CHVRCHES wird getragen von der Sängerin Lauren Mayberry.

Von Peter Killert.

Ich werde zum Groupie. Seitdem sich meine Lieblingsmetapher für die Verkörperung von Weiblichkeit vom Engel zur Maus gewandelt hat, passt das natürlich: Lauren Mayberry, die Sängerin von CHVRCHES ist so eine Maus. Lieblichkeit. Sorry, ich bin schon ein richtiger Kerl, glaube ich zumindest, aber für die junge Dame – da gibt es nur ein Wort: Lieblichkeit.

THE BONES OF WHAT YOU BELIEVE - CHVRCHESDie beiden anderen Mitglieder der Band haben sie vermutlich bei einem öffentlichen Auftritt eines Schulchors eines schottischen Mädchen-Internats gekidnapped, ihr ein Mikro auf die Bühne gestellt und sie mit Texten vom Leben an sich konfrontiert. Dazu zeitloser Synthie-Pop. Sing mal. Sing auch mal „I can see your dirty mind“. Das Debut-Album der schottischen Band CHVRCHES mit dem Titel „THE BONES OF WHAT YOU BELIEVE“ hat einen „Parental Advisory“ Sticker. Die liebliche Lauren singt auch schmutzige Sachen. Scheisse, ist das geil.

Der Song „Lies“ ist schon seit einigen Monaten ein Insider-Tipp. Ein mächtiger Synthiepop-Stampfer, der nicht mehr aus den Ohren geht. Auf dem Album gibt es eine neue Version von „Lies“, die ein bisschen weniger brachial wirkt. „The Mother We Share“ ist der erste Song mit offiziellem Video. Lupenrein elektrisch, elektrisierend, clubtauglich, stadiontauglich. Die erste Band seit Nitzer Ebb, die als Vorgruppe bei einer Depeche Mode Tour den Meistern wieder die Fans klaut.

Lauren Mayberry
(c) Wikipedia

Irgendwas zwischen Moloko, The Knife und Ladytron – das sind CHVRCHES. Wundervolle Melodien, tolle Refrains bei Songs wie „Gun“ oder „Recover“. Dann aber auch wieder Tiefe wie bei „Science and Visions“. Die beiden Ausreisser sind „Under The Tide“ und „You Caught The Light“. Da singt nicht Lauren. Da singt einer von den beiden Herren. „Hey, sowas könnt ihr beim zweiten oder dritten Album machen …“, denke ich mir. Denn ich kriege nicht genug. Von der Lieblichkeit. Ganz ehrlich: da steckt natürlich mehr dahinter. Musikalisch grandios durchdacht das Ganze. Lieblichkeit ist hier Konzept und Substanz – man kann die Songs eben nicht nur auf die Erscheinung der Sängerin reduzieren. Diese Erscheinung geht eine Symbiose mit der Musik ein. Hier passt nahezu alles zusammen. Und das ist sicher nicht nur die oberflächliche Wahrnehmung eines männlichen Kritikers. Ich bin sicher, dass auch Frauen dieses stimmige Gesamtbild erkennen. Man sieht es, man hört es.

Was bei Bands wie Client, Parralox oder Ladytron immer nur ansatzweise durchscheint, packen CHVRCHES geballt auf ihr Debut. Eines der vielversprechendsten Alben der letzten Jahre.

Im Oktober sind CHVRCHES in Köln. Ich bin dabei.
(Lauren, ich bin der unglaublich gut aussehende Typ, ganz vorne an der Bühne 😉 )

Mehr zu CHVRCHES: Homepage der Band. Viele Videos auf ihrem Channnel bei YouTube.

Lies Live

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.