Über die Funktion und ihre Bedeutung

Und nun, um die Gedanken zu einem Abschluss zu bringen, stellt sich die Frage nach der “Funktion” eines Individuums in einer Gesellschaft. Transparenz zeigt die mögliche Differenz des Handelns eines Individuums zu der Relevanz seiner Funktion. Relevanz wiederum ist die Symbiose aus Erkenntnis und Mündigkeit. Was aber ist eine Funktion?

Mathematisch gesehen ist eine Funktion eine Gleichung, die einen Zusammenhang symbolisiert. Eine Funktion lässt sich immer graphisch darstellen. Umgekehrt existiert eine Funktion, wenn ein Zusammenhang eine graphische Darstellung zulässt. Setzen wir die graphische Darstellung mit der Erscheinung und dem Handeln eines Individuums gleich, so ergibt sich daraus, dass eine Funktion das notwendige, das zu erwartende Handeln eines Individuums beschreibt.

Ein Individuum, das eine Funktion ausfüllen soll, muss also demnach diese Funktion verkörpern und muss diese Funktion verinnerlicht haben. Es macht also keinen Sinn, wenn ein Bäckermeister, der sehr viel von seinem Handwerk versteht, die Funktion eines Immobilienmaklers einnimmt. Der Funktion steht also in einer Gleichung die Bedeutung gegenüber.

Wie aber wird die Bedeutung bestimmt? Die Bedeutung kann nur von außen bestimmt werden, d.h. ich kann glauben, dass ich meine Funktion erfülle – ob es so ist, kann nur von außen beurteilt werden. Die Funktion des Menschen ist das Miteinander, ihre Bedeutung ist das Füreinander. Kein Mensch kann auch nur ansatzweise eine Funktion ausfüllen, wenn nicht mindestens ein anderer Mensch in dieser Funktion ihre Bedeutung sieht.

Selbst die Ausgrenzung eines Menschen, die bewusste Abgrenzung von allem Sozialen, ist eine Funktion, welche in ihrer Bedeutung von anderen Menschen gesehen wird. Füreinander und Miteinander haben also keine Funktion an sich – das Menschsein ist wertneutral. Füreinander und Miteinander funktioniert auch Ohne einander.

Mehr noch – eine Funktion eines Menschen hat nichts mit dem Sinn zu tun. Wer erinnert sich noch an den Bäckermeister, der hier vor 300 Jahren seine Funktion ausgefüllt hat. Die Funktion eines Menschen auszufüllen ist ein einfaches Funktionieren. Wie leer die Sprache doch werden kann, wenn man sie ihrer idealen Interpretation beraubt.

Die Funktion eines Menschen ist sein Handeln zu einem Zweck, der nicht sein Selbstzweck ist. Die Funktion eines Menschen ist sein Dienst am Menschsein. Sie wird ihn nicht ausfüllen – aber sie lässt ihn leben im Miteinander, im Füreinander, ohne einander Sinn zu verleihen.

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