Leben außerhalb der Nussschale

Dieses kleine Böötchen liegt vor Anker nahe dem Fährhafen vor Wittdün. Ich habe nie einen Menschen dort gesehen, der in dieses Böötchen eingestiegen ist. Es liegt dort einfach, alle sechs Stunden auf festem Grund und wenn die Flut wiederkommt schwebt es über die kleinen oder großen Wellen.


Irgendjemand hat es dort festgemacht – das ist meine feste Überzeugung – um mir, dem ständig auf die Insel wiederkehrenden Dorfpoeten, ein Motiv zu geben. Nun Fremder, wer immer Du auch bist, hier ist das, was Du an Eingebung bewirkt hast. Eine Eingebung, die sich an meine Leitmotive anschmiegt wie Wellen an eine Nussschale.


Leben außerhalb der Nussschale

Einfach einsteigen. Und davonfahren. Wenn genug Wasser vorhanden ist.
Ein Traum. Gegossen in die Form einer Nussschale, welche auf Anker gelegt ist und die Gezeiten ihr Spiel treiben lässt.

Und da kommt er wieder, um die Ecke, nach dem er einmal die ganze Insel umrundet hat. Ein Dorfpoet, der seine Gedanken in eine Nussschale legen kann und dem dort alle Richtungen auf dem unendlichen Ozean der unendlichen Möglichkeiten offenstehen – er bleibt auf der Insel. Er fährt nicht fort. Den Gedanken zu entkommen – was eh niemals gelingen kann – ist nicht Sinn und Zweck einer Nussschale.

Mit ihr aber werden aus lyrischen Bildern reale Bilder. Ozean. Horizonte. Schwimmen lernen. Bilder, die eingefangen etwas sagen. Eine Nussschale provoziert die Eingebung.
Der Sinn und Zweck einer Nussschale ist es, eine Nussschale zu sein. Etwas, das einen Kern umgibt. Etwas, das sich zur Flucht anbietet. Etwas, das einen Dorfpoeten überleben lässt.

Der Ozean wird dann wieder zu einem See aus Eigentümlichkeit. Der See zu einem Rinnsal letzter Schwermut. Und am Ende bleibt, was bleiben muss. Der Mensch. Ein Regentropfen. Alles in Allem. Eben Leben außerhalb der Nussschale.

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