Eurasische Pollenbomber

Ich bin ein Meister des Verdrehens von Tatsachen und Bildern. Da sitze ich hier, ich armer Tor, im temporären Delirium, ausgelöst durch Cetirizin. Das ist was gegen Heuschnupfen. Das haut echt rein. Eine Erfahrung, über die es sich zu berichten lohnt.

In die Apotheke ging ich als Kunde mit Empfehlung für gut zwei Dutzend Arten von Pillen und Nasensprays gegen Nies-Attacken.
Das Problem ist eigentlich sehr simpel und markant: Die Pollen dieser Welt, allesamt, haben sich gegen mich verschworen.

„Aber nur eine am Tag“, sagte die Dame in der Apotheke. „Und am besten abends.“
Wegen der Müdigkeit. Aber das sind nur die kleinen Geschütze. Es soll Pillen gegen Heuschnupfen geben, aus denen „Crystal Meth“ gekocht wird. Ein legalisiertes Crystal Meth wäre also der Tod des Pollenfluges, das Absterben eines pharmazeutischen Milliardenmarktes. Ich vermute ja schon lange: es gibt es gar keine Pollen. Immer dann, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte, ist eine Weltverschwörung im Gange.

Hoch oben in der Atmosphäre fliegen einmal im Jahr eurasische Bomber, bezahlt von der Pharmaindustrie und einem Kartell aus Pharmalobbyisten, neoliberalen Gutmenschenverniedlichern und ausführenden Trash-TV-Guckern, die einen Krümel des Kuchens für sich haben wollen. Sie sind die, die das Gegenmittel an der (Apo)Theke verkaufen und daran verdienen. Und zuvor, pünktlich, jedes Jahr, Ende Mai, entledigen sich die überdimensionierten Bomber, die aufgrund einer von den Geheimdiensten abgestimmten Kennung, auf keinem Radar der Welt erkannt werden, ihrer Fracht in der Atmosphäre und Millionen von Menschen laufen zur Apotheke.

Die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen und auch sonst gegen jeden Allergiker. In diesem Jahr ganz besonders.  Und ich breche mir quasi einen Zacken aus der Krone, wenn ich als zutiefst bekennender Arzneimittel-Boykotteur das zugebe: es hilft. Man fühlt sich zwar ein bisschen lädiert, aber kann bei derart perversem Pollenflug jetzt sogar bei offenem Fenster schlafen. Eine eigentlich ganz banale Erfahrung, über die es sich für einen Allergiker im Juni dennoch zu berichten lohnte … 😉

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