Fantastische Bestandsaufnahme

Dafür ging damals, Mitte und Ende der 80er Jahre, ein großer Teil meines Taschengeldes drauf. Im Nachhinein muss ich sagen, war das aber eine der wenigen Investitionen, von denen man tatsächlich sagen kann, dass sie sich gelohnt hat. Fantasie hat schließlich jeder Mensch – sie praktisch nutzbar zu machen braucht Talent, aber eben auch Übung. Für mich war diese Fantasiewelt eine Welt zum üben.

Ich rede von „Das Schwarze Auge“, dem führenden „Pen & Paper“ Fantasy Rollenspiel der 80er Jahre. Neben „Dungeons & Dragons (D&D)“ bis heute genrebildend.

Ohne konkreten Anlass, aber ich vermute, dass die beiden Hobbit-Filme mein Interesse geweckt haben, habe ich ein wenig recherchiert. Ich wollte mal wissen, wie es auf dem „Pen & Paper“ Markt so aussieht. Man muß ja heutzutage „P&P“ dazusagen, denn die Fantasie als Screen zu benutzen, ist nicht nur oldschool, sondern in höchstem Maße anachronistisch. Aber damit lag ich völlig falsch. Die „P&P“ Rollenspiele haben sich beeindruckend weiterentwickelt. Hier eine Bestandsaufnahme  – allerdings ohne Bilder und Links, da ich keine Werbung machen und die vielen Fans anderer Rollenspiele nicht benachteiligen möchte.


Das Schwarze Auge

Immer noch ist dieses Rollenspiel das wohl am meisten gespielte. Es gibt keine konkreten Belege für diese Aussage. Ich nehme als Beleg einfach mal die Anzahl der diesem Rollenspiel zugeordneten Quelltexte (Abenteuer) und Regelwerke. Die ist wirklich gigantisch. Als ich damals mit der ersten Variante des Regelwerkes – kürzlich ist die fünfte Auflage erschienen – mit DSA aufgehört habe, gab es die ersten zaghaften Versuche die Welt dieses Spiels, genannt „Aventurien“, ein wenig mit Geschichte und Kultur zu füllen. Ich kann mich noch an das „Ausbau-Spiel“ erinnern, in dem eine Landkarte dieser Welt vorhanden war. Was sich in den letzten 20 Jahren da getan hat, ist beachtlich. Nach nur kurzer Recherche fand ich ganze Abhandlungen über die erfundene Geschichte dieser Welt, die Geschichte einzelner Regionen – sogar die Metropolen dieser Welt haben ihren eigenen Kosmos. Tolkien würde vor Neid erblassen. Allerdings ist diese Fülle auch die Schwäche. Das ist beinahe ein bisschen zu viel. Denn neben den substanziellen Entlehnungen aus „Der Herr der Ringe“ tauchen auch Figuren aus der griechischen Mythologie auf. Die Welt ist ein Sammelsurium aus allem, was fantastisch ist. Ich denke, für jemanden, der diese Welt über Jahrzehnte hat wachsen sehen, ist sie einzigartig. Für Neu- oder Wiedereinsteiger erschlagend.


Dungeon & Dragons ist jetzt Pathfinder

Auch der Klassiker „D&D“ hat sich weiterentwickelt. Meine Recherchen haben ergeben, dass das Regelwerk offen gestaltet wurde, d.h. es kann jetzt auch von anderen Rollenspielen adaptiert werden. Und es ist wohl so, dass die 4. Edition von „D&D“ einem gänzlich neuen Konzept unter dem Namen „Pathfinder“ zugeordnet wurde. „D&D“ wird natürlich auch weiterhin gespielt. Zu „Pathfinder“ gibt es eine umfangreiche Einstiegsbox, die auch die klassischen Figuren, die bei „D&D“ zur Illustration des Spielgeschehens immer noch auf den Tisch gehören, beinhaltet. Auch „D&D“ orientiert sich stark an „Der Herr der Ringe“ und unterscheidet sich von den meisten anderen P&P Spielen durch die Fülle verschiedenartiger Würfel. Während DSA den „normalen“ sechsseitigen Würfel und den 20-seitigen Würfel kennt, gibt es bei „Pathfinder“ und „D&D“ polyedrische Würfel in sieben verschiedenen Varianten.


