Ich bin die Perle im Dickicht der Self-Publisher

Obwohl ich eigentlich keine Perle sein möchte. Perle. Hört sich nach Pussi an. Egal. Ich bin jetzt eine Perle.

Wie mit den aneinanderklebenden Miesmuscheln. Kräftezehrend, diese auseinanderzureissen. Und irgendwo in diesem Klumpen unter Klumpen in von Self-Publisher Portalen und Anbietern ausgeuferten Muschelbänken, da bin ich. Die Perle.
Glänzend.
Mir geht´s gut. Metaphern sind zum Anstrengen da. Du, Leser, hast Dich gefälligst anzustrengen, mich zu verstehen. Du bist die Pussi. Ich bin die Perle 😉

Naja – wie schnell die Metaphern doch Entgleiten können.

Mal ernsthaft. Ich lese in den letzten Wochen verstärkt über Kritik an sogenannten “Self-Publishern”. Das sind Autoren, die Ihre Bücher bei BOD, LULU oder ePubli (und wen es da mittlerweile sonst noch gibt) verlegen. Amazon speziell hat viel Kritik einstecken müssen. Käufer von eBooks beschweren sich, weil die Bücher qualitativ extrem schlecht seien. Die wenigen guten Bücher seien nur etwas für Perlentaucher. Und man könne ja als Leser nicht immer Geld ausgeben und bekommt dann ein qualitativ schlechtes Buch geliefert.

Was aber heißt qualitativ schlecht?

Nehmen wir als Beispiel “BELLAME” – mein aktuelles Buch. Ich bin auch Self-Publisher. In gewisser qualitativer Hinsicht ist mein Buch ein schlechtes Buch. Ich habe heute eine der Kurzgeschichten als Audio File aufgenommen (zu Promo-Zwecken lese ich meine Texte selbst und schicke sie Bloggern als MP3 Files.) Dabei habe ich einer Geschichte drei Fehler gefunden – keine Rechtschreibfehler, sondern meist ein falscher Kasus, den das Korrekturprogramm nicht entdeckt hat. Zuvor hatte ich in einer anderen Geschichte einen sachlichen Fehler entdeckt. Und einen Fehler noch ganz zu Anfang.
Mein Buch kostet Geld. Und jeder Leser hat in Bezug auf Qualität in rein sprachlich und in rein logischer Hinsicht ein Recht auf ein vernünftiges Produkt.

Ich muss aber zu meiner Verteidigung sagen – und ich bin sicher, dass jeder andere SelfPublisher das ebenso sieht – dass ich mein Buch vorher mindestens ein Dutzend Mal Korrektur gelesen habe. Ich habe schon die beste Software im Einsatz und ich habe auch Menschen des Vertrauens, die mich auf Fehler jeglicher Art aufmerksam machen. Aber das allesamt keine professionellen Lektoren. Es ist mir noch nicht gelungen, einen Text 100%ig fehlerfrei abzuliefern. Ich denke auch, dass Fehler – in einem sehr viel kleineren Umfang – auch im normalen Lektorat vorkommen können. Aber ich stimme jeder Kritik zu, die dies Self-Publishern vorwirft. Ein Buch im Self-Publishing ist in logisch-sprachlicher Hinsicht immer ein schlechteres Buch als eines, das in logisch-sprachlicher Hinsicht professionell angegangen wurde. Diese Kritik nehme ich als Autor an. Und liebe Leserschaft, glaubt mir, ich ärgere mich darüber selbst am meisten. Ein Fehler mag verziehen werden, ein zweiter auch noch. Liest man aber auf wenigen Seiten gleich mehrere eklatante Fehler, dann ist das extremst ärgerlich.

Jetzt zum Inhalt – sind Self-Published Bücher auch die schlechteren Bücher?

Nein, ganz klares Nein. So entschieden, wie ich den ersten Teil einer möglichen Kritik bejahe, so entschieden lehne ich diese Kritik am Self-Publishing ab. Denn diese Kritik würde bedeuten, a) Self-Publisher sind die schlechteren Autoren, b) Klassische Verlage würden eine bessere thematisch-inhaltliche Auswahl treffen als das gemeine Publikum und c) dr Umkehrschluss, dass Bücher bei den klassischen Verlagen die besseren Bücher seien. Alle drei Schlussfolgerungen lehne ich entschieden ab! Es gibt sicher große, angesehene Verlage wie Suhrkamp oder Diogenes, die nicht nur Autoren eingekauft, sondern diese selbst über Jahre hinweg aufgebaut haben und den Autor, die Autorin geformt haben. Diese Zeiten aber, sind schon lange vorbei. Schauen wir uns die Bestsellerlisten an: Wandernde Comedians, kochende breitbildkompatible Entertainer und ausflussbeseelte Viva-Moderatoren. Dazu der gefühlte 5000. Vampirroman und jetzt die neue Welle der erotischen Frauenliteratur. Kaufen die Verlage die Autoren nach Qualität ein oder nach potentiellem Absatz? Eine rhetorische Frage… .

Ich habe eine ganz andere Schlussfolgerung: Jeder Self-Publisher schreibt ausnahmslos für sich selbst. Er schreibt nicht, weil er Absatz erwartet oder den Bestseller für wahrscheinlich hält, sondern weil er von sich selbst glaubt, etwas zu sagen zu haben. Ob das für andere wichtig ist oder ob er wirklich Talent hat, naja, das sei dahingestellt. Beides würde auf einen Dieter Bohlen und auch auf seinen Ghostwriter nicht zutreffen. Was ist also der Unterschied: Der Self-Publisher hat (noch) keine gesellschaftliche Relevanz. Die Leserschaft alleine entscheidet letztendlich. Das war im klassischen Segment so und das wird auch in Zukunft so sein.

Ich publishe, also bin ich ;-)

Als Self-Publisher hoffe ich natürlich auf die Gnade, die sprachlich-logischen Fehler könnten weniger Gewichtung erfahren und das Motiv des Autors, das nicht selten dessen Daseinsberechtigung ist (selbstgegeben) stünden mehr im Vordergrund.

Ich fordere also ein Bündnis zwischen Self-Publishern und Bloggern – mein Angebot ist ein kostenloses Exemplar meines Buches vor dem Erscheinen als eBook unter Maßgabe, dass es auch zumindest teilweise lektoriert wird. Das könnt ihr so gut wie der klassische Verlag, der genauso wenig Qualität definiert oder ignoriert, wie jeder einzelne Leser.

Mich erinnert das ein wenig an die Diskussion um Wikipedia vor einigen Jahren. Da gab es die “Klassiker”, die einer Brockhaus Redaktion mehr Qualität unterstellt hat, als der breiten Masse. Das mag auch hier auf Teilaspekte zutreffen. Aber auch gilt das, was ich zuvor schon gesagt habe: entscheidend ist die Relevanz des Objektes. Und über Relevanz entscheidet nur die Masse. Man nennt das “Demokratie”.

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