Amrumer Ansichten

 

Amrumer Ansichten

Damals ./. Heute

In meinen Amrumer Ansichten geht es um Schiebebilder, die dieselbe Perspektive mit einem zeitlichen Abstand von manchmal mehr als hundert Jahren überblenden. Grundlage für diese Bilder sind alte Postkarten, die ich bei verschiedenen Anbietern käuflich erworben und eingescannt habe. Die Motive sind alle in Wittdün zu finden.

Diese alten Postkarten sind so alt, dass ich keinen noch existierenden Verlag oder Fotografen mit Bildrechten habe ausfindig machen können.

Obere Wandelbahn 1

Bei diesem Damals/Heute Vergleich liegen jeweils knapp 100 Jahre zwischen beiden Bildern. Die Fotos von der Wandelbahn müssen zur Zeit des Kaiserreiches gemacht worden sein. Das schließe ich aus der Reichsflagge, die an einigen Fahnenmästen zu erkennen ist. Nach 1933 hingen auch auf Amrum Hakenkreuzflaggen. Solche Postkartenmotive kenne ich ebenfalls.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich die Bezeichnung „Wandelbahn“ überhaupt schon erklärt habe. Die Wandelbahn ist eine Art Uferpromenade in Wittdün. Parallel zur Wandelbahn verlief Anfang des letzten Jahrhunderts eine kleine Bahn, die die Besucher des neu entstandenen Kurbades über die Insel transportiert hat. Daher der Name. Der obere Teil der Wandelbahn schließt eine große Düne ab, auf der sämtliche Häuser in Wittdün Richtung Kniepsand errichtet worden sind. Der untere Teil verläuft parallel zum Strand. Die Wandelbahn beginnt an der Südspitze Amrums und führt vom Fährhafen in Wittdün bis hin zum Dünengebiet, das von der Oberen Wandelbahn in einen Bohlenweg übergeht. Diese Bohlenwege sind hier überall auf Amrum zu finden. So können Urlauber durch die Dünen spazieren ohne das Naturschutzgebiet betreten zu müssen.

 

Untere Wandelbahn 1

Das hier ist die vielleicht gelungenste Umsetzung eines Vergleichs Damals/Heute über einen so großen Zeitraum hinweg. Hätte ich hier noch die Tageszeit und den Schatten berücksichtigt, dann wäre die Relativität von Zeit spürbar geworden 😉

 

Untere Wandelbahn 2

Bei diesem Vergleich denkt man zunächst auch, dass alles super zusammenpasst. Aber achten sie mal auf die Horizontlinie – das passt dann doch nicht. Ich vermute, dass das alte Foto viel weiter Richtung Südspitze aufgenommen wurde und dass der Fotograf niedriger stand. Da sich aber die Uferlinie der Kniepsandbucht massiv verändert hat, gibt es diese alte Perspektive so nicht mehr. Es könnten dort auch ganz sicher keine Starndkörbe mehr stehen. So musste ich einen Kompromiss machen und die Wandelbahn nach einer Stelle absuchen, die fast genauso gut passt 😉

 

Wittdün Kniesandseite

Diese Damals/Heute Fotos haben ebenfalls einen zeitlichen Abstand von beinahe 100 Jahren. Die Ansicht der Häuser auf der Wandelbahn in Wittdün Anfang des letzten Jahrhunderts von einer Postkarte (genaues Datum ist nicht bekannt, ich schätze ca. 1930) und Heute. Das einzige Haus auf beiden Bildern – und ich glaube, es ist das einzige Haus in Wittdün aus dieser Zeit, das heute noch existiert – ist die Villa Clara, ganz links. Dieses Haus wurde mehrfach umgebaut. Selbst auf Fliegeraufnahmen aus den 1920er Jahren, die ebenfalls als Postkarten verkauft wurden, ist dieses Haus zu sehen. Ein wahrer Fels in der Brandung.

Zu den anderen Häusern ist nicht viel bekannt. Ich kann nur sagen, dass bei den meisten sogar der Nachfolgebau heute nicht mehr steht. Es haben also mindestens zwei weitere Generationen an Häusern dort gestanden. Es ist auch nahezu unmöglich, die exakte Perspektive zu erwischen. Zu sehr haben sich die Dünen verändert. Sämtliche Häuser, die an dieser Wandelbahn zu sehen sind, wurden auf einer einzigen großen Düne gebaut.

 

St. Clemens in Nebel

Diese Bilder zeigen die Kirche in St. Clemens in Nebel, die besonders für ihre einzigartigen, sprechenden Grabsteine bekannt ist. Große Seefahrer haben monumentale Grabsteine bekommen, auf denen ihre meist sehr spannenden Lebensgeschichten eingemeisselt wurden.

Diese Perspektive zeigt die Kirche in Höhe des Stenodder Kliffs. Hier passt die Perspektive ganz gut – man erkennt aber, wie sich die Insel und der Verlauf des Strandes geändert hat. Auffällig ist auch das heutige Waldgebiet im Hintergrund. Amrum hat seit einigen Jahren den Ruf, die waldreichste Nordseeinsel zu sein.

