Wolkenverhangen

So war das Pfingstwochenende. Ich bin jetzt ganz stark auf Wolken fixiert. Ja, ich konnte es nicht lassen und habe mit einem neuen Spielzeug herumexperimentiert. Ich bin jetzt komplett in der “Cloud”.

Seit etwa März diesen Jahres verkauft Samsung eine recht günstige neue Variante seines Chromebooks. Das ist ein kleines, handliches Notebook im Stil eines MacBook Air von Apple für unter 300,- EUR (bzw. 349,- EUR mit UMTS). Es ist superleicht, hat ein großes Touchpad, eine normal große Tastatur, aber es hat als Betriebssystem CHROME OS. Das ist das zweite große Schlachtschiff von Google neben Android, was ja auf der Mehrheit aller Smartphones installiert ist. Was Android für Touch-basierte Devices (Tablets, Handys) ist, das ist CHROME OS für das “normale” Notebook.

CHROME OS ist ein cloud-basiertes Betriebssystem, d.h. alle Daten, alle Anwendungen liegen in der Cloud. Die Cloud ist ein Online Speicher, der sich mit allen angeschlossenen Geräten eines User synchronisiert. Lokaler Speicher, Installationen lokal, Updated lokal etc. sind damit nicht mehr notwendig.

Ein Google Account ist zwingend notwendig. Wer einen Text oder eine Tabelle bearbeiten will, macht dies in GOOGLE DOCS online. Der Vorteil: alle Dokumente stehen jederzeit und überall zur Verfügung, benötigen kein zusätzliches Backup und die wichtigsten Funktionen haben die Online-Anwendungen allemal. Nachteil: ohne Internetverbindung ist das Ganze völlig nutzlos. Man sollte also ständig online sein. Google bietet für einige Anwendungen eine Offline Synchronisation an, d.h. man kann dann auch unterwegs an einem Text weiterschreiben oder eine Präsentation verfeinern, aber die wichtigsten Funktionen sind sehr limitiert. Man muss sich den Rechner vorstellen als Notebook, auf dem nur der ChromeBrowser läuft. Alles wird als App innerhalb von Chrome oder als Erweiterung von Chrome installiert. Dafür gibt es in einem WebStore hunderte Anwendungen, kostenfrei oder kostenpflichtig.

Das Notebook ist sehr kompakt und unglaublich leicht. Es wiegt nur etwas mehr als ein Kilo. Die Tastatur ist absolut für Vielschreiber geeignet. Das Touchpad ist etwas anders, als bei einem MacBook. Die rechte Maustaste wird mit dem Tippen von zwei Fingern simuliert – bei anderen Notebooks ist das Trackpad quasi unsichtbar unterteilt. Wer das Chromebook einschaltet wird begeistert sein – ein Kaltstart dauert gerademal vier Sekunden. Ein kompletter “Powerwash” – d.h. das Chromebook wird in den Auslieferungszustand versetzt – dauert vielleicht eine Minute. Dadurch, dass alles an die Google ID gebunden ist, wird das System mit allen Einstellungen in weniger als zwei Minuten komplett wieder hergestellt.

Die Akku-Leistung (der Akku ist leider fest verbaut) ist sehr gut. Sechs bis sieben Stunden schafft der Akku locker. Anschlüsse sind 1xUSB, 1xUSB 3.0, HDMI, UMTS Modul, SD Karten Slot, Kopfhörer. Eine einfache VGA Webcam für Chats ist ebenfalls eingebaut. Da in dem Chromebook ein normaler ARM Prozessor läuft, der auch in Tablets oder Handys zu finden ist, ist die Leistung eingeschränkt. HD Videos auf YouTube ruckeln manchmal in der Wiedergabe ein wenig.

Wenn ich aber von Herumexperimentieren spreche, dann meine ich damit den Versuch, auf diesem Gerät Linux zu installieren. Direkt vorweg: mir ist es nicht gelungen, was aber vermutlich eher an mir, als an der Hardware oder den Anleitungen im Internet liegt. Ich habe auch relativ schnell aufgegeben, denn die entscheidende Erkenntnis zeigt sich, wenn man CHROME OS (was ja im Grunde eine Linux Variante ist) eine Chance gibt. Es gibt im Grunde nichts, was sich nicht mit CHROME OS erledigen liesse. Es gibt freie Software für alle möglichen Bereiche. Sogar ein Videoschnitt ist denkbar, um z.B. bereits im Urlaub Videos zu trimmen. Es gibt Bildverwaltungen und Bildbearbeitungen, Google Docs oder andere Office Suiten sind zu 100% mit Microsoft Office kompatibel – sagen zumindest die Hersteller und ich kann nichts Gegenteiliges berichten.

Der wichtigste Speicherplatz ist Google Drive. 5GB sind dort kostenlos. Mit dem Erwerb eines Chromebooks gibt es für zwei Jahre 100GB kostenlos. Wer das CHROMEBOOK als Zweitrechner nutzt braucht das aber vermutlich gar nicht. Ein Micro-USB Stick mit 32 GB als zusätzlichem Speicher tut es auch.

Zwei Dinge stören mich gewaltig – für diese  gibt es bisher aber noch keine Lösung. Ich hätte gerne einen Shortcut, der das Chromebook im aufgeklappten Zustand in den Sleep-Modus schickt. Und im Vollbild Modus bei der Google Docs Bearbeitung gibt es einen Bug – der Cursor wird falsch positioniert.

Wie ich mit der fehlgeschlagenen Linux Installation zurecht gekommen bin, erkläre ich in einem separaten Posting auf englisch. Ich könnte mir vorstellen, dass einige Bastler das gleiche Problem hatten und sich ggf. wundern, warum das Chromebook trotz Reset Probleme bereitet … .

Chromebook - Ubuntu install

Weitere Schreenshots und Updates finden Sie in diesem flickr-Album:

http://www.flickr.com/photos/pkillert/sets/72157633526430169/

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