Neues aus dem Hinterwald

Die von mir hochgeschätzte Seite von ZEIT.DE hat mit 19 Autoren dasselbe Interview geführt. Leitfrage: Brauchen wir Amazon? Für mich ist der Tenor der Autorinnen und Autoren durch ein Leitmotiv gekennzeichnet: Heuchelei. Bis auf wenige Ausnahmen verdammen alle Interviewten Amazon. Die Heuchelei besteht für mich darin, dass diese Autorinnen und Autoren ganz einfach die Tantiemen, die sie durch den Verkauf ihrer eigenen Bücher bei Amazon verdienen, vielleicht spenden oder auf sie ganz verzichten sollten. Nur Günter Wallraff versucht den stringenten Boykott von Amazon auch bei seinen eigenen Büchern konsequent durchzuziehen – er ist als selbst postulierte moralische Instanz schlicht besonders angreifbar.

Neben dieser wirklich erbärmlichen, selbstgefälligen Heuchelei ist eines besonders auffällig: es werden zwei Dinge durcheinandergebracht, die man viel differenzierter betrachten sollte. Der Konzern Amazon, der besonders zur Weihnachtszeit Menschen übelst ausbeutet. Und der Konzern Amazon, der Zugpferd eines gigantischen Paradigmen-Wechsels ist. Die Welt verändert sich vom Papier zum elektronischen Medium. Das mag einem persönlich gefallen oder nicht – es ist so, das wird sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Vielleicht liege ich falsch, aber wer zwanzig Bücher zum Lesen in den Urlaub mitnehmen wird, den werden sie nie mehr mit einer zusätzlichen Tasche voller Bücher bei einem Check-In sehen. Je mehr mobile Geräte verkauft werden, desto mehr wird dieser Markt wachsen. Im Klartext: Amazon hat weder die menschenverachtende Raffgier, noch das eBook erfunden. Dass Amazon in beiden Bereichen marktführend ist, ist kein Grund, beides undifferenziert miteinander zu verquicken.

Wer Amazon boykottiert, weil das Unternehmen seine Arbeitnehmer beschissen behandelt – OK.
Wer Amazon boykottiert, weil er Papier für das Medium der Zukunft hält – OK.

Wer aber Amazon als Ursache für Raffgier und Niedergang der heiß gebliebten Kultur des kleinen Buchladens um die Ecke ansieht, der sieht das Problem sehr einseitig. Schuld an der Misere von Buchhandlungen, die sich nicht auf das eBook eingelassen haben, nicht die Strukturen geschaffen haben, die notwendig sind, um in den Zeiten wie diesen zu bestehen, sind die Verlage. Und ihre Ignoranz.

Ich kann mich erinnern, dass ich Ende 2006 zur Weihnachtszeit meinen ersten eReader gekauft habe. Das war in einer Mayerischen Buchhandlung (heute Thalia). Zu dem eReader gab es einen Gutschein über 20,- EUR für eBooks, einlösbar auf der Homepage des Ladens. Das Angebot damals war sehr spärlich, aber – die Struktur hat schon damals funktioniert. Diese Handelskette macht das auch heute noch ganz ordentlich. Sie bietet qualitativ ansprechende eReader und sieht ihre eBooks nicht als Konkurrenz zu den gedruckten Büchern. Genau das haben viele Buchhändler eben nicht gemacht. Sie setzen auf die altbewährten Strukturen von Großhandel -> Zwischenhändler -> Filiale in der Fußgängerzone. Das Ganze garniert mit einer Buchpreisbindung, an der weder die Autoren verdienen, noch die Buchhändler. Es verdienen die Verlage selbst. Und das sind meist marktbestimmende Verlagsgruppen (Bertelsmann, RandomHouse), die sich einen Dreck um den Aufbau von Qualität und Autorenschaft kümmern. Das Märchen, vom Verlag, der den Autor betüddelt und den kleinen schnuckeligen Buchladen um die Ecke mit subventioniert, ist purer Blödsinn. Genauso aggressiv wie Amazon gehen die Verlagsgruppen vor. Amazon ist halt nur einen Schritt voraus.
Viel mehr zu diesem Thema, habe ich vor einigen Wochen als Replik auf eine Polemik des Suhrkamp-Verlages im Kultur-Magazin geschrieben.

http://kultur-magazin-de.blogspot.de/2014/02/papier-vs-bits-der-unterschied-zwischen.html

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum ich mich demonstrativ zu Amazon bekenne. Ich habe mal eine sehr schöne, sehr wichtige Antwort auf die Einsendung eines Manuskriptes bekommen. Von Jemandem, der wirklich Ahnung hat. Das hat mich ermutigt – ich glaube von mir selbst, ein guter Autor zu sein. Das Feedback, dass ich aber von Verlagen in den letzten 20 Jahren bekomme habe, war gleich null. Die machen es sich im Moment nämlich sehr einfach. Sie werben bei Amazon die Autorinnen und Autoren ab, die sich über Self-Publishing einen Namen gemacht haben. Und eben nicht mit Hilfe eines Verlages. Sie schöpfen das ab, was Geld bringt, ohne selbst in Qualität zu investieren.

Self-Publishing – und hier ist Amazon Vorreiter im positiven Sinne – ist auch meine Zukunft. Ich werde nie wieder einen klassischen Verlag anschreiben. Und was den Erfolg angeht? Ob ich den Sechser im Lotto hier oder dort erwarte, was macht das schon? Ein zufriedener Menschen ist zufrieden mit dem, was er hat.

Mehr zum Thema Self-Publishing mit passenden Erfahrungswerten in Kürze.

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