 

Alte Landungsbrücke

Dieser Damals/Heute Vergleich zeigt ein Bild, bei dem aus heutiger Sicht kaum etwas von dem übrig ist, was Anfang letzten Jahrhunderts zu sehen war. Die alte Landungsbrücke an der Südspitze Amrums wurde 1963 bei der schweren Sturmflut vollständig zerstört. Bei Ebbe sieht man aber heute noch die Überreste. Man kann zwischen Muscheln und Algen auch darauf herumspazieren (ich hatte im November im Eintrag 44 in der Rubrik „Auf meiner Insel“ davon berichtet).

Die Horizontlinie passt so gar nicht – das liegt daran, dass die Südspitze Amrums heute durch Befestigungen sehr viel höher liegt. Der Fotograf von damals stand einige Meter unter mir 😉 .

 

Friedhof der Namenlosen

Der Friedhof der Namenlosen wurden im Jahr 1906 auf Initiative des Kapitäns Jessen angelegt. Dieser Kapitän hat einen Teil seines Grundstücks für diesen Friedhof freigegeben. Auf ihm wurden mehr als 30 Menschen begraben, von denen weder Name noch Herkunft bekannt sind. Sie wurden einfach als Leichen angespült und haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Die schlichten Holzkreuze tragen das Datum der Auffindung des Leichnams. Dieser sehr besinnliche Ort existiert noch heute. Man findet den Friedhof der Namenlosen direkt gegenüber der Mühle in Nebel. Der Friedhof der Namenlosen ist übrigens auch Hauptschauplatz eines spannenden Krimis von Jürgen Rath.

 

Der Leuchtturm

Diese Bilder zeigen den Amrumer Leuchtturm, das wohl am häufigste fotografierte Objekt auf Amrum. Die alte Postkarte zeigt den Leuchtturm (erbaut 1873-1874, Inbetriebnahme 1875) wie er vor 1952 ausgesehen hat. Bis zum diesem Jahr war der Leuchtturm nämlich dunkelrot angestrichen. Ich kenne (bisher) kein Farbfoto, das den Leuchtturm in diesem alten Anstrich zeigt. Heute hat sich am Fundament des Leuchtturm natürlich einiges geändert. Der Leuchtturm ist Besuchermagnet, hat aber auch heute noch seine schifffahrtstechnische Bedeutung.

Die Perspektive passt nicht exakt – oben stimmt es und unten ist der Sockel nicht passend. Ich vermute, dass der Fotograf von damals auf einer Düne gestanden hat, die es heute nicht mehr gibt. Oder – es gibt diese Düne, die man aber jetzt nicht mehr betreten darf.

Weitere Infos zum Amrumer Leuchtturm finden Sie bei Wikipedia.

 

Inselstrasse 20er und 50er Jahre

In dieser Amrumer Ansicht präsentiere ich gleich zwei alte Postkartenbilder, die beide aus fast identischer Perspektive aufgenommen wurden. Ich stelle diese Bilder deswegen hier gemeinsam vor.

Das Motiv zeigt die Inselstraße in Wittdün. Die Inselstraße ist die Hauptstraße in Wittdün. An ihr liegen alle Geschäfte dieses kleinen Ortes. Sie führt vom Fährhafen durch den Ort und geht dann in eine Bundesstraße über, die den Süden der Insel mit dem Norden verbindet.

Perspektive 1

Durch den Poststempel der ersten Postkarte kann man recht gut datieren, wann diese Aufnahme ungefähr erstellt worden sein muss. Der Poststempel zeigt 1928, die Aufnahme ist wohl ein oder zwei Jahre vorher entstanden. Man beachte – die Inselstraße war nicht mal asphaltiert und es sind noch die Schienen der alten Inselbahn zu sehen.

 

Perspektive 2

Die Perspektive lässt sich recht gut finden. Das Haus rechts, dessen Giebel ein wenig auf die Straße rausreicht, existiert auch heute noch. Mein Versuch ? und es waren mindestens zwei Dutzend Fotos ? das gegenüberliegende Haus in die richtige Proportion durch Variation der Perspektive zu bringen, ist nicht gelungen. Daraus lässt sich schließen, dass das Haus links gegenüber doch neuer sein muss. Steht man vor diesem Haus, dann wirkt dieses Haus auch neuer. Die Perspektive findet man, in dem man sich zwischen Buchhandlung Quedens und dem Edeka auf die Straße stellt.

 

Untere Wandelbahn 3

Bei diesen beiden Bildern ist der zwischenliegende Zeitraum relativ klein. Das alte Bild, bereits in Farbe, stammt vom Anfang der 80er Jahre. Zwischen beiden Bildern liegen ca. 35 Jahre. Die untere Wandelbahn, in etwa auf Höhe der Strandbar, hat sich seitdem nicht wesentlich verändert. Die für Wittün so typischen blauen „Leuchter“, die die gesamte Wandelbahn flankieren, sind hinzugekommen. Das Wittdüner Leuchtfeuer an der Oberen Wandelbahn, war zur Zeit des alten Fotos sicher noch in Betrieb (bis 1988). Man erkennt auch deutlich, dass die Wandelbahn-Düne an Volumen gewonnen hat. Die Perspektive ist eigentlich korrekt – ich habe mich an diesem Leuchtfeuer oben links orientiert. Dennoch passen die Proportionen nicht so gut zusammen – hier kann ich nur vermuten, dass der Fotograf damals etwas höher gestanden hat, vielleicht auf einer Art Podest. Und mein Standpunkt hätte ein Schritt weiter links sein müssen.

 

Steenodde

Die Steenodder Mole in der Nähe des Yachthafens und des Seezeichenhafens, erreicht man vom Hafen in Wittdün aus über einen Deich. An diesem Deich stehen zahlreiche Bänke und auch kleines „Monument“ dessen exakte Bedeutung ich nicht kenne. Es ist auch keine Beschriftung zu erkennen. Dieses Monument steht heute noch, nur der Verlauf des Deiches hat sich geändert. Man kann die Position des Fotografen aus den 20er/30er Jahren nicht mehr einnehmen, weil direkt hinter dem Monument der Deich gesperrt ist. Ich musste also das Originalfoto ein wenig zurecht schneiden, damit ich es für diesen Damals / Heute Vergleich verwenden konnte. Es ist leider das schlechteste von allen Damals/Heute Vergleichen in meinen Amrumer Ansichten.

Das Bild zeigt den Hafen von Wittdün. Heute sieht man dort die Fähranleger und eine relativ dichte Bebauung, unter anderem mit der Strandresidenz, in der ich in meinen Urlauben immer „residiere“. Das alte Foto zeigt die alte Landungsbrücke zu einer Zeit, in der es noch keinen Fähranleger für Autos gab.

 

Der Kaiserhof

Diese Amrumer Ansicht – in zwei verschiedenen Varianten – zeigt die Wandelbahn in Höhe des „Kaiserhofs“. Das obere Foto zeigt den Kaiserhof von der „Oberen Wandelbahn“ – das untere Foto von der „Unteren Wandelbahn“. Das Datum der jeweils alten Bildes bezieht sich auf das Datum des Poststempels.

Der Kaiserhof ist fast zeitgleich zum hier häufig schon gezeigten Kurhaus in der Gründerzeit entstanden. Der Kaiserhof ist quasi der kleine Bruder des Kurhauses. Das Kurhaus wurde 1950 abgerissen – der Kaiserhof existiert noch wurde aber, wie so viele ambitionierte Bauten der Gründerzeit, einem sehr pragmatischen Zweck zugeführt. Er ist heute die Wittdüner Jugendherberge.

Zu der Geschichte von Kurhaus, Kaiserhof und Gründerzeit wird es definitiv mal ein literarisches Projekt meinerseits geben. Dazu gibt es leider viel zu wenig Literatur, obwohl das Thema viele spannende Geschichten bereit hält.

 

 

Villa Helgoland & Landhaus Hildegard

Heute gibt es wieder eine Amrumer Ansicht. Sie zeigt den Weg auf der Ostseite der Insel zwischen Wittdün und Steenodde (Richtung Seezeichenhafen). Das in der alten Postkarte gezeigte Kinderheim existiert in dieser Form nicht mehr. Das Gebäude war vor seiner Verwendung als Kinderheim ein Strandhotel. Auch für diese Gebäude galt, dass nach der Gründerzeit und speziell mit den Entbehrungen des 1. Weltkrieges, die Gebäude für gut betuchte Gäste ihre Funktionen verloren hatten und praktischen Zwecken zugeführt wurden. So weit mir bekannt, wurde dieses Strandhotel nicht komplett abgerissen. Das heutige Gebäude ist ein Umbau dieses historischen Gebäudes.

Die beiden dahinter folgenden Gebäude (das vordere ist heute von einem Baum verdeckt) gibt es auch heute noch. Alle drei Gebäude gehörten einem Mann: dem Helgoländer Kapitän Paul Jansen Köhn, einer der Gründerväter Amrums. Das hintere Gebäude ist die „Villa Helgoland“. Das vordere ist das „Landhaus Hildegard“. Die „Villa Helgoland“ ist heute in Privatbesitz – sie wurde vor einigen Jahren aufwendig renoviert. Die Wohnungen dort können für die Ferien gemietet werden.

Auch die „Villa Clara“ auf der anderen Seite der Düne, wurde von Kapitän Köhn verwaltet. Damit der Weg zwischen Ost- und Westseite an der Südspitze nicht allzu lang war, gab es einen Verbindungsweg namens „Köhn´s Übergang“. Den gibt es noch heute. Direkt neben der Villa Helgoland gibt es eine Parkbank mit einer tollen Aussicht auf den Seezeichen- und den Yachthafen. Neben der Parkbank steht ein steinernes Monument, dem ich bereits vor knapp einem Jahr eine Amrumer Ansicht gewidmet habe.