Mit der Bahn nach Amrum

Erfahrungen und Tipps

Sie planen, einen Urlaub auf Amrum zu verbringen und wollen mit der Bahn anreisen? Sie haben ganz einfache, praktische Fragen, auf die Sie nur spärlich Antworten finden? – Hier ein paar nützliche Ratschläge. Ich war in den letzten 4 1/2 Jahren insgesamt 14x auf Amrum – zu allen Jahreszeiten und immer mit der Bahn. Hier einige meiner Erfahrungen, die Ihnen vielleicht helfen, den Urlaub besser zu planen.

Auch wenn ich hier gleich von diversen Erlebnissen berichte, die eine Anreise nach Amrum kompliziert erscheinen lassen: Das sind die Ausnahmen und die Anreise, wie auch der Urlaub auf Amrum selbst, sind völlig unkompliziert.

Intercity – Umsteigen in Niebüll?

Bei den Bahnfahrten muss man sich genau informieren, wann die Züge Richtung Niebüll/Westerland fahren. Es gibt meines Wissens nach drei Richtungen aus denen sich IC´s dem Zielort Niebüll nähern. Aus Frankfurt (über Köln), aus Stuttgart (über Hannover) und aus Dresden (über Berlin).

Niebüll ist in jedem Fall der wichtigste Ort, denn von dort aus geht es weiter nach Dagebüll zur Mole, wo die Fähren abfahren.

Dabei gibt es zur Hauptsaison (Sommer, Feiertage rund um Ostern und Weihnachten/Jahreswechsel) eine Besonderheit: der IC verfügt dann über zwei oder mehrere Wagen, die in Niebüll von dem Zug abgekoppelt werden und an die kleine Bahn des NEG-Bahnhofs in Niebüll angekoppelt werden. Sie brauchen dann nicht in Niebüll auszusteigen – wenn Sie eine Reservierung bis Wittdün gebucht haben und dabei eine Platzreservierung angegeben haben, dann sollten Sie bereits in einem richtigen Wagen sitzen. Fragen Sie am besten bei der Fahrscheinkontrolle einfach das Zugpersonal. Wenn Sie Ihre Fahrkartenbestellung online abwickeln, dann sollte dort so etwas vermerkt sein wie „IC XXXX ab Niebüll weiter als NEG x“.

Der Rest des IC fährt dann weiter nach Westerland auf Sylt.

In der Nach- und Nebensaison ist es in der Regel so, dass diese Kurswagen des IC nicht abgekoppelt werden. Das bedeutet, Sie müssen in Niebüll aussteigen und zum kleinen Bahnhof der NEG (Norddeutsche Eisenbahngesellschaft) wechseln. Sie müssen also wirklich den Bahnhof in Niebüll durch das Bahnhofsgebäude verlassen, über die Straße gehen, seitlich an den vielen Fahrradständern vorbeigehen und dann sehen Sie auch schon das Schild der NEG mit dem Hinweis auf die Züge nach Dagebüll. Dagebüll ist das Ziel ihrer Reise. Vor dort fahren die Fähren nach Föhr und nach Amrum.

Sie erkennen dies in jedem Fall, wenn Sie online die Fahrkarte kaufen. Das ist dann von „Fußweg“ die Rede und der NEG Zug wird explizit als Umstieg angegeben. Wenn Sie 1. Klasse im IC fahren wollen, dann müssen Sie in jedem Fall in Niebüll aussteigen. Denn die Kurswagen, die in Niebüll abgekoppelt werden, sind immer 2. Klasse.

Bei Verspätungen kann es sein, dass die Bahn die Abkopplung nicht durchführt (um Zeit zu sparen). In diesem Fall werden Sie vom Zugpersonal darauf hingewiesen. Sie müssen dann in Niebüll in die NEG umsteigen.
Am besten ist es natürlich, wenn der Zug genau zur Abfahrtszeit der Fähre in Dagebüll ankommt. Das ist aber gerade in der Nachsaison nicht immer der Fall. Speziell wenn Sie den IC aus Köln nehmen, müssen Sie in Dagebüll noch relativ lange auf die Fähre warten. Das ist eine gute Strategie: seien Sie gegen 11:00 Uhr in Hamburg, am besten mit einem anderen Zug dorthin fahren – dort können Sie in den IC, der morgens in Dresden gestartet ist, umsteigen. Sie sind dann gegen 14:50 Uhr in Dagebüll – genau rechtzeitig zur Abfahrt der Fähre am Nachmittag.

Die meisten Fähren halten zunächst in Wyk auf Föhr. Nur zur Hauptsaison fahren auch einige Fähren direkt von Dagebüll nach Wittdün.
Wenn Sie eine Platzreservierung im Zug haben, dann sollten Sie bei Abfahrt der Zuges darauf achten, in den korrekten Wagen einzusteigen. Beachten Sie, dass manchmal die Reihung der Wagen vertauscht ist. Sie finden auf jedem Gleis in ihrem Bahnhof der Stadt, von der aus sie abfahren, einen Wagenstandsanzeiger. Der gibt an, wo in etwa ihr Wagen am Gleis halten wird. Die Züge, gerade zur Hauptsaison, sind meist sehr lang. Wenn Sie nicht auf den korrekten Wagen achten und z.B. in Wagen 20 sitzen und müssen dann aber in Wagen drei, weil dieser nach Dagebüll abgekoppelt wird – dann viel Spaß bei ihrer Wanderung durch den Zug … .

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Folgen Sie diesem Schild in Niebüll und Sie machen nichts falsch 🙂

Zwei interessantge Tipps:

Sie können auf bahn.de Tickets erwerben, die Sie von Ihrem Heimatort direkt bis nach Wittdün oder Norddorf bringen. Sie brauchen dann kein eigenes Ticket für die NEG und auch kein Extra-Ticket für die Fähre. Das ist besonders bei Verspätungen wichtig – sie verlieren dann keine wertvolle Zeit mit zusätzlichem Ticketkauf.
In der Neben/Nachsaison sind nicht nur die Wohnungen oder Ferienhäuser günstiger – die Sparangebote der Bahn auch für 1. Klasse sind manchmal extrem günstig. Meist können Fahrkarten 90 Tage vor Reisebeginn gekauft werden. Wenn Sie also wissen, dass Sie im Oktober auf die Insel reisen und sie kaufen schon im Juli ein Ticket, dann kann es sein, dass Sie für deutlich unter 50,- EUR nach Amrum reisen können (Start in Köln). In der Hauptsaison und besonders um den Jahreswechsel herum, können die Preise dann aber jenseits der 200,- EUR liegen, für Hin- und Rückfahrt.

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Der Bahnhof in Niebüll – zwischenzeitlich etwas umgebaut

In Dagebüll ankommen

Wenn Sie in Dagebüll Mole angekommen sind, ist alles selbsterklärend. Je nachdem wie pünktlich der Zug war, können Sie entweder direkt auf die Fähre gehen oder Sie müssen warten. Wenn Sie sich beeilen müssen und die Fähre bereits abfahrbereit ist, dann sollten Sie das in jedem Fall auch tun. Ich habe schon mehrmals erlebt, dass die Leute angetrieben wurden, auf die Fähre zu gehen, weil die Fähren immer pünktlich abfahren. Das hat mit den Gezeiten zu tun – überhaupt sollten Sie immer auf die Meldungen auf www.faehre.de achten. Es kann durchaus sein, dass manche Fähren früher abfahren müssen. So weit mir bekannt steigt und fällt der Wasserpegel durch die Gezeiten um einen halben Zentimeter pro Minute – d.h. 10 oder 20 Minuten können über die Abfahrt einer Fähren entscheiden. In Wyk auf Föhr ist der Hafen nämlich nicht für alle Niedrigwasserstände geeignet.

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Steht die Fähre zur Abfahrt bereit, dann sollten Sie also nicht erst noch im Bistro „Tor zu Inseln“ ein Tässchen Kaffee ordern. Auch den Harndrang sollten Sie einfach direkt mit auf die Fähre nehmen. Der Weg ist der gleiche und auf der Fähre bekommen Sie alles, was Sie auch in dem Bistro in Dagebüll bekommen können.

Es gibt drei Fähranleger in Dagebüll. Einer der Fähranlager verfügt seitlich über so einen, nennen wir es „blauen Tunnel“. Die anderen haben nur einen Poller, der für die Autos heruntergelassen wird. Das liegt daran, dass sie W.D.R. (Wyker Dampfschiff Reederei) über zwei ältere Fährschiffe und zwei neuere verfügt. Die neueren Doppelendfähren haben einen separaten Personeneinstieg und der wird über diesen blauen Tunnel erreicht. Das ist sehr praktisch, weil sich Autofahrer und Fußgänger so nicht in die Quere kommen.

Welche Fähre sie nehmen müssen, wird auf diversen Hinweistafeln angezeigt, meist als Zielort und der Nummer des Ablegers.
Wenn Sie über diesen Tunnel die Fähre betreten, dann sind sie im „Salon“. Dort können Sie endlich entspannen. An den Tischen dort werden kleinere Speisen serviert – ein passender Moment, den Urlaub beginnen zu lassen.

Alte und neue Fähren

Wenn Sie in den 80er Jahren schon mal nach Amrum oder nach Föhr gefahren sind, dann kennen Sie sicher noch die Fähren der alten Bauart, die über fast drei Jahrzehnte die Inseln mit dem Festland verbunden haben. Von diesen alten Fähren ist derzeit nur noch die „Nordfriesland“ als Verstärkung unterwegs – mittlerweile gibt es drei Doppelendfähren, die von außen fast gleich aussehen, aber sich innen doch unterscheiden.

Die erste in Betrieb genommene Doppelendfähre ist die „Uthlande“. Sie hat einen Makel, der Ihnen sicher auffallen wird: im Gegensatz zu den anderen beiden Doppelendfähren hat sie etwas steiler Treppen. Das ist aber kein Problem – diese Fähre ist barrierefrei. Sie kommen auch per Aufzug überall.

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Die Uthlande – Diese Fähre war die erste neue Doppelendfähre

 

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Dann kam die „Schleswig Holstein“

 

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Die neueste Fähre ist die „Norderaue“

 

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Immer noch als Verstärkung aktiv – die „MS Nordfriesland“

 

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Die Rungholt steht derzeit in Wyk etwas abseits – sie steht derzeit zum Verkauf

Wenn Sie nicht auf einer der Doppelendfähren sind oder eine Doppelendfähre an einem der anderen Anleger liegt, dann müssen Sie über das Autodeck auf die Fähre gehen. Sie sehen dann rechts oder links von dem Autodeck einen Zugang wo sie auf kleinen Regalen ihr größeres Gepäck ablegen können. Um in den Salon zu gelangen können Sie die Treppe benutzen. Die Fähren gelten als barrierefrei sind. Wirklich beurteilen kann ich das natürlich nicht – vielleicht hat jemand von Ihnen Erfahrungen gemacht?

Bei den beiden Doppelendfähren gibt es nur einen wesentlichen Unterschied. Die „Uthlande“ hat extrem steile Treppen und einige leicht zu übersehende Stufen. Das wurde bei der neueren „Schleswig Holstein“ sehr viel besser gelöst. Eine dritte Doppelendfähre (ich vermute eine neue „Nordfriesland“) wird übrigens derzeit in einer Werft in Husum gebaut.

Worst Case Scenarios

Ich bin in den letzten 4 ½ Jahren 17x nach Amrum gefahren. Immer mit der Bahn. Das bedeutet, ich bin die Strecke 34x gefahren. Dabei gab es 5x Ereignisse, die ein wenig kritischer waren. Kritischer bedeutet, der Zug hat seine Reise vorzeitig beendet, war extrem verspätet oder es musste aufgrund eines „Personenschadens“ ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden. Ich bin aber in allen Fällen immer angekommen, teilweise natürlich erheblich verspätet.

Ich muss aber auch sagen, dass ich in Monaten wie November oder März völlig problemfreie Fahrten erlebt habe. Da saß ich dann für 50,- EUR mit einen Sparticket 1. Klasse allein und ungestört an einem Platz mit Tisch und der Zug war 100% pünktlich.

So ein richtiges Horrorszenario, wie zum Beispiel in Dagebüll gestrandet zu sein und die Fähren fahren gar nicht mehr, wegen eines Sturmes – so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Es soll aber wohl so sein, dass es diverse Möglichkeiten einer Übernachtung gibt. Es gibt in Dagebüll mehrere Pensionen und Hotels, auf die man in so einer Situation ausweichen könnte.
So etwas ist mir bisher aber noch nicht passiert. Und ich habe auch schon einige Stürme dort oben erlebt.