DEPECHE MODE – DELTA MACHINE, Rezension.

Zum ersten Mal hatte ich Probleme mit meinem Nachbarn unter mir. Nein, der Herr ist nicht besonders empfindlich, sicher nicht. Es ist mein doch sehr basslastiger iPod Ghetto-Blaster, der die Wände wackeln lässt. Und es ist die basslastige DELTA MACHINE, das neue, 13. Studioalbum von Depeche Mode. Vollbepackt kam ich von meinem Urlaub wieder, an einem Samstagabend, ging mit Sack und Pack in den CD Laden kurz vor Ladenschluss und als ich zu Hause war, habe ich die Machine angeschmissen. Sonntagabend hatte mein Nachbar dann genug. Ich hatte Mitleid mit ihm. Aber – für DELTA MACHINE sollte man gute Kopfhörer haben.

Nach nun mehrmaligem Durchhören, auch als durchaus kritischer Fan (bei den beiden Vorgängeralben gab es schon einige Tracks, die man immer wieder „geskipped“ hat) kann ich sagen: Was für ein grandioses Meisterwerk!

Mit „Heaven“, der ersten Single, haben Depeche Mode ihrer Kritiker auf´s Glatteis geführt. Eine ganz ruhige Ballade, die einige sich erst „schönhören“ mussten, habe die „Richtung vorgegeben“. So Dave Gahan, der Sänger, in einem Interview. Und damit haben viele den Blues überinterpretiert. DELTA MACHINE soll elektronischer Blues sein. Da es bisher keine Band gibt, die so etwas definiert hat, konnte man erwarten, dass sich Depeche Mode etwas Besonderes haben einfallen lassen.

Haben sie – düster, sehr basslastig, es wummert und dröhnt überall. Im Gegensatz zu den letzten beiden Alben, ist hier die Dichte an potentiellen Depeche Mode Klassikern sehr hoch. Der Opener „Welcome To My World“ beginnt da, wo „Sounds Of The Universe“ aufgehört hat. Die Samples in diesem Song erinnern an den Song „Ghost“, der als Bonustrack vom letzten Album der eigentliche Favorit vieler Fans war. Dann die schon bekannten Tracks „Angel“ und „Heaven“. Aggressiver, rotziger Song mit ungewöhnlichem Tempowechsel trifft auch Melancholie pur. Und danach wird es spannend. Danach kommen die ganz neuen Songs, von denen erst eine Woche vor dem Release bei David Letterman einige gespielt wurden. Es beginnt mit „Secret To The End“. Depeche Mode bedienen sich zu Beginn bei Daft Punk – der Song hat einen melodischen, traumhaften Refrain. Weitere Highlights sind „Should Be Higher“ und der einzige von Martin Gore gesungene Song „The Child Inside“. Songs wie „Slow“ oder „My Little Universe“ polarisieren die Fangemeinde – für mich brauchen diese Songs etwas länger, bis sie gefallen.

Die absoluten Highlights sind „Broken“ und „Alone“. Beide Songs gehören zu dem allerbesten, was Depeche Mode je gemacht haben. „Broken“ zeigt beim Refrain einen Dave Gahan in Bestform. „Alone“ ist der fette Stampfer, der bei den Konzerten die Stadien erbeben lassen wird. Und am Ende ist sie dann da. Die Blues-Gitarre. Da vereinen sich Blues und Samples tatsächlich. „Goodbye“ ist hoffentlich keine Aussage, die die Zukunft der Band betrifft. Damit muss man bei Depeche Mode ja langsam rechnen.

Die Deluxe-Edition hat vier weitere Songs, passend in das Konzept der DELTA MACHINE. Highlight hier ist „All That´s Mine“, ach was sage ich – alle vier Songs sind Highlights.

DELTA MACHINE gehört zu den besten Depeche Mode Alben aller Zeiten. Wäre es das Album einer Newcomerband, dann wäre es ein Durchbruch – und selbst bei Depeche Mode eigenen Maßstäben hält es Vergleichen mit „Violator“ oder „Music For The Masses“ stand.

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