Die Nymphe in der Nische

Eine kühle, blonde, nordische Schönheit. Weltgewandt und in sich ruhend. Das Piano erzählt Geschichten. Agnes Obel wird als Popsängerin charakterisiert – aber es gibt wohl kaum eine Künstlerin, die die Grenzen zwischen Pop und Klassik so zerfliessen lässt. Derzeit ist sie auf Welttournee. Ihr neues Album AVENTINE ist mehr als nur ein Achtungserfolg.

Von Peter Killert

Chopin und Debussy – das müssen ihre Vorbilder sein. Das Zarte, Zerbrechliche, mit dem Agnes Obel kokettieren muss, ist vielleicht ein wenig an Katie Melua angelehnt. Aber die Dänin, geboren 1980, ist sehr viel ernsthafter, sehr viel atmosphärischer als all die anderen Künstlerinnen, mit denen man sie vergleichen könnte. Alles ist sehr reduziert, sehr konzentriert. Am ehesten vielleicht wie Enya, wenn sie ganz ruhige Klänge in den Vordergrund bringt.

(c) wikipedia

Neben seichter Orchesterbegleitung ist das Piano das entscheidende Instrument. Es steht gleichberechtigt neben ihrer Stimme. So kann Obel manchmal die Melodie dominieren lassen und sich komplett zurücknehmen.

Davon lebt ihre Musik. Keine martialischen Sprünge, sondern dieses Wechselspiel zwischen sanftem Zurücknehmen und einem Aufbäumen ihrer Stimme. Weder ihre Stimme noch ihr Piano sind einzigartig. In Kombination jedoch stellt sie sich in die Nische – Agnes Obel mit ernsthafter Pop-Musik. Ernsthaft – ich möchte den Liebhaber klassischer Musik erleben, der dieser Künstlerin nichts abgewinnen kann. Sie war vermutlich schon als Kind das große Talent, dass sich schon damals geweigert hat, ein unendliches Repertoire an Klassik anzulernen – eigene Wege sind wichtiger. Sind immer wichtiger. Das ist gut so.

Die Schattenseite des Einzigartigen ist jedoch, dass sie in dieser Nische bleiben wird oder sich völlig grundlegend neu erfinden muss. Denn Agnes Obel wird man nur in ganz bestimmten Gemütslagen anhören. So wie Enya, so wie Katie Melua. Sehr schön. Wirklich sehr schön. Aber nicht immer zu gebrauchen. Eben doch keine Pop-Musik. Das muss ich mal bei wikipedia als Korrektur anregen. Wer hat das als Pop-Musik definiert?

Agnes Obel definiert Melancholie ganz neu. Ihre Musik ist ein wenig düster, träumerisch. Sie ist im besten Sinne einfach und gehaltvoll. Jeder Song ist eine neue Idee von Melancholie und schönste Untermalung zur Besinnlichkeit bei Kerzenlicht und Rotwein.

Das neue Album Aventine

Agnes Obel bei myspace

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