Der eine Ring

Da stellt sich dann doch die Frage, warum man nicht direkt beim Klassiker bleibt. Es gab wohl viele Ansätze, ein Rollenspiel, das sich ausschließlich an Tolkiens Mittelerde orientiert, ins Leben zu rufen. Vor wenigen Jahren ist einer dieser Ansätze derart gelungen, dass die Kritiken allesamt sehr positiv waren – ich habe jedenfalls keine Rezension gefunden, die das Spiel vernichtend abgeurteilt hätte.

„Der eine Ring“ spielt zeitlich kurz nach den Ereignissen aus „Der Hobbit“ – der Ringkrieg, also das eigentliche Thema von „Der Herr der Ringe“, ist zeitlich noch einige Jahrzehnte entfernt. Das Spiel wird für seine Aufmachung, die im Wesentlichen aus einem Hardcoverbuch mit allen notwendigen Regeln besteht, hochgelobt. Die Illustrationen (generell sehr wichtig bei P&P Rollenspielen) scheinen durchweg sehr gut gelungen zu sein. Ein Würfelset mit speziellen sechsseitigen und einem 12-seitigen Würfel, muss extra dazu gekauft werden. „Der eine Ring“ ist mit Abstand die teuerste Anschaffung alle hier vorgestellten Spiele.


Shadowrun

Völlig anders, mittlerweile aber auch recht kultig, ist „Shadowrun“. Das gibt es seit einiger Zeit in der fünften Aufmachung. „Shadowrun“ spielt in der Zukunft, hier auf unserem Planeten. Die weltgrößten Konzerne haben sich zu „Megakons“ zusammengeschlossen und beherrschen de facto die Welt. Alle politischen Strukturen sind bedeutungslos. Es herrscht in gewisser Weise Anarchie, die von den Hauptfiguren in einer fragilen Ordnung mit Leben gefüllt wird. Diese Hauptgiguren sind die Spieler, die Charaktere, die sogenannten „Shadowrunner“. Sie übernehmen Aufträge der Megakons, führen Industriespionage aus oder manipulieren ihre Welt in einer Art Matrix. Unter dem Sub-Genre Cyberpunk ist „Shadowrun“ einzigartig. Es gibt unzählige Romane und Quellenbücher zu dieser Welt. Literarische Grundlage ist die „Neuromancer“ Trilogie des Autors William Gibson. Wer diese Welt gar nicht kennt: am ehesten passt ein Vergleich zu den „Matrix“-Filmen. „Shadowrun“ hat jedoch zusätzlich einige klassische Fantasy-Elemente. 

Das Grundregelwerk kostet als Hardcover lediglich 20,- EUR. Gespielt wird mit ordinären sechsseitigen Würfeln.


Fazit

Alle diese Spiele haben eines gemeinsam: sie sind unglaublich zeitintensiv. Um als Spielleiter ein Abenteuer (oder einen „Run“) vorzubereiten, sollte man tunlichst kein anderes Hobby haben. Meine Recherchen, die durchaus zum Ziel hatten, sich wieder intensiver mit Frantasy-Rollenspielen auseinanderzusetzen, waren ebenfalls bereits sehr zeitintensiv. Daher habe ich mich für keines dieser Spiele entscheiden können. Denn obwohl ich solchen Fantasy-Welten recht aufgeschlossen gegenüber stehe, stellt sich doch die Frage, ob man seine Zeit nicht sinnvoller verbringen kann. Diese Frage stellt man sich, dann wenn man einem Hobby oder gar einer Berufung nachgeht, die selbst schon sehr viel Kreativität und Fantasie erfordert. Für einen Dichter kommt die Beschäftigung mit dieser Art von Spiel nur unter dem Gesichtspunkt einer literarischen Betätigung, also als Autor der sogenannten Quellenbände in Frage. Schließlich muss sich ja jemand die Geschichten ausdenken, die dann im Geiste der Rollenspieler nachgespielt werden.

Um aber in eine Rollenspiel-Atmosphäre abzutauchen gibt es für mich zwei Alternativen, die ich mir stattdessen mal genauer anschauen werde. Es gibt nämlich mit den Strategie-Brettspielen „Der Ringkrieg“ und der „Herr der Ringe“-Variante des Klassikers „Risiko“ zwei Spiele, die Tolkien Atmosphäre verströmen und vermutlich nur einen Bruchteil an Einarbeitungszeit erfordern. Ich glaube trotz fantastischem Ausmaß des Bestandes der „P&P“ Rollenspiele wird das für mich das höchste der Gefühle werden. Oder aus mir wird ein Fantasy-Autor. Davon gibt es aber schon genug 😉

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