Schwimmen lernen

Und er lebt immer noch.
Im Einklang mit Meer und Himmel.
Ein großer Fisch, der nichts davon weiß, was schwebt zwischen Meeresspiegel und Himmelszelt.
Ein großer Fisch, dem jeder Ozean zu klein, jeder Himmel zu weit und jede Wesentlichkeit zu unscheinbar ist.
Er lässt sich immer noch treiben.
Schmunzelnd, zuzwinkernd, der Angelhaken, ausgeworfen von kleinen, sehr kleinen, kaum sichtbaren Zwergen, die mit ihren Ruten auf dem Treibholz kauern. Dort an der Oberfläche, deren Augen nur aufblitzen, wenn sie in ein Gewitter treiben.
Er sieht immer noch ein Ziel am Horizont, gleichsam jede Küste wahrgenommen wie einen Honigstreifen.
Und auch wenn er nie an Land gehen wird, so kennt er sich doch aus, in den Untiefen zwischen Meeresspiegel und Himmelszelt.
Vergesst nicht, ihm zu winken, wenn ihr auf der schmelzenden Eisscholle an ihm vorübertreibt. Vergesst nicht, von ihm zu erzählen, von seinen Augen, von seinem Gesang.
Benennt die Sterne nach ihm und Eure Kinder auch. Und gebt ihm Wasser, wenn ihr verdurstet.
Macht einen Kopfsprung in das Wasser, schwimmt mit ihm, ein Stück – nur fressen dürft ihr ihn nicht.
Und wenn aus seinem Atem, aus seiner Fontäne einst selbst die Sterne wachsen – wünscht Euch was. 
Wünscht Euch, dass ihr schwimmen lernt.

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