Heute: Kein guter Walk.

Sechs junge Frauen, gerade volljährig, optisch im Model-Bereich, bekommen eine Art Fussfessel angelegt. Zwischen ihren Knöcheln wird eine Kordel angebracht. Dazu tragen sie ein luftiges Kleidchen, schön kurz und Pumps mit mindestens 8cm hohen Absätzen.

Drei Menschen sitzen in einer Jury am Fuße eines kleinen Abhangs. Dieser Abhang ist ein wenig steinig und sehr steil. Die Aufgabe der Damen ist es, mit Fußfessel und beschriebenem Outfit den Abhang herunterzugehen. Die Jury empfängt die Damen im Tal der Weisheit.

(Bevor ich auf den eigentlichen Kern der Geschichte komme: keine der jungen Damen käme auch nur ansatzweise – selbst ohne Pumps, Kordel zwischen den Beinen und einer intelligenten Hinterfragung ihres Daseins – in die Nähe eines Attributs wie ´attraktiv´. Zumindest nicht für einen Mann mit eigenem Verstand, der von vermeintlichen Schönheitsidealen und Werbeattacken des Privatfernsehens noch nicht verhunzt wurde.)

Vier von den sechs jungen Damen legen sich auf die Fresse. Mehr oder weniger. Immer, wenn sie sich aufgerappelt haben, erscheinen sie vor der Jury.

Es erinnert ein wenig an Kafka´s „Vor dem Gesetz“.

Die Leitkuh der Jury fragt: „Na, Du weißt selbst, was heute nicht so gut war, oder?“

Die junge Dame kichert, wird ein wenig rot.

„Das, liebe [Name variabel] war heute kein guter Walk.“

Heute. Kein guter Walk.

*

Nun, so sehr Optimist könnte ich gar nicht werden, als dass ich glauben könnte, dass eine der jungen Damen auf absehbare Zeit begreifen wird, dass ihr „Walk“ ihr geringstes Problem ist.

Wir schauen uns an, wie Menschen Kakerlaken fressen. Wir ergötzen uns an dicken Menschen, wie sie ihre Trägheit vor noch trägeren Menschen vor der Glotze prostituieren. Allabendlich. Am nächsten Tag füllen wir die Kühlschränke mit den Produkten aus den Werbepausen dieser Sendungen und bemerken es selbst gar nicht.

Und dann so etwas! Junge, unschuldige Damen, brechen sich fast die dünnen Beinchen und müssen einsehen, dass sie zu doof für einen einfachen „Walk“ sind. Das ist schließlich das Wichtigste: eine gute Figur machen, selbst in Pumps mit Fussfessel an einem steinigen Abhang. Eine Frau, die einen „guten Walk“ beherrscht, ja Baby, danach suchen wir auf den Knöpfen unserer Fernbedienung, dem Zepter der Hirnkastrierten.

Wenn schon die eigene Lebenszeit nutzlos an der Fernbedienung vergeuden, dann richtig:

Warum gibt es eigentlich noch keine Sendung, bei der ein Moderator Obdachlose anspricht und ihnen 10.000 EUR anbietet, wenn sie den nächsten Haufen Hundescheisse an der nächsten Straßenecke auffressen?

Ich finde das echt inkonsequent.